Seite 83 - DIE_WOHNUNGSWIRTSCHAFT_10_2011

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Lastverteilung steht im Vordergrund
Hausgeräte verbrauchen rund 40 Prozent
des Stroms in einem Haushalt. Im Rahmen
des vom BMBF geförderten Projekts „Intel-
liekon – Nachhaltiger Energiekonsum durch
intelligente Zähler-, Kommunikations- und
Tarifsysteme“ haben mehrere Forschungs-
institute herausgefunden, dass Privat-
haushalte durch intelligente Zähler und
die Visualisierung des Stromverbrauchs
durchschnittlich 3,7 Prozent Strom ein-
sparen können. Bei zeitvariablen Tarifen
lag die ermittelte Einsparung sogar bei
9,5 Prozent. Noch höher fielen die Einspa-
rungen bei einer gemeinsamen Studie der
E.ON-Tochter E.ON Metering GmbH und
BSH Bosch und Siemens Hausgeräte aus.
115 Studienteilnehmer setzten sich intensiv
mit ihren Stromkosten auseinander und
verschoben unter anderem durchschnittlich
jeden zweiten Waschvorgang von Spül- und
Waschmaschine auf eine Uhrzeit mit güns-
tigem Tarif, berichten die Unternehmen.
Dadurch fielen 25 Prozent weniger Strom-
kosten an als zuvor. Eine Ampel auf dem
Display eines Mobiltelefons zeigte den
Kunden, ob sich das aktuelle Strompreis-
niveau im niedrigen, mittleren oder hohen
Bereich bewegte.
„Allerdings führen gut dargestellte und
zeitnah gelieferte Informationen nicht
automatisch zu einer deutlichen Ver-
brauchsreduktion“, sagt Konrad Götz vom
Institut für sozial-ökologische Forschung
ISOE, das die Teilnehmer des Intelliekon-
Projekts zur Akzeptanz und Attraktivität
der Feedback-Informationen befragt
hat. Wichtig dafür seien offenbar kon-
krete Handlungsvorschläge gewesen. Die
Feedback-Informationen wurden von den
meisten der 2.000 Teilnehmer nur in den
ersten zwei Monaten des 18-monatigen
Feldtests abgerufen. Diese Beobachtung
bestätigt Kritiker, die betonen, dass es für
ein effektives verbraucherseitiges Last-
management nicht ausreichen wird, die
Verbraucher zeitnah über ihren Verbrauch
sowie Kosten und Tarife zu informieren.
„Ich glaube nicht, dass die Endverbrau-
cher in der Masse ihr Verhalten ändern“,
sagt etwa Andreas Bentz. Er ist bei der
Deutschen Telekom für das Thema Smart-
Grid zuständig. Selbst wenn es in den
ersten Wochen und Monaten für viele
Verbraucher interessant sei, ständig ihren
Verbrauch und die Tarife im Blick zu haben
und sich entsprechend zu verhalten,
schlügen mit der Zeit bei der Mehrzahl
der Verbraucher die Bequemlichkeit und
alte Gewohnheiten durch.
Bentz plädiert daher für automatisierte
Lösungen, bei denen der Verbraucher selbst
keine besonders aktive Rolle spielt. Als Bei-
spiel nennt er die Spülmaschine mit einem
normalen und einem Eco-Knopf. „Der Ver-
braucher muss dann nur entscheiden, will
ich die Maschine heute Abend ausräumen
oder reicht es mir morgen. Reicht es morgen,
drückt er den Eco-Knopf und die Maschine
startet dann automatisch in einer Niedrigta-
rifphase.“ Genau auf solche Lösungen zielen
Telekom, IBM und die Energieversorger ab.
Die IT-Unternehmen liefern die Infrastruktur
für die Kommunikation zwischen Stomnetz
und Haushaltsgeräten sowie der Haushalts-
geräte untereinander. Diese soll offen sein,
damit möglichst viele Hausgeräte in das
Netz eingebunden werden können.
Gerätehersteller zeigen erste
„Smart-Grid“-fähige Produkte
Tatsächlich bieten dieGerätehersteller zuneh-
mend „Smart-Grid“-fähige Endverbraucher-
geräte an. So waren auf dem IFA-Stand von
Liebherr „Smart grid ready“-Gefrierschränke
zu sehen, die sich automatisch auf die güns-
tigen Tarife einstellen, also vorwiegend in
Niedrigtarifzeiten kühlen. Allerdings sind die
Geräte noch im Prototyp-Stadium, derzeit
werden sie in Baden-Württemberg getestet.
Gleiches gilt für einen Geschirrspüler von
Bosch, der mit dem Stromnetz kommunikativ
verbunden ist. Er verfügt über ein Kommuni-
kationsmodul zur Einbindung in ein WLAN-
Netzwerk und die Funktionstaste „Optimized
Start“. Die Steuerbox errechnet auf Basis
verschiedener Daten wie Energie-Verfügbar-
keits-Prognosen und Preissignalen den opti-
malen, kostengünstigsten Startzeitpunkt für
den Geschirrspüler und übermittelt diesen
an das Gerät.
Für Haus- und Wohnungseigentümer beson-
ders interessant dürfte der Einsatz der
Smart-Grid-Technologie bei der Warmwasser-
bereitung sein. Und auch bei Wärmepumpen
dürfte sich eine automatisierte Steuerung
mit Hilfe von Preisimpulsen lohnen.
Sowohl bei IBM als auch bei der Telekom
findet sich bis dato kein großer Heizungs-
hersteller in der Kooperation, die für den
Durchbruch von Smart Homes sorgen soll.
Bei der Telekom ist der Bereich der Hei-
zungssteuerung immerhin teilweise über
den Haustechnikanbieter eQ-3 abgedeckt,
insgesamt ist der Bereich Wärmeenergie
aber noch unterbelichtet. Die Telekom hat
aber angekündigt, dass weitere Partner-
schaften mit Herstellern von Hausgeräten
und Gebäudetechnik sowie Anbietern von
Sicherheitslösungen in Vorbereitung sind.
Ziel sei es, die vielfältigen im Rahmen des
„vernetzten Hauses“ möglichen Anwen-
dungen abzudecken – von der Fernsteu-
erung von Fenstern und Beleuchtung mit
einem Smartphone oder Tablets bis hin zum
Bedienen von Alarmanlagen oder Steuern
von Haushaltsgeräten.
Silke Thole, Tübingen
Smart Homes und die Vernetzung von Haushaltsgeräten waren ein großes Thema auf der
IFA 2011.
Foto: Silke Thole
Die Wohnungswirtschaft
10/2011
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