11 I 2011 www.immobilienwirtschaft.de
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Special
Lars Dormeyer ist Geschäftsführer der
Deutsche Wohnen Management GmbH
– und meint, dass Unternehmen mehr
Rechtssicherheit für energetische
Sanierungen benötigen.
Herr Dormeyer, wie geht die Deutsche Wohnen mit dem Tema Ener-
gieefzienz in ihren Beständen um? Welche grundsätzlichen Aspekte
spielen hier eine Rolle?
Dormeyer:
Im Rahmen unserer Investitionsstrategie verbessern wir suk-
zessive die Energieefzienz unserer Bestände. Da wir einen hohen Anteil
denkmalgeschützter Objekte in unserem Portfolio haben, setzen wir vor
allem auf die Optimierung der Energieanlagen. In der „Weißen Stadt“ in
Berlin zum Beispiel konnten wir durch die Umstellung der zentralen Ener-
gieversorgung von Öl auf Gas und durch Maßnahmen zur Verbesserung
der Regelungstechnik die CO2-Emissionen um 30 Prozent verringern.
Derzeit führen wir unter anderem energetische Modernisierungen in un-
seren Siedlungen in Berlin Pankow und in Hanau durch.
Wo liegen die Herausforderungen bei der Umsetzung von energiespa-
renden Maßnahmen im Bestand?
Dormeyer:
Mieterinteressen und Energiethemen lassen sich nicht immer
leicht vereinbaren. In einem Fall mussten wir über mehrere Instanzen bis
vor den Bundesgerichtshof, um die Duldungspficht einer energiespa-
renden Modernisierung zu erreichen. Hier ist es für Wohnungsunterneh-
men extrem wichtig, dass Rechtssicherheit geschafen wird, die energe-
tische Maßnahmen in den Beständen für uns planbar macht. Die neuere
Rechtsprechung geht aber schon in die richtige Richtung.
Welche Trends sehen Sie im Bereich Energieefzienz für die nächsten
Jahre?
Dormeyer:
Ich gehe davon aus, dass die Anforderungen immer weiter
zunehmen. Wir werden auch in Zukunf auf krafwärmegekoppelte Ver-
sorgungskonzepte setzen. Insbesondere die BHKW-Technologie auf Basis
ressourcenschonender Energieträger bietet hier einiges an Potenzial. Die
Umsetzbarkeit solcher Maßnahmen ist natürlich wesentlich abhängig von
der ökonomischen Rentabilität.
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Interview
Lars Dormeyer
3 Fragen an Lars Dormeyer
der Sanierung ist der Einsatz energie-
sparender Leuchtmittel, insbesondere
dann, wenn die Leuchten ohnehin aus-
getauscht werden müssen“, empfehlt
Tajo Friedemann. „Zum einen entstehen
keine Ausfallzeiten, zum anderen bieten
Allgemeinfächen wie Eingangszonen,
Flure, Treppenhäuser und Parkbereiche
ein breites Einsparpotenzial.“ Nach sei-
nen Erfahrungen lassen sich – in Abhän-
gigkeit von Größe und Zusammenstel-
lung des Immobilienportfolios – jährlich
sechs- bis siebenstellige Summen einspa-
ren.
Und welche neuen Trends könnten
seiner Meinung nach in der Immobili-
enbranche möglicherweise künfig eine
Rolle spielen? „Die CO2-Steuer und der
CO2-Zertifkatehandel. Meiner Meinung
nach wird die Steuer spätestens im Rah-
men der kommenden Legislaturperiode
auf der politischen Traktandenliste lan-
den. Bereits hierdurch wird sie einen er-
heblichen Einfuss auf Wertentwicklung
und Vermarktung von Immobilien neh-
men.“
Der CO2-Zertifkatehandel basiert
auf der gesetzlich geregelten Zuteilung
von maximalen CO2-Emissionen. Un-
terschreitet ein Unternehmen die ihm
zugewiesene Emissionsmenge, kann es
mit den übriggebliebenen Mengen han-
deln. Überschreitet es die Mengen, fallen
entweder Sanktionszahlungen an oder
das Unternehmen muss Emissionsbe-
rechtigungen von Emittenten kaufen, die
unter ihrer erlaubten Emissionsmenge
geblieben sind. „Es ist zu überlegen, ob
die Immobilienbranche nicht Interesse
an dem Handel geltend machen möchte.
Sie könnte durch freiwillige Maßnahmen
den CO2-Ausstoß reduzieren und mit
dem Überschuss Gewinne erwirtschaf-
ten. Damit wäre es möglich, mit Maß-
nahmen zur Energieefzienz bei Gebäu-
den neue Wertschöpfungsbereiche zu
erschließen.“
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