52 Finanzen, Markt + Management
11 | 2011 www.immobilienwirtschaft.de
undWirtschaflichkeit indenKöpfen zum
Widerspruch werden“, meint die Professo-
rin. Auch ein wirtschaflicher Mittelein-
satz, eine sozial stabilisierende Funktion
oder das vorausschauende Wirtschafen
seien Aspekte von Nachhaltigkeit.
Betrachtet man, welche Maßnah-
men von Wohnungsunternehmen heute
bereits umgesetzt werden, dann fnden
sich die von Schäfer genannten Punkte
klar wieder: Instandhaltungskostenma-
nagement, Betriebskostenmanagement,
bedürfnisorientierte Wohnraumversor-
gung und die massive Bereitstellung von
Serviceangeboten für Senioren sind Bei-
spiele für ökonomisch oder sozial nach-
haltige Strategien, deren Ausfuss lang-
fristig massive Efekt auf die Gesellschaf
haben können.
Das jedoch wollen viele Wohnungs-
unternehmen nicht wahrhaben. Sie
versuchen beispielsweise, den Bau von
Passivhäusern wirtschaflich zu rechnen,
stellen dann angesichts der augenblick-
Umfrage:
In welchem Umfang wenden Sie die folgenden Maßnahmen in Ihrem Unternehmen an?
lichen Lage aber meist fest, dass das nun
einmal nicht der Fall ist. Verzichten sie
dann auf den Bau des Passivhauses, so
meinen sie, sie hätten sich damit gegen
eine nachhaltige Maßnahme entschie-
den. Nicht im Blick haben sie jedoch,
dass sie damit Mittel eingespart haben,
die anderswo viel sinnvoller und auch
nachhaltiger eingesetzt werden – sei es
für Mietercafés, Energieberatungen oder
andere Maßnahmen.
Nachhaltiges Handeln ist besser
als ein Zertifikat
Der Gedanke, dass Nachhaltigkeit mehr
Aspekte besitzt als nur die Zertifzierung
von Gebäuden, hat jedenfalls Fuß gefasst:
55 Prozent der Unternehmen, die sich
zukünfig eine Zertifzierung vorstellen
können, würden lieber das Entschei-
den und Handeln zertifzieren lassen als
den nackten Bestand. Etwa 21 Prozent
der befragten Unternehmen gaben an,
Abbildung 2
Neubauten in Passivhausweise sind vielen Unternehmen noch zu teuer. Aber es gibt auch andere Faktoren, die die Umwelt
schonen und die bei vielen Unternehmen inzwischen Standard sind, etwa energetische Sanierungen. Und das Thema Nachhaltigkeit um-
fasst noch mehr: Soziale und ökonomische Aspekte spielen ebenso eine Rolle wie die technische Ausstattung der Gebäude.
dass das Instrument der Zertifzierung
zur Umsetzung von Nachhaltigkeit im
Unternehmen nicht notwendig sei und
trafen Aussagen wie: „Zertifzierungen
kosten nur Geld und verursachen Büro-
kratie“ oder „Handeln ist wichtiger als
Zertifzierung.“
Die Ergebnisse der Abschlussarbeit
sollen demnächst in ein angeschlossenes
Projekt einfießen: Ein Balanced-Score-
card-Modell ist in Arbeit, mit dessen
Hilfe Unternehmen künfig in der Lage
sein könnten, die eigene Nachhaltigkeit
auf einen Punktwert zu bringen und
die Nachhaltigkeit des eigenen Handels
transparent zu machen. Prof. Dr. Sigrid
Schaefer hält das für dringend notwen-
dig: „Die Branche muss sich nicht ver-
stecken, andere können sogar von ihr
lernen. Aber mehr Transparenz ist drin-
gend notwendig, damit die Unterneh-
men gegenüber der Öfentlichkeit, ihren
Kunden und Shareholdern argumentie-
ren können.“
I
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Instandhaltungskostenmanagement
Energetische Sanierung
Betriebskostenmanagement
Schaffung von Rahmenbedingungen für Mitarbeiter
für eine kundenorientierte Arbeitsweise
Bedürfnisorientierte Wohnraumversorgung
Aufwertungen des Wohnumfelds
Serviceangebote für Senioren
Neubau/Sanierung im Niedrigenergiestandard
Wirkung auf das Nutzerverhalten
Mietereinbeziehung bei Sanierungsmaßnahmen
Mietereinbeziehung bei Wohnumfeldgestaltung
Serviceangebote für Familien
Langfristige Kosten- und Nutzenanalysen
bei der Baustoff- und Bauteilauswahl
Neubau im Passivhausstandard
0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100%
64
106
11
1
92
72
18
0
58
100
22
1
53
98
30
1
54
89
35
4
37
96
46
3
55
73
40
14
40
69
46
27
28
78
70
6
29
73
69
11
22
67
81
12
26
58
70
28
9
66
86
20
8 23
54
97
Angaben in Prozent.