DIE WOHNUNGSWIRTSCHAFT 2/2016 - page 22

NEUBAU UND SANIERUNG
20
2|2016
zusammen. Das ist die Zeit, wenn das Dorf kein
Obdachmehr bietet. „Dann ist mein Dorf ein Dorf
mit Häusern ohne Dächer“, erklärt uns Father K.
Rayapu Reddy, der als Priester in der Region tä-
tig ist. Er hat als Leiter der Guntur Diocese Social
Service &Welfare Society, demProjektpartner der
DESWOS vor Ort, denMenschen in Rayapudi Lanka
Hilfe versprochen.
Die DESWOS will mit einem Baukostenzuschuss
erreichen, dass sich auch die indische Regierung
großzügig beteiligt. Diese hat zwar bereits ein
Landstück abseits des Flusses zur Verfügung ge-
stellt, beharrt jedoch – als eine Voraussetzung
dafür, dass die Fischerfamilien am Bauprogramm
teilnehmen können – auf einer finanziellen Eigen-
beteiligung der Familien. Für die Menschen, von
denen viele in den Fluten alles verloren haben, ist
das eine unüberwindbare Hürde. Deshalbwird die
DESWOS den 64 ärmsten Familien dieseMittel zur
Verfügung stellen. Als Gegenleistung beteiligen
sie sich durch Hilfsarbeiten an den Baumaßnah-
men. Schließlich können auch Fischer ausschach-
ten, Betonmischen undmauern lernen, das haben
schon andere Projekte bewiesen. Zudem sind sie
harte Arbeit gewohnt und haben demProjektleiter
ihre volle Unterstützung zugesagt, denn sie wis-
sen, dass dies die wohl einzige Chance in ihrem
Leben ist, ihre Wohnsituation dauerhaft zu ver-
bessern und auf einen sicheren Standard zu heben.
Die Häuser sind imÜbrigen bescheiden: Auf einer
Fläche von knapp 24 m
2
ist u. a. eine Küche und
die Toilette untergebracht. Mehr wird von der Re-
gierung nicht bezuschusst. Aber als sichere Basis
bieten die Einfachbauten aus Betonsteinen mit
einemFlachdach Schutz und sind in besseren Zei-
ten, die hoffentlich kommenwerden, ausbaufähig.
Ergänzende berufliche Bildung
Father Reddy, der Projektleiter, denkt nochweiter.
Er sieht die große Abhängigkeit der Familien vom
Fischfang, der immer weniger einbringt und in den
Hochwassermonaten ganz zum Erliegen kommt.
Deshalb gilt es, für die jungen Menschen im Dorf
und zur wirtschaftlichen Unterstützung der Fami-
lien eine weitere Erwerbsquelle zu finden. Dies will
Father Reddymit beruflicher Bildung erreichen. Er
hat Ausbildungskurse am Computer und in medi-
zinischen und chemischen Labortechniken entwi-
ckelt. Das sind nachgefragte Kenntnisse auf dem
Arbeitsmarkt eines Schwellenlandes, zumal die
nahgelegene Stadt Guntur gerade zur künftigen
Hauptstadt von Andra Pradesh auserkoren wur-
de. In halbjährigen Kursenwerden insgesamt 150
Jugendliche mit Hilfe von sechs Lehrkräften die
Ausbildung absolvieren. Sie folgt den anerkannten
Regeln des Andhra Pradesh Government Industrial
Institute undmit diesemZertifikat weisen sich die
Jugendlichen bei Bewerbungen aus.
Father Reddy hat bei dem Ausbildungsprogramm
auch an solche Familien gedacht, die ihre jungen
Leute nicht in die Stadt ziehen lassen können,
weil sie zu Hause gebraucht werden. Für sie gibt
es ein Ausbildungsprogramm für das Schneider-
handwerk und damit die Möglichkeit der Arbeit
von zu Hause aus. Aufträge aus der Nachbarschaft,
die Herstellung von Kleidung, die für kleine Läden
genäht wird, oder von den an allen Schulen obliga-
torischen Schuluniformen eröffnen den künftigen
Schneidern gute Verdienstmöglichkeiten.
Die DESWOS wird alle Vorhaben mit einer finan-
ziellen Hilfestellung von rund 890 € pro Fami-
lie unterstützen. Insgesamt sind zunächst etwa
57.000 € für dieses Projekt veranschlagt. Die
DESWOS wird alleMaßnahmenmit imBlick haben
und während der Haufe-Benefiz-Turniere jeweils
berichten.
Golf baut auf! Das gilt auch 2016 wieder – und
betrifft die Häuser sowie die Menschen. Spielen
und spenden auch Sie mit!
Die Benefiz-Golfturnierserie besteht
seit 2006 und ist seitdem kontinuierlich
gewachsen. Im Jahr 2015 unterstützten
die Sponsoren B&O, Domus, Dr. Klein und
Vallox sowie EBZ Business School Alumni,
Knauf, M-Teq, Techem, Viessmann und
WL-Bank die von der Haufe-Gruppe
organisierten und veranstalteten Benefiz-
Turniere zugunsten der DESWOS.
Wenn Sie mehr über die Golfserie er-
fahren oder die Stimmung der Turniere
„erspüren“ wollen, finden Sie Eindrücke
in Form von Fotos und Filmen auf:
GOLF BAUT AUF!
Father Reddy ist einer der Initiatoren des Projekts. Der Projektleiter will nicht nur die Häuser sicherer
machen, sondern mit einem Ausbildungsprojekt auch die Abhängigkeit vom Fischfang reduzieren
Die Fischerfamilien aus Rayapudi Lanka leben bisher in nicht unwetterfesten Hütten
1...,12,13,14,15,16,17,18,19,20,21 23,24,25,26,27,28,29,30,31,32,...68
Powered by FlippingBook