Seite 82 - DIE_WOHNUNGSWIRTSCHAFT_10_2011

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Standards sollen Angeboten für intelligente Häuser zum Durchbruch verhelfen
Telekom und IBM kündigen
offene Plattformen für Smart Homes an
Mit der Deutschen Telekom und IBM haben auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin gleich zwei Schwergewichte
aus der Informations- und Kommunikationstechnikbranche jeweils eine offene Plattform für Smart Homes angekündigt.
Setzt sich eine dieser Plattformen für die Vernetzung in Wohngebäuden durch, sind künftig elektronisch unterstützte Dienste
denkbar, von denen sowohl Mieter als auch Wohnungsunternehmen profitieren.
Partner der Deutschen Telekom sind neben
E.ON und EnBW der Spezialist für Hausau-
tomationslösungen eQ-3 und Haushaltsge-
rätehersteller Miele. Gemeinsam wollen sie
Standards für die Hausvernetzung setzen,
um die intelligente Steuerung von Wasch-
maschinen, Heizung und Fotovoltaikan-
lagen sowie Unterhaltungselektronik zu
ermöglichen. IBM kooperiert mit der EnBW
und plant als erste Etappe der Zusammen-
arbeit einen Markttest der offenen Platt-
form.
Plattform
vereint Kommunikationsprotokolle
Der Ansatz der beiden Konzerne ist ähnlich.
Beide entwickeln eine Infrastruktur, die
in der Lage ist, in der Haus- und Gebäu-
deautomation gängige Kommunikations-
protokolle wie Enocean, ZigBee, ZWave,
KNX, Modbus oder LON zu verstehen, so
dass alle Geräte, die eines dieser Protokolle
nutzen, angeschlossen werden können. IBM
kombiniert dazu eigene Komponenten mit
denen ihres Businesspartners Shaspa, etwa
der Shaspa Bridge, einem Universal-Über-
setzer, der die Kommunikationsprotokolle
übersetzt. Zudem hat der IBM-Partner mit
dem Shaspa Service Delivery Framework
eine Cloud-basierte Lösung zur Überwa-
chung und Steuerung von Umgebungen,
etwa einzelnen Gebäuden, im Programm.
Entsprechend hat IBM angekündigt, die für
die Nutzung und den Betrieb notwendigen
IT-Leistungen auch als Service über das
Internet anzubieten, also als so genannten
Cloud-Service.
„Die offene Plattform ermöglicht es,
Dienstleister aus den unterschiedlichsten
Bereichen anzubinden. Das könnte den
Smart-Home-Angeboten zum Durchbruch
verhelfen“, sagte Thomas Eberlen, Leiter
des Bereichs Energiewirtschaft bei IBM
Deutschland. Die Plattform-Lösung biete
erstmals die Möglichkeit, intelligente
Lösungen der EnBW rund um das Thema
Energie, wie den intelligenten Stromzähler,
dezentrale Energieerzeugung oder Elektro-
mobilität, mit Anwendungen von Partnern
flexibel zu kombinieren.
Telekom setzt auf „Smart Connect“
Die Telekom nennt ihre offene Plattform
„Smart Connect“. Zentrale Komponente ist
die so genannte „Smart Connect Box“, die
ebenfalls in der Lage sein soll, möglichst
viele der gängigen Kommunikationsproto-
kolle zu verstehen und im Zusammenspiel
mit verschiedenen Cloud-basierten Funk-
tionen als lokale Servicezentrale fungiert.
Dabei setzt die Telekom auf Geräte der
Firma Sumitomo. Ab Mitte 2012 soll die
Plattform, die unabhängig vom Telekom-
munikationsanbieter an jedem Breitband-
anschluss funktioniert, verfügbar sein. „Zum
Preis können wir jetzt noch nichts sagen.
Vielleicht im Frühjahr auf der Cebit“, sagte
eine Sprecherin auf dem IFA-Stand der
Telekom.
Beiden Lösungen gemeinsam ist auch, dass
sie derzeit vor allem die Möglichkeiten der
Smart-Home-Technologie zur Lastverteilung
in den Stromnetzen der Energieversorger
und zum Sparen von Stromkosten betonen.
„Mit ‚Smart Connect‘ bieten Unternehmen
wie E.ON und EnBW ihren Kunden künftig
intelligente Dienstleistungen an, die etwa
bei zu viel Strom in den Netzen eine Infor-
mation über einen günstigen Kilowattpreis
an den Wäschetrockner übermitteln. So
gelingt es, Wind- und Solarstrom in die
Grundlast zu integrieren und Netzausfälle
zu vermeiden“, sagte Gabriele Riedmann de
Trinidad, bei der Telekom Leiterin des Kon-
zerngeschäftsfeldes Energie.
In ihrem Smart Home in Halle 6.2a zeigte die Deutsche Telekom Anwendungen für die Vernet-
zung von Gebäudetechnik und Elektrogeräten im Haushalt.
Foto: Silke Thole
Die Wohnungswirtschaft
10/2011
80
Gebäude und Technik
Vernetztes Wohnen