Seite 65 - DIE_WOHNUNGSWIRTSCHAFT_2012_03

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In Betriebskosten aktuell
4/2011 haben wir darüber
gesprochen, dass Wohnungs-
unternehmen ihre Betriebskos-
ten am lokalenMarkt veröffent-
lichen sollten, um einerseits die
Diskussion zu versachlichen
und andererseits aktiv statt
reaktiv zu kommunizieren. Viel-
fach wird jedoch befürchtet,
dass mit der Veröffentlichung
der Verteilung/Bandbreite von
Betriebskosten ungewollt Details
offengelegt werden. Hierzu der Vor-
schlag einer interessanten Grafik.
Sie sollte die „übliche“ Bandbreite
der Kostenhöhe in einer bestimm-
ten Kostenart abbilden, also den
kleinsten und den größten Wert
der empirisch festgestellten Kos-
tenbelastung. Reichen z. B. die
Müllentsorgungskosten in einer
Stadt von 0,10 bis 0,60 € pro m
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und Monat, so sollten diese beiden
Werte als Min-Wert und Max-Wert
abgebildet werden. Bis auf wenige
Extrembeispiele liegen nämlich alle
in der Stichprobe erfassten Woh-
nungen ‒ also auch Ihre ‒ in dieser
Bandbreite.
Eine weitere interessante Informa-
tion ist die der Streuung. Streu-
ung besagt, in welchem der zwi-
schen 0,10 und 0,60 liegenden
Segmente wieviele Wohnungen
aus der Gesamt-Stichprobe anzu-
treffen sind. Dazu werden in zehn
oder zwanzig Einzelschritten die
Stückzahlen der ermittelten Woh-
nungen auf der horizontalen (X-)
Achse nacheinander abgetragen.
Die Höhe eines Balkens entspricht
der Anzahl Wohnungen im jeweili-
gen Segment. Dabei stellt sich her-
aus, dass die meisten ‒ aber längst
nicht alle ‒ Wohnungen sich in etwa
in der Mitte dieser Spannweite
befinden. Man nennt diese Form
der Grafik Histogramm (Häufig-
keitsverteilung).
Da es in jeder Kommune höchst
unterschiedliche Gebäude hin-
sichtlich Größe, Ausstattung, Mie-
terstruktur, Service-Level etc. gibt,
muss es auch unterschiedliche
Kostenhöhen in ein und der-
selben Kostenart geben. Damit
ist zunächst jede Kostenhöhe
in dieser Spannweite „üblich“
und zeigt, warum ein einzelner
veröffentlichter Wert an der
Marktrealität vorbeiginge.
MitdieserkannGrafikdieVielfalt
von Betriebskosten einfach und
eindrucksvoll deutlich gemacht
und in der öffentlichen Diskussion
ein eigener Beitrag zur Transparenz
geleistet werden
.
Jedes Wohnungs-
unternehmen kann sich daran durch
Betriebskosten-Benchmarkingnach
der Geislinger Konvention beteili-
gen. Sie sind eingeladen!
Impressum
Ein Sonderteil der
DW Die Wohnungswirtschaft
Verantwortlich:
Michael Pistorius
VNW Verband norddeutscher
Wohnungsunternehmen e. V.
Tel.:
040 52011-229
Fax.: 040 52011-201
E-Mail:
Herstellung:
Haufe-Lexware GmbH & Co. KG
Standort Hamburg
Was ist denn hier so üblich?
In Zeiten von Klimawandel
und ständig steigenden
Energiepreisen muss der
Optimierung der Energie
im Wohnungsbestand noch
größere Bedeutung beige-
messen werden. Dies hat
die Westsächsische Wohn-
und Baugenossenschaft
Zwickau eG, WEWOBAU
erkannt und gemeinsam
mit einem Forscherteam
derWestsächsischenHoch-
schule Zwickau das Pilotprojekt „Low
Energy Living“ zur nachhaltigen Ener-
gieeinsparung entwickelt und bereits
in den Wohnungsbestand integriert.
Durch den Einsatz modernster
Gebäudeautomatisierungstechniken
hat sich die Projektgruppe gemein-
sam mit den Mitgliedern
der WEWOBAU eG an
aktuellen umweltpoliti-
schen Zahlen und Zielen
orientiert. Das Zusam-
menspiel von Elektro-,
Heizungs-, Sicherheits-
und
Lüftungstechnik
auf einer universellen
Informationsplattform
schafft intelligente, mit-
denkende Wohnungen,
die den Gesamtenergie-
bedarf um 10 bis 20 Prozent senken
können. Das Konzept „Low Energy
Living“ hat seine Praxistauglichkeit
unter Beweis gestellt und kann in
viele zur Sanierung anstehenden
Liegenschaften in Deutschland inte-
griert werden. Hierzu der wissen-
schaftliche Leiter des Projektteams,
Professor Dr. Tobias Teich, West-
sächsische Hochschule Zwickau:
„Mit dem Low Energy Projekt ent-
stand und entwickelt sich ein Smart
Grid, welches den aktuellen Wissen-
stand aus der Theorie in die woh-
nungswirtschaftliche Praxis trans-
feriert. Energietransparenz im Ver-
brauch und in der Erzeugung von
Strom und Wärme sowie eine intel-
ligente Verknüpfung aller gewerke-
übergreifenden, energetisch wirksa-
men Ressourcen resultierten in eine
hohe Primärenergieeinsparung. Die
Wirtschaftlichkeit dieses Energie-
transfers wurde auch ohne den Ein-
satz von Fördermitteln in anderen
Genossenschaften nachgewiesen.“
„Low Energy Living“ steigert Energieeffizienz
Prof. Dr. Tobias Teich
Quelle: WOHNCOM, Berlin
Die Wohnungswirtschaft
3/2012
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