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78 Service
11 I 2011 www.immobilienwirtschaft.de
Projekt des schönen Lebens
Buch von Prof. Gerhard Schulze
Martin Halder,
Vorstand der Meilenwerk AG
Mein Klassiker
Werde ich gefragt, welcher Buchautor
mich und meinen berufichen Werde-
gang maßgeblich beeinfusst hat, dann
kann ich ohne langes Überlegen sagen:
Professor Gerhard Schulze. Das mag im
ersten Moment überraschend klingen, da
er nicht dem mir nahen akademischen
Umfeld der Immobilienökonomie zu-
zurechnen ist. Er ist einer der bedeu-
tendsten deutschen Soziologen.
Warum gerade ein soziologisches
Werk? Schließlich gelten sie gemeinhin
als nicht gerade leichte Kost mit ho-
hem fachwissenschaflichem Anspruch
und ebensolchem Sprachduktus. Der
wissenschafliche Anspruch ist auch
bei Schulze hoch. Die Sprache jedoch
macht seine Werke zu einem ebenso er-
kenntnisreichen, aber vor allem auch für
Nichtsoziologen lesbaren Gedankengut.
Prägnant formuliert, nachvollziehbar ge-
schrieben und zuweilen mit ironischem
Unterton analysiert er in seinem Schlüs-
selwerk „Die Erlebnisgesellschaf“ die
gesellschaflichen Prozesse und Struk-
turen der postindustriellen Gesellschaf.
Dabei zeigt Schulze auf, wie sich die In-
dividuen mehr und mehr auf die Suche
nach Erlebnissen begeben, um dadurch
das eigene Leben zu bereichern. Doch
weit gefehlt, wer meint, dass das Leben
dadurch einfacher geworden wäre: Ori-
entierungslosigkeit und die permanente
Qual der Wahl sind dadurch ständige
Begleiter der Menschen geworden.
Aber nicht nur weil es ein Schlaglicht
auf das eigene gesellschafliche Umfeld
wirf, ist das Buch für mich so bedeu-
tend: Es hat meine Arbeit maßgeblich
beeinfusst. Es sind letztlich die Entwick-
lungsströmungen in der Gesellschaf, die
als Orientierungsrahmen Impulse für
das Immobilienkonzept gegeben haben,
mehr noch als die Immobilienwirtschaf
selbst. Denn Forschungsgegenstand der
Soziologie ist der Mensch selbst – und
der sollte auch Orientierungspunkt für
die Immobilienwirtschaf sein.
Wer sich nicht gleich durch die 600
Seiten lesen möchte, dem empfehle ich
„Kulissen des Glücks“, ebenfalls von
Schulze. Auf 112 Seiten schreibt er hoch-
unterhaltsam über die Suche nach Glück
in einer Event-Kultur und deren Grenzen.
Gerhard Schulze: Die Erlebnisgesellschaft.
Kultursoziologie der Gegenwart,
Campus Verlag, Frankfurt 2005, 612 Seiten,
ISBN-13: 978-3-593-37888-6, 24,90 Euro.
Gerhard Schulze: Kulissen des Glücks. Streif-
züge durch die Event-Kultur, Campus Verlag,
Frankfurt 1999, 112 Seiten,
ISBN-13: 978-3-593-36305-9, 8,99 Euro.
„Forschungsge-
genstand der
Soziologie ist der
Mensch selbst –
und er sollte auch
Orientierungspunkt
für die Immobilien-
wirtschaft sein.“
Baukultur im Wertewandel
Was bedeutet nachhal-
tiges Bauen in der Praxis
überhaupt? Dieser Frage
geht das Buch „Baukul-
tur im Wertewandel“
in 26 Interviews mit
führenden Persönlich-
keiten der Bau- und
Immobilienbranche nach. Dabei kommen
interessante Lösungsansätze zu Tage – aber
auch durchaus Widersprüchliches.
Forum Zeitschriften und Spezialmedien
(Hrsg.), 2011, 214 S., ISBN 979-3-9813704-4-7,
69 Euro
Makler lügen nicht
Makler lügen nicht: Das
behauptet Johann Kie-
ning – und schildert in
seinem neuen Buch den
chronologischen Ablauf
eines Immobilienkaufs
zur Eigennutzung. Da-
bei blickt er auf Erfah-
rungen aus fast 30 Jahren als Makler und
Bauträger zurück. Es soll den Leser mit allen
diesbezüglich relevanten Themen und Pro-
blemen vertraut machen und ihm eine Basis
für einen optimalen Immobilienverkauf ver-
schaffen.
Rudolf Weyand, Verlag C. H. Beck, 2011, 727 S.,
ISBN 978-3-406-57874-8, 172 Euro
Die Spendenmafia
Mehr als fünf Milliarden
Euro spenden die Deut-
schen Jahr für Jahr, doch
nur ein Teil dieser enor-
men Summe erreicht
die Notleidenden. Der
Wi rtschafts journal ist
Stefan Loipfinger zeigt
in seinem Buch, mit welchen Methoden
Hilfsorganisationen und Stiftungen agieren
und große Beträge der Spenden für den ei-
genen Profit abzweigen.
Stefan Loipfinger, Knaur Taschenbuch, 2011,
272 S., ISBN 979-3-426-78498-3, 8,99 Euro