28 Finanzen, Markt + Management
Nach der Krise ist in der Krise
Pfandbriefanken.
Die einstigen Top-Player können sich nicht schnell
genug gesundschrumpfen. Sie haben kaum Perspektiven. Nun drängen
auch noch die Versicherungen verstärkt in die Immobilienfinanzierung.
Eurohypo kaum noch in der Lage, am
Kapitalmarkt die dafür nötigen Mittel
einzusammeln. Das ist in Analystenkrei-
sen fast einvernehmlich zu hören. Dass
die Commerzbank-Tochter bislang nicht
komplett ins Straucheln geriet, verdanke
sie allein ihrer Mutter Commerzbank.
Diese sei bei der Refnanzierung viel
breiter aufgestellt und hänge aus diesem
Grund nicht so sehr am Tropf des Kapi-
talmarkts.
Kein Patentrezept vorhanden
und der Börsengang illusorisch
Commerzbank-Chef Martin Blessing
wäre sicherlich heilfroh, wenn er die
Problem-Tochter endlich loswürde. Aber
an wen könnte er sie verkaufen? „ImMo-
ment ist es nicht realistisch, dass sich ein
Käufer fndet“, gab er dann auch Anfang
September auf einer Branchenkonferenz
in Frankfurt freimütig zu.
Norbert Jumpertz, Staig
Auf einen Blick
Die Eurohypo ist trotz aller Sanierungs-
›
bemühungen nicht kapitalmarktfähig.
Gleiches gilt auch für die Depfa und die
Deutsche Pfandbriefbank.
Die von der EU-Kommission vorgege-
›
benen Termine für den Verkauf der Eu-
rohypo, die Privatisierung von Depfa und
Deutscher Pfandbriefbank werden wohl
nicht einzuhalten sein.
Die Umsetzung von Basel III und Solven-
›
cy II bringt für Pfandbriefbanken Belas-
tungen mit sich, die Immobilienkredite
deutlich verteuern werden.
Die Staatsschuldenkrise ist nicht befrie-
digend gelöst. Und die andauernden
Querelen um den Euro trefen auch
deutsche Pfandbriefanken hart. „Si-
cherlich, in den vergangenen drei Jahren
konnten durch die Finanzmarktkrise arg
gebeutelte Geldhäuser wie die Eurohypo
die Risikoaktiva stetig herunterfahren“,
heißt es in den einschlägigen Analysten-
kreisen anerkennend. Das sei im Prinzip
der richtige Weg, um sie erfolgreich zu
sanieren und wieder kapitalmarktfähig
zu machen. So schafe es die Eurohypo
immerhin von Ende des Jahres 2008 bis
Mitte 2011, ihre Risikoaktiva auf den
Geschäfsfeldern Staatsfnanzierung und
gewerbliche Immobilienfnanzierung um
30 Prozent abzubauen: Von etwa 240 auf
160 Milliarden Euro.
So sollte es in dem angedachten Sze-
nario eigentlich auchweitergehen. Schritt
für Schritt werden die Bilanzsumme und
alle Risiken weiter runtergefahren. Aber
die fortwährende Staatsschuldenkrise
erschwert zunehmend diese angestrebte
Refnanzierung. Aus eigener Kraf sei die
11 | 2011 www.immobilienwirtschaft.de
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J
Fortsetzung auf Seite 30
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Der Kapitalmarkt hält für
die Pfandbriefbanken keine
Rettungsringe bereit.