Immobilienwertsteigerung durch Grünflächen
Back to the roots – Grünflächen im Fokus
Die Wohnungswirtschaft besinnt sich auf ihre Wurzeln: Freiflächen üben einen zentralen Einfluss bei der Wahl des Wohn
standortes aus und bilden damit einen wichtigen Teil der Wertschöpfungskette von Liegenschaften. Eine gepflegte Garten-
anlage ist nicht nur im Quartiersmanagement ausschlaggebend für Wohnqualität und Mieterzufriedenheit, sondern schlägt
sich nachweislich auch auf den Grundstückspreis nieder. Je nach Funktion und Ausstattung können Freiräume den Grund-
stückswert um bis zu 35 Prozent erhöhen. Ferner ist belegt, dass ein gepflegtes Umfeld Fluktuation und Vandalismus redu-
ziert und sich positiv auf den Leerstand auswirkt.
So verlassen die Immobiliengesellschaften
die eingetretenen Pfade, um sich den
gewachsenen Ansprüchen von Mieter und
Markt in Hinblick auf die Entwicklung
und Bewirtschaftung von Freiflächen zu
stellen. Laut einer Emnid-Umfrage ist für
87 Prozent aller Befragten eine Park- und
Grünfläche ein wichtiger Bestandteil eines
idealen Wohnorts. Wo früher Grünflächen
der Bebauung weichen mussten und Grund-
stücke nachverdichtet wurden, um die größt-
mögliche Rendite auszuschöpfen, reduziert
man heute den Umfang von Baukörpern zu
Gunsten von Frei- und Erholungsflächen.
Stadtwohnungen im Grünen
Ein Beispiel ist das wohl größte innerstäd-
tische Wohnungsbauvorhaben Berlins:
In bester Hauptstadtlage verzichtet der
Bauherr der Rosengärten bewusst auf die
komplette Ausschöpfung der möglichen
Baumasse, um parkähnliche Grünflächen
zu realisieren. „Mit diesem Projekt schaffen
wir ein außergewöhnliches Ensemble in
der sonst sehr dicht bebauten City West.
60 Prozent des insgesamt 14.000 Quadrat-
meter großen Grundstücks werden begrünt.
Darüber hinaus gibt es 38 Rosensorten,
Wasserspiele und genügend Raum für Kin-
derspielplätze. Das kommt bei Wohnungs-
käufern und -mietern sehr gut an“, erläutert
Henning Hausmann, Investmentchef der
Bauwert Investment Group. Ein Konzept,
das aufgeht – bereits drei Monate nach
Baubeginn sind 85 Prozent des Objektes
verkauft. Dabei ist der Gedanke nicht neu,
denn bei der Entwicklung des Konzeptes
orientierte sich die Bauwert an der traditio-
nellen Berliner Gartenarchitektur. „Großzü-
gige Grünanlagen, repräsentative Vorgärten
und Nutzgartenelemente gehören seit jeher
zum Stadtbild der Hauptstadt“, so Henning
Hausmann.
Auch die Bauart von Bruno Taut, Architekt
der klassischen Moderne, beruht auf den
Grundprinzipien Licht, Sonne, Luft und
Freiraum. Angestellte und Arbeiter sollten
nicht mehr in tristen und beengten Miets-
kasernen leben. Die in den 1920er Jahren
entstandenen Quartiere, wie die Hufeisen-
siedlung oder die Wohnstadt Carl Legien,
sind hell, freundlich und in Gärten und
Grünanlagen eingebettet, die damals städ-
teplanerisch integriert waren. So konnte
erreicht werden, dass trotz der nötigen
hohen Wohndichte die Siedlungen sehr
viel grüner wirkten als die Blockbauten der
Gründerzeit. Noch heute erfreuen sich die
Siedlungen großer Beliebtheit, so dass es
für einige Wohnungen bereits Wartelisten
gibt. Die Eigentümergesellschaften, wie die
Deutsche Wohnen AG oder Prelios Immobi-
lien Management GmbH, bestätigen einen
Leerstand, der gegen null tendiert, und eine
geringe Fluktuation – einige Mieter leben
bereits seit mehr als 50 Jahren dort. Um
dieses Erbe zu erhalten, wurden sechs Ber-
liner Siedlungen der Moderne im Juli 2008
von der Unesco zum Welterbe erklärt.
Freifläche als Visitenkarte
der Immobilie
Früher wie heute: Ein gepflegtes Umfeld
wertet den Wohnraum auf, wirkt anzie-
hend auf potenzielle Mieter und steigert
den Immobilienwert. „Für uns beginnt ein
effizientes Vermietungskonzept bereits an
der Grundstücksgrenze. Natürlich ist eine
gepflegte Anlage immer ein schlagendes
Vermietungsargument“, betont Stavros
Efremidis, Vorstand Kommunale Wohnen
AG. „Auf der anderen Seite muss man
berücksichtigen, dass sich eine umfang-
reiche Pflege der Freiflächen zu einem
erheblichen Kostenblock entwickeln kann,
was sich letztendlich auch in der ‚zweiten
Bauwert Investment Group baut mit den „Rosengärten“ in Berlin ein parkähnliches Ensemble
mit 210 Wohnungen.
Quelle: Bauwert Investment Group GmbH & Co.KG
Die Wohnungswirtschaft
10/2011
Management
52
Grün- und Freiflächen