44 Finanzen, Markt + Management
11 | 2011 www.immobilienwirtschaft.de
Die Zahlen sprechen für sich. Im ersten
Halbjahr 2011 haben inländische und
ausländische Investoren laut Jones Lang
LaSalle 6,2 Milliarden Euro in deutsche
Handelsimmobilien investiert. Gemes-
sen am Gesamttransaktionsvolumen mit
Gewerbeimmobilien von 11,3 Milliarden
Euro ist das ein Anteil von 56 Prozent.
Die zweitstärkste Anlageklasse „Büro-
immobilien“ folgt mit 2,7 Milliarden
Euro (24 Prozent). Für das Gesamtjahr
erwarten Experten wie Jan Linsin, Head
of Research bei CB Richard Ellis (CBRE),
bei Retail Assets ein Investitionsvolumen
von zehn bis zwölf Milliarden Euro. Da-
mit könnten Handelsimmobilien ihre
Vormachtstellung im Gesamtjahr halten.
Die zahlreichen Übernahmen in der
jüngeren Vergangenheit untermauern
die Prognose. Zuletzt hatte sich die Alli-
anz Real Estate Germany mit 80 Prozent
am neuen Frankfurter Shopping-Center
Skyline Plaza beteiligt und die Deutsche
Euro Shop AG mit 50 Prozent am Allee-
Center in Magdeburg. Hinzu kommen
Käufe im stark gefragten Fachmarktseg-
ment. Und auch aus dem Hertie-Portfo-
lio fnden immer wieder Häuser einen
Käufer.
Im Vorjahr hatten sich Handelsim-
mobilien mit einem Investitionsvolumen
von 7,46 Milliarden Euro oder einem
Anteil von 39 Prozent am Gesamtmarkt
ganz knapp hinter Büroimmobilien mit
7,7 Milliarden Euro oder 40 Prozent auf
Rang zwei etabliert. Für Jan Dirk Pop-
pinga, Head of Retail Investment bei CB
Richard Ellis in Deutschland, zeigt diese
stabile Entwicklung, dass sich „der In-
vestmentmarkt für Einzelhandelsimmo-
bilien als ebenbürtige Anlageklasse zum
Punktsieg für den Einzelhandel
Retail Assets.
Handelsimmobilien sind derzeit die unbestrittenen Stars
auf dem Investmentmarkt. Filialisten zahlen oft Schlüsselgeld für gute Lagen.
Die Rolle des Research wird immer wichtiger.
zehn Jahren. Bei Handelsimmobilien,
vor allem bei Lebensmittel-Filialisten in
Fachmarkt- und Nahversorgungszen-
tren, erreichen sie in der Regel 15 Jahre
mit der Option auf mehrfache Verlänge-
rung um fünf Jahre. Da der Einzelhandel
zusammen mit der Immobilie und dem
guten Standort sein Geschäf macht, die
Lage also nicht beliebig austauschbar ist,
gibt es für gute Geschäfe und Märkte in
der Regel mehrere Mietinteressenten. In-
sofern ist die Nachvermietung bei guten
Standorten kein Tema.
Für den Büromieter spielt die gute
Verkehrsanbindung der Immobilie in
erster Linie mit Blick auf die bequeme
Erreichbarkeit für die Mitarbeiter eine
Rolle und die gute Lage, um das Prestige
des Unternehmens zu unterstreichen.
Richtiger Standort ist entscheidend
Wie wichtig dagegen der richtige Stand-
ort für den Erfolg des Einzelhändlers ist,
lässt sich am ehesten daran ablesen, dass
bonitätsstarke
Einzelhandelsflialisten
auch bereit sind, sechsstellige Beträge –
bekannt als „Schlüsselgeld“ oder „key
money“ – zu zahlen, um sich einen La-
den in einer sehr guten Lage zu sichern.
Daraus ergibt sich automatisch, dass die
Bindung des Mieters an die Verkaufsfä-
che bei Retail Assets hoch ist. Für den
Büromieter sind Bürofächen dagegen
eher austauschbar.
Ein weiterer Unterschied ist die
„hohe Wettbewerbsdichte“ bei Büroim-
mobilien, der laut Heese auf der Han-
delsimmobilienseite ein „hoher Konkur-
renzschutz“ insbesondere bei zentralen
Versorgungsbereichen gegenübersteht.
Investmentmarkt für Büroimmobilien
nun nachhaltig etabliert hat“.
Wertschätzung für Retail Assets
Diese hohe Wertschätzung der Retail
Assets im „klassischen Büroimmobilien-
land Deutschland“ hat laut Lars Heese,
Geschäfsführer der Hahn Fonds Invest
GmbH, einen Grund, der sich im di-
rekten Vergleich „Büro – Handel“ an vie-
len Fakten ablesen lässt. Der Unterschied
beginnt schon bei der Standortwahl. Bei
Investments inBüroimmobilienkommen
laut Heese im Grunde nur die A-Städte
infrage, bei Handelsimmobilien dehnt
sich der Bereich lohnender Investments
auch auf die B- und C-Städte aus. Denn
auch hier gibt es gute Handelsimmobi-
lien mit hoher Frequenz. Dazu gehören
hierzulande etwa 300 Städte.
Beachtlich ist auch der Unterschied
bei der Mietvertragslaufzeit: Bei Büro-
immobilien liegen sie zwischen fünf und
Auf einen Blick
Handelsimmobilien hatten im ersten
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Halbjahr einen Anteil von 56 Prozent am
Gesamttransaktionsvolumen. Büroimmo-
bilien haben den ersten Rang verloren.
Handelsimmobilien bieten nach wie vor
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gute Perspektiven für Anleger.
Grundvoraussetzung für die Investition in
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Handelsimmobilien ist ein substanzielles
Research und die Zusammenarbeit von
Akquisitionsteam, Transaktionsmanager
sowie Fondsmanager, Asset- und Proper-
ty-Managern.
Dr. Ruth Vierbuchen, Düsseldorf
Foto: Oxfordian Kussuth/pixelio.de