www.immobilienwirtschaft.de 11 | 2011
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Jones Lang LaSalle (JLL) ermittelte, sind
die Transaktionen mit Gewerbeimmobi-
lien in Deutschland seit Jahresbeginn ge-
genüber den ersten neun Monaten 2010
um 27 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro
gestiegen. Marcus Lemli, Leiter Leasing
& Capital Markets JLL Deutschland, er-
wartet, dass sich die Dynamik im vierten
Quartal fortsetzt: „Für das Gesamtjahr
2011 rechnen wir mit einem Transak-
tionsvolumen von bis zu 24 Milliarden
Euro.“ Mit einem etwas geringeren Ge-
samtumsatz – 22 Milliarden Euro – rech-
nen die Experten von BNP Paribas; doch
auch dieses Volumen wäre gegenüber
dem Vorjahr ein deutlicher Anstieg.
Allerdings betrif die Nachfrage
nicht alle Marktsegmente: Das Markt-
geschehen konzentriere sich auf voll
vermietete Immobilien in erstklassigen
Innenstadtlagen, sagt Piotr Bienkowski,
Geschäfsführer von BNP Paribas Real
Estate Deutschland. Die Nachfrage der
Investoren an erstklassigen Immobilien
in Kernmärkten übersteige das Angebot
deutlich, bestätigt Fabian Klein MRICS,
Head of Investment bei CB Richard El-
lis in Deutschland: „Es wird zunehmend
schwerer für Investoren, entsprechende
Objekte zu fnden.“
Das knappe Angebot ist nicht die
einzige Herausforderung für die Bran-
che. Im Moment sei das Verhältnis
zwischen Angebot und Nachfrage bei
Immobilienfnanzierungen zwar relativ
ausgeglichen, insofern sei die krisenbe-
dingte „Kapitalklemme“ überwunden,
sagt Peter Axmann, Leiter des Immobi-
lienbereichs der HSH Nordbank. Doch
werde der Finanzierungsbedarf deutlich
wachsen. Die Finanzierung von größe-
ren Kreditbeträgen bezeichnen Markt-
teilnehmer wie Andreas Segal, Finanz-
vorstand der börsennotierten Berliner
Wohnungsgesellschaf GSW, denn auch
als eine „sehr herausfordernde Aufgabe
für die Immobilienbranche“.
Gute Betriebstemperatur
Doch auch wenn sich die Temen auf
der Messe vor allem um die aktuelle
Schulden- und Währungsproblematik in
Europa und ihre Auswirkungen auf die
Immobilienmärkte drehten – noch zeigt
sich das Gros der Marktteilnehmer durch
die Abkühlung der Konjunktur oder hö-
here Hürden bei der Finanzierung nicht
beeindruckt. Die Expo Real habe sich
einmal mehr als „verlässliches Barome-
ter der Stimmung an den europäischen
Immobilienmärkten“ erwiesen, meint
Reinhard Kutscher, Vorsitzender der
Geschäfsführung der Union Investment
Real Estate. Sein Fazit: „2011 herrscht
gute Betriebstemperatur. Eine Abküh-
lung wird jedoch mit Blick nach vorne
zunehmend einkalkuliert.“
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Auf der Expo Real 2011 stellten insgesamt
1.610 Unternehmen aus 34 Ländern aus;
von 37.000 Teilnehmern waren 19.000
Fachbesucher und 18.000 Repräsentanten
der ausstellenden Unternehmen.
Die Top Ten unter den insgesamt 72 Besu-
cherländern waren neben Deutschland Groß-
britannien, Niederlande, Österreich, Schweiz,
Frankreich, Polen, USA, Tschechische Repu-
blik, Russische Förderation und Luxemburg.
Zunehmendes Interesse an einem Besuch
zeigten vor allem Marktteilnehmer aus West-
und Zentraleuropa; aus Südeuropa war der
Besucherandrang überschaubar, und die Be-
sucherzahlen aus Osteuropa erreichten noch
nicht das Vorkrisenniveau. Knapp doppelt so
viel Aussteller wie 2010 kamen dagegen aus
den Niederlanden.
geprägt waren. Die hohen Besucher-
zahlen wertet der Experte als „ein sehr
vielversprechendes Zukunfssignal“ für
die Immobilienbranche. „Im letzten Jahr
hatte ich noch 54 Gespräche, dieses Jahr
waren es zwar nur 30, aber dafür gefühlte
100 Termine“, berichtet Engbrocks.
Auch Ulrich Kater, Chefvolkswirt
der Deka Bank, geht davon aus, dass die
konjunkturelle Eintrübung die Immo-
bilienmärkte nicht so sehr betrif: „Wir
haben eine Wirtschafsschwäche und
keine tiefe Rezession.“ Es gebe nur mi-
nimale Auswirkungen auf den Arbeits-
markt in Deutschland und somit auf den
Immobilienmarkt. Hinzu komme, dass
Investoren bei instabilen Finanzmärkten
eine klare Strategie und sichere Anlagen
suchten. „Die Strategie des klugen In-
vestors zielt im aktuellen Marktumfeld
wieder sehr stark auf gesunde Funda-
mentalwerte“, bestätigt Engbrocks. Zu-
dem werde das Tema Liquidität immer
wichtiger – also die Frage, wie schnell
kann ich mich in Märkte hinein- oder
auch wieder herausbewegen.
In dieser Hinsicht scheint der Stand-
ort Deutschland – aufgrund seiner
(noch) gesunden Fundamentaldaten und
der im Vergleich zum europäischen Um-
feld hohen Stabilität – große Chancen zu
bieten. Wie der Immobiliendienstleister
Expo Real 2011:
Stabile Zahlen
Die Frankfurter Wirtschaftsförderung
GmbH (WiFö) hat zum Abschluss der Expo
Real ein positives Fazit gezogen. Frankfurt
sei noch immer die für Investoren und
Projektentwickler wichtigste und interes-
santeste Destination in Deutschland.
Die Zahl der interessierten Partner und die
Intensität der geführten Gespräche habe
die vor der Messe nicht ohne Grund vor-
handene Skepsis deutlich widerlegt. Trotz
der aktuellen Krise um den Euro sei das
Interesse an Immobilien in der Mainmetro-
pole nicht zurückgegangen. „Diese Messe
konnte alle Skeptiker davon überzeugen,
dass die Immobilienwirtschaft in der Bun-
desrepublik so lebendig und aktiv ist wie eh
und je“, sagte WiFö-Geschäftsführer Peter
Kania. In diesem Jahr präsentierte sich die
Stadt Frankfurt mit einer Rekordbeteiligung
von 31 Partnerunternehmen auf der Expo
Real. Dafür musste der Stand um rund 50
Quadratmeter auf fast 480 Quadratmeter
erweitert werden. Allein für den Stand der
Wirtschaftsförderung interessierten sich pro
Messetag mehr als 1.000 Besucher. Kania
nannte es besonders erfreulich, dass die
hohe Frequenz inzwischen weitere Unter-
nehmen zu ersten Überlegungen veranlasst
hat, sich im kommenden Jahr ebenfalls am
Frankfurter Gemeinschaftsstand zu beteili-
gen. Auch die vorgestellten großen Immo-
bilienprojekte in Frankfurt haben bei den
Besuchern regen Anklang gefunden.
Frankfurter Wirtschaftsförderung mit Rekordbeteiligung