Seite 51 - Immobilienwirtschaft_11_2011

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überraschend ehrlich und haben sich in
Hinsicht auf die Nachhaltigkeit des eige-
nen Handelns teilweise sogar schlechter
bewertet als sie eigentlich sind. Erst im
weiteren Verlauf der Umfrage haben sie
dann mehr oder weniger unbewusst ge-
zeigt, dass sie nachhaltiger agieren als sie
selbst dachten. Denn viele Aspekte des
Temas werden in den Unternehmen
punktuell schon umgesetzt, aber of fehlt
noch die gesamtstrategische Sicht auf die
einzelnen Projekte mit Nachhaltigkeits-
faktor.
Nachhaltigkeit ist weit mehr
als pure Ökologie
Woran das liegt? Die Untersuchungser-
gebnisse sprechen da eine klare Sprache.
Die meisten Unternehmen sehen Nach-
haltigkeit vor allem als ökologisches Te-
ma, insbesondere verbinden sie es mit
Solarprojekten und Erdwärme, energe-
tischen Modernisierungen und anderen
Kohlendioxid-Einsparungsmaßnahmen.
Die Studie hat hingegen einen
breiteren Ansatz, fragt ausdrücklich
auch nach sozialen und ökonomischen
Aspekten des Begrifs Nachhaltigkeit.
Denn wenn man tiefer in die Tematik
eintaucht, ist schnell klar, dass sich alles
miteinander in Beziehung setzen lässt
und dass Nachhaltigkeit mehr ist als die
technisch-ökologische Perspektive, die
sich vor allem die diversen Gütesiegel
und Zertifzierungen zu Eigen gemacht
haben.
Auf einen Blick
94 Prozent der befragten 200 Unterneh-
men halten Nachhaltigkeit für ein wich-
tiges Thema, 70 Prozent setzen auch ent-
sprechende Leitbilder um.
Die meisten Unternehmen sehen Nach-
haltigkeit vor allem als ökologisches
Thema.
Zertifizierungen finden viele der Befragten
nicht so wichtig.
|
J
Angaben in Prozent.
Quelle: Lars Hoffmann
Umfrage:
Wie wirkt Ihrer Meinung nachhaltiges unternehmerisches Handeln auf ...
Abbildung 1
Nachhaltiges Handeln ist
etwas Positives: Das meint eine große
Mehrheit der befragten Unternehmen.
Mehr als 80 Prozent glauben, damit ihr
Image „stark“ oder „sehr stark“ verbes-
sern zu können. Nachhaltigkeit steigert
auch die Zufriedenheit von Mitarbeitern
und Mietern, meinen die Unternehmen.
Imagegewinn
Steigerung der
Mieterzufriedenheit
Verbesserung der
Mitarbeiterzufriedenheit
Verbesserung der
wirtschaftlichen Situation
Für die Master-Arbeit wurden mehr als
3.000 Gesellschafen und Genossen-
schafen der Immobilienbranche ange-
schrieben, rund 200 haben geantwortet.
Dabei ging es um die Fragen, an welchen
Begrifen die Unternehmen das Tema
Nachhaltigkeit festmachen, welche Re-
levanz sie dem Tema beimessen und
welche Maßnahmen konkret umgesetzt
werden. Das Ergebnis: 94 Prozent der
Befragten halten Nachhaltigkeit für ein
wichtiges Tema, 70 Prozent setzen auch
entsprechende Leitbilder in den Unter-
nehmenszielen um.
Das Ergebnis klingt sehr positiv, muss
jedoch mit einer Einschränkung gesehen
werden: Möglicherweise haben sich vor
allem die Unternehmen an der Studie
beteiligt, die zum Tema Nachhaltigkeit
etwas sagen wollten – und damit diejeni-
gen, die sich sowiso schon in irgendeiner
Weise damit auseinandergesetzt haben.
Trotzdem waren viele der Befragten aber
Denn die Frage ist: Was ist tatsächlich
nachhaltiger? Drei ausgewählte Objekte
zum Passivhaus zu machen – oder die
Mittel fächendeckend einzusetzen?
Oder generieren soziale Maßnahmen im
Viertel vielleicht langfristig mehr Beneft
als fünf Dächer mit einer Photovoltaik-
anlage?
Die Wahrnehmung, dass Nachhaltig-
keit sehr stark ökologisch geprägt ist und
deshalb im Widerspruch zu wirtschaf-
lichen Zielen steht, zeigte sich in der Be-
antwortung der Frage nach der Wirkung
der Nachhaltigkeit: Aufällig war dabei,
dass nach Meinung der befragten Unter-
nehmen nachhaltiges unternehmerisches
Handeln sehr stark auf den Schutz der
Umwelt wirkt, während die Verbesse-
rung der wirtschaflichen Situation als
kritisch gesehen wird.
Schiefe Wahrnehmung
des Nachhaltigkeitsbegriffs
„Da liegt ein Fehlschluss, eine schiefe
Wahrnehmung des Nachhaltigkeitsbe-
grifs vor, durch die sich die Unterneh-
men selbst unterschätzen“, konstatiert
Prof. Dr. Sigrid Schaefer. Sie ist Inhabe-
rin der Professur Controlling und nach-
haltiges Wirtschafen an der EBZ Busi-
ness School und hat die Master-Arbeit
betreut. „Abgesehen davon, dass die
Wohnungsunternehmen bereits heute
überdurchschnittlich gut modernisierte
Beständebesitzen, solltensiegarnicht erst
zulassen, dass Nachhaltigkeit
Schutz der Umwelt
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