Seite 35 - DIE_WOHNUNGSWIRTSCHAFT_2012_03

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Mitglieder
des Dachverban-
des Deutscher Immobilienver-
walter e. V. (DDIV) waren im
Sommer 2011 zur Teilnahme an
einer deutschlandweiten Markt-
studie aufgerufen, die der Ver-
band in Kooperation mit dem
Europäischen Bildungszentrum
der Wohnungs- und Immobili-
enwirtschaft (EBZ) durchführte.
Nun hat das zum EBZ gehören-
de Forschungsinstitut InWIS die
Ergebnisse der Untersuchung
vorgelegt und es wird deutlich:
Immobilienverwalter haben es
heute schwerer denn je und
müssen künf tig über mehr
Fachwissen verfügen. So waren
sich immerhin 75 Prozent der
Befragten darin einig, dass sich
die Rolle des Verwalters geän-
dert habe. Noch darüber hinaus
stellten sogar 98 Prozent der
Befragten fest, dass die Anfor-
derungen an Immobilienver-
walter in den vergangenen Jah-
ren mehr als deutlich gestiegen
seien. Mancher Verwalter sieht
in dieser Situation wohl auch
einen wachsenden Druck zur
weiteren Professionalisierung,
dem nicht jeder Marktteilneh-
mer gewachsen sein wird: Mit
56 Prozent meint immerhin
mehr als die Hälfte der Befrag-
ten, dass in der Branche ein
Konzentrationsprozess stattfin-
de. Einen wirtschaftlichen Druck
zu Veränderungen verspüren 80
Prozent der Unternehmen zu-
mindest zum Teil, wohingegen
nur 20 Prozent bemerken, dass
ein solcher Druck für sie nicht
existiere. DDIV-Geschäftsführer
Martin Kaßler ist daher davon
überzeugt, dass den deutschen
Immobilienverwaltern die Ein-
führung von Zugangsbeschrän-
kungen sinnvoll und notwendig
wäre.
Marktstudie von EBZ und DDIV
Anforderungen an Immobilien-
verwalter nehmen deutlich zu
Zu dem bereits
vorhandenen
Bestand von 614 Wohnungen
hat die Baugenossenschaf t
IDEAL eG im Lichtenrader Kiez
Nahariyastraße einen weiteren
Wohnblock mit 129 Wohnun-
gen aus den 1970er Jahren er-
worben. Es handelt sich hierbei
um fünf Aufgänge mit sieben
bis neun Etagen. Die 1- bis
4-Zimmer-Wohnungen liegen
am südlichen Rand Berlins un-
weit des neuen Berlin-Branden-
burger Flughafens, jedoch so
günstig, dass ein Überfliegen
nur in Ausnahmefällen in Frage
komme und künftiger Fluglärm
nicht zu erwarten sei. Sie liegen
in einem Kietz, in dem die Ge-
nossenschaft bereits engagiert
ist, und werden noch in diesem
Jahr saniert und energetisch
modernisiert. Die in den Woh-
nungen lebenden Mieter sollen
nach Vorstellung der Genossen-
schaft kurzfristig auch Mitglie-
der werden – auch um das um-
fangreiche Serviceangebot der
IDEAL nutzen zu können. Erste
Gespräche mit Mietern seien
auf positives Interesse gesto-
ßen, so die Genossenschaft.
Baugenossenschaft IDEAL eG, Berlin
Erwerb von 129 Wohnungen
Kolumne Technik
Ohne Bedauern
Klimawandel heißt Verände-
rung. Müssen wir schon heute
das Klima von morgen ein-
planen? Würde ein heutiger
Neubau im Vorgriff auf eine
zukünf tige Klimaänderung
mit großem Aufwand gebaut,
zum Beispiel ein mediterraner
Lehmbau mit winzigen Fens-
teröffnungen als Reaktion auf
größere Hitzeperioden, und
die Klimaänderung tritt nicht
ein – dann kann das eine
Fehlinvestition sein.
Wird der Neubau aber so ge-
staltet, dass bereits heute die
Lebensqualität verbessert und
die städtischen Strukturen un-
terstützt werden, und ist die
Gestaltung auch hinsichtlich
der beginnenden Klimaän-
derungen sinnvoll, kann man
„ohne Bedauern“ handeln.
Di ese „Ohne-Bedauern“ -
Maßnahmen werden in der
Klimaanpassungsforschung
als „no-regret-Maßnahmen“
bezeichnet. Dazu gehört auch
ein Gebäudeentwurf, der den
direkten Hitzeeintrag mini-
mier t, zum Beispiel durch
bauliche Verschattung im
Sommer, durch außenliegen-
den Sonnenschutz, durch die
Möglichkeit nächtlicher Lüf-
tung zur Kühlung.
Klimawandel findet bereits
statt. Messreihen des Deut-
schen Wetterdienstes (DWD)
belegen bereits höhere Durch-
schnittstemperaturen, feuch-
tere Winter, längere Vegetati-
onszeiten. Für das Stadtklima
werden – bereits für den Zeit-
raum 2021 bis 2050, also
wenn die heute neu errichte-
ten oder sanierten Gebäude
mitten in der Nutzung sind
– vor allem häufigere und
längere Hitzeperioden und
die Zunahme von Starkregen­
ereignissen prognostizier t.
Insgesamt ist dies ein stetiger
Prozess, der aber als plötzlich
erscheinen wird, wenn wieder
ein besonders heißer Sommer
oder ein besonders schnee-
oder regenreicher Winter auf-
tritt.
Wichtig: Der Anpassungsbe-
dar f an Klimaänderungen
ergibt sich unabhängig vom
Umfang des Erfolgs von Kli-
maschutzmaßnahmen. Da das
Klimasystem träge reagiert,
würden die begonnenen Kli-
maänderungen sich auch
dann noch über Jahrzehnte
fortsetzen, wenn ab sofort
keine Treibhausgase mehr
in die Atmosphäre gelangen
würden.
Bei der Klimaanpassung greift
vorrangig regionale Selbst-
verantwortung – staatliche
Normierung hilft hier wenig
weiter. Die Bundesländer, Re-
gionen und Städte haben das
erkannt – Beispiele sind das
„Handbuch Stadtklima“ aus
NRW oder der Stadtentwick-
lungsplan Klima Berlin. Die
Wohnungswir tschaf t kann
und sollte sich an diesen re-
gionalen Initiativen beteiligen
und den Gedanken der Klima-
anpassung in Neubau- und
Sanierungsplanungen einbe-
ziehen. Als no-regret-Maßnah-
men – das heißt ohne zukünf-
tiges „Bedauern“ zu erzeugen.
Ingrid Vogler
Referentin für Energie, Technik,
Normung, GdW Bundesverband
­deutscher Wohnungs- und Immobilien-
unternehmen e. V.
Kongress
Kooperative
Stadtentwicklung
»Die Grenzen des Wachstums«
7. Bielefelder
Stadtentwicklungstage
23. und 24. Mai 2012, Stadthalle Bielefeld
Bauamt