30 Finanzen, Markt + Management
11 | 2011 www.immobilienwirtschaft.de
Dringend gesucht wird also ein Re-
zept, wie die Tochter in Windeseile auf
Vordermann gebracht werden kann.
Denn sie muss für potenzielle Käufer
attraktiver gemacht werden. DZ-Bank-
Analystin Corinna Dröse allerdings ist
da ähnlich pessimistisch wie auch Bles-
sing: „Ein Patentrezept gibt es nicht“,
sagt sie. Weder eine andere Bank noch
ein Finanzinvestor werde sich mit der
Eurohypo in ihrer jetzigen Größe und
Ausrichtung „schmücken“. Ein eventu-
eller Börsengang sei unter den aktuellen
Gegebenheiten ebenfalls mehr als illuso-
risch. Das gelte auch für die Hypo-Real-
Estate-Töchter (HRE) Depfa und Deut-
sche Pfandbriefank.
Milliardenbunker
Europäische Zentralbank
Dass sich in absehbarer Zeit dieser trü-
be Horizont aufellen könnte, ist kaum
zu erwarten. Das europäische Staats-
schuldendrama und die ungelöste Euro-
Krise setzen dem gesamten Bankensek-
tor nicht nur in Deutschland weiterhin
vehement zu. An den Interbankenmär-
kten sind die Risikoaufschläge in der
Zwischenzeit merklich gestiegen. Das
nach Lehman mühsam wiederhergestell-
te Vertrauen der Geldhäuser untereinan-
der ist wiederum angeknackst. Daher
bunkern viele Bankhäuser lieber freie
Mittel in dreistelliger Milliardenhöhe
bei der EZB als sie anderen Branchen-
Playern zur Verfügung zu stellen. Und
nach der Zwangsverstaatlichung des
belgisch-niederländischen Staatsfnanzi-
ers Dexia dürfe sich die Situation kaum
entspannen.
Die Eurohypo verfügt Analysten zufol-
ge über ein Exposure an Griechenland-
Anleihen von 3,1 Milliarden Euro, deren
Risiken bereits zu einem Viertel abge-
schrieben sein sollen. „Selbst weitere
Wertberichtigungen würde die Euro-
hypo verkrafen“, ist sich Dröse sicher.
Knifiger würde die bestehende Situati-
on wohl, falls auch italienische und spa-
nische Staatsanleihen erheblich an Wert
verlören. Das hält Dröse – vor dem Hin-
tergrund der politischen Stabilisierungs-
bemühungen – allerdings für unwahr-
scheinlich. Doch die Rating-Agenturen
Fitch, Moody´s und Standard and Poor´s
stufen unlängst das Bonitäts-Rating bei-
der Länder weiter herab. Nach Angaben
von Analysten wäre im Falle der Euro-
Staaten Italien und Spanien allein bei der
Eurohypo ein Anleihen-Exposure von
fast 16 Milliarden Euro betrofen. Bei
der HRE-Gruppe soll es sogar deutlich
mehr sein.
Rudert die EU-Kommission
zurück?
Angesichts der durchaus schwierigen
Situation, in der sich Depfa, Deutsche
Pfandbriefank und Eurohypo befnden,
könnte auch die Kommission der Euro-
päischen Union zurückrudern müssen.
Sie hat der Commerzbank auferlegt, sich
bis 2014 von der Eurohypo zu trennen.
Aus der Depfa soll sich der Bund bis
2013, bei der Deutschen Pfandbriefank
bis 2014 als Eigentümer zurückziehen.
„Sollte sich die Situation an den Finanz-
märkten nicht schnell bessern, wird die-
se Vorgabe kaum zu halten sein“, sagt
Dröse. Bei den Geldhäusern gibt man
sich allerdings weiterhin gelassen. Drei,
ja sogar nur zwei Jahre seien noch ein ge-
nügend dickes Zeitpolster, um geeignete
Lösungswege zu fnden, wird argumen-
tiert.
Analysten des Markts indes den-
ken da schon weiter. Sie halten es bei
der Eurohypo im Extremfall sogar für
möglich, dass statt eines Komplettver-
kaufs der Bank einfach der Abverkauf
des Exposure fortgesetzt wird und ein
übrig bleibender Rest auf die Mutter
Commerzbank verschmolzen wird. „Das
organisatorisch zu bewerkstelligen, wäre
für die Commerzbank kein Problem“, ist
Dröse überzeugt. Die EU-Kommission
würde wohl gezwungenermaßen – den
ihr fehlen die geeigneten Alternativen –
mitziehen.
Nicht nur die Häuser Depfa, Deut-
sche Pfandbriefank und Eurohypo ste-
hen vor enormen Herausforderungen.
Alle Pfandbriefanken am Markt müs-
sen sich auf jene Änderungen einstellen,
die durch Basel III und Solvency II auf
sie zukommen. Eine der geplanten Maß-
nahmen stört insbesondere diesen Teil-
bereich der Branche sehr: Es ist die ge-
plante Einführung einer Leverage Ratio,
mit der die Immobilienkreditvergabe auf
das 33-fache des hafenden Eigenkapitals
begrenzt werden soll. „Die Kennzifer
berücksichtigt nicht, dass langfristige
Immobilienkredite extrem risikoarm
sind“, kritisiert Achim Reif, Bereichslei-
ter Immobilienfnanzierung Inland des
Verbands deutscher Pfandbriefanken.
Darum will der Bankeninteressenver-
bund, dass die Leverage Ratio nur als
BaFin-Meldekennzifer etabliert wird.
Die bundesdeutsche Aufsichtsbehörde
könne dann, so Reif, falls benötigtes Kre-
ditvolumen und angestrebtes Geschäfs-
modell nicht zusammenpassen, korrigie-
rend eingreifen.
Höhere Eigenkapitalkosten
verursachen Renditeaufschlag
Eine Vorschrif dürfe noch stärker auf
die fälligen Refnanzierungskosten der
Pfandbriefanken am Markt durch-
schlagen: Es ist diejenige, das Versiche-
rungen wegen Solvency II den Kauf von
„Ein Patentrezept gibt es nicht.
Weder eine andere Bank noch ein
Finanzinvestor werden sich mit der
Eurohypo in ihrer jetzigen Größe und
Ausrichtung ‚schmücken‘.“
DZ-Bank-Analystin Corinna Dröse
Fotos: DZ Bank AG; Verband deutscher Pfandbriefbanken e.V