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und die Probe an ein akkreditiertes La-
bor geschickt werden. Innerhalb von 48
Stunden nach der Entnahme muss im
Labor die Analyse der Probe beginnen.
Dort wird das Ergebnis ausgezählt und
gegebenenfalls weiter untersucht. Wenn
dann der sogenannte technische Maß-
nahmenwert von 100 koloniebildenden
Einheiten (KBE) pro 100 Milliliter er-
reicht wird, müssen umgehend weitere
Maßnahmen getrofen werden, um die
Trinkwasseranlage legionellenfrei zu be-
kommen. Das Ergebnis jeder Überprü-
fung ist sowohl dem Gesundheitsamt als
auch den Bewohnern des Hauses unver-
züglich mitzuteilen. Die Ergebnisse der
Untersuchungen müssen entsprechend
dokumentiert und zehn Jahre lang archi-
viert werden. Alles in allem zu viel Auf-
wand und ein großes Hafungsrisiko für
jemanden, der „nur“ verwalten, bewirt-
schafen oder vermieten will.
Prädestiniert für diese Dienstleis-
tung scheinen Wärmemessdienstleister.
Mitarbeiter der Unternehmen sind so-
wieso regelmäßig in den Häusern, um
abzulesen und auszutauschen. Kalori-
meta brachte pünktlich zur Expo Real
die Ankündigung, man biete ab sofort
die komplette Dienstleistung inklusive
eventueller Nachrüstungen für die Ent-
nahmestellen bundesweit an. Die Wett-
bewerber sind da noch zurückhaltender.
In Eschborn bei Techem überlegt man
noch, hält das Tema jedoch für nicht
ganz so heiß. Ofziell gibt es jedoch
keinen Kommentar. Ista prüf zurzeit
die Machbarkeit, sieht wegen der noch
ofenen Übergangsfrist jedoch keinen
sofortigen Handlungsbedarf. Im No-
vember soll die Entscheidung fallen, ob
die Essener in den Markt mit einsteigen.
Bei Minol heißt es, man mache sich in-
tensive Gedanken über das Tema, wol-
le jedoch nichts überstürzen. Mitunter
skeptisch wird der große Aufwand be-
trachtet, der nötig ist, um die Dienstleis-
tung anbieten zu können.
Viel Logistik nötig
Viel Qualifzierung ist erforderlich.
Beim Ablesen der Verbräuche für Hei-
zung und Warmwasser und demWarten
der Rauchwarnmelder kann die Wasser-
probe gleich mit entnommen werden.
Anschließend geht die versiegelte Probe
per Express an ein Vertragslabor. Diese
Labore sind in Deutschland so verteilt,
dass der geforderte enge Zeitrahmen
zwischen Probeentnahme und Unter-
suchungsbeginn im Labor eingehalten
wird. Innerhalb von 14 Tagen teilt das
Unternehmen dem Gebäudeeigentümer
und auf Wunsch auch dem zuständigen
Gesundheitsamt das Ergebnis mit. Die
Untersuchungsergebnisse archivieren
die Hamburger zehn Jahre lang.
Das Ganze ist keine Selbstverständ-
lichkeit, sondern nur mit einem bundes-
weit verfügbaren, technisch geschulten
Außendienst möglich, für den der Um-
gang mit Mietern Alltag ist. Notwendig
für den gesamten Prozess ist die zentra-
le Kommunikation mit dem Labor und
den Gesundheitsämtern. Der frist- und
fachgerechte Versand der Proben an das
Labor und die zeitnahe Rückmeldung an
die Wohnungsunternehmen und Woh-
nungsnutzer benötigt einiges an Logis-
tik. Die Mieter sollten in Abstimmung
mit dem Wohnungsunternehmen oder
Verwalter informiert werden. Dafür bie-
tet sich ein Aushang im Haus an.
Gesundheitsexperten wissen seit
Längerem, dass viele teilweise auch töd-
lich verlaufende Lungenentzündungen
auf unerkannte Legionellen-Infektionen
zurückzuführen sind. Als Brutstätte der
Bakterien sind insbesondere die Trink-
wasseranlagen identifziert. Das Ge-
sundheitsministerium hat verschärfe
Kontrollen der Warmwasserbereitungs-
anlagen angeordnet. Nicht jeder Kontakt
mit legionellenhaltigem Wasser führt zu
einer Gesundheitsgefährdung. Erst das
Einatmen bakterienhaltigen Wassers als
Aerosol, also Luf-Wasser-Gemisch, zum
Beispiel beim Duschen, bei Klimaanla-
gen, durch Rasensprenger oder in Whirl-
pools, kann zur Erkrankung führen. Be-
sondersgefährdet sindälterePersonenund
Kleinkinder.
Juristisch gesehen tragen alle Ei-
gentümer und Betreiber von Trink-
wasserinstallationen in Gebäuden, in
denen eine Trinkwasserabgabe an Dritte
möglich ist, somit eine hohe Verantwor-
tung und ein entsprechendes Hafungs-
risiko.
I
|
Auf einen Blick
Seit dem 1. November gilt die neue Trink-
›
wasserverordnung.
Jährliche Trinkwasserüberprüfung ist in
›
den meisten Mehrfamilienhäusern Pflicht.
Noch sind viele Details der Verordnung
›
nicht geklärt.
Ein Wärmemessdienstleister bietet bislang
›
die Wasseranalyse an.
Viele tödlich verlaufende Lungenentzün-
›
dungen sind unerkannte Legionellen-
Infektionen.
Eine Liste der 250 akkreditierten Labore gilt
›
es unter www.dar.bam.de/ast/ib51.html
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