Seite 40 - DIE_WOHNUNGSWIRTSCHAFT_10_2011

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Einfach war die Aufgabe nicht, vor der
Rainer Bomba, Staatssekretär im Bun-
desbauministerium, in seiner Rede vor
mehreren hundert Vertretern der Gesund-
heits-, Sozial- und Wohnungswirtschaft auf
dem Zukunftsforum Langes Leben stand.
Schließlich musste Bomba, der wieder
einmal seinen kurzfristig im Bundestag
festgehaltenen Minister Dr. Peter Ramsauer
zu vertreten hatte, begründen, warum im
Bundeshaushalt 2012 kein Geld für das
KfW-Programm „Altersgerecht Umbauen“
vorgesehen ist – obwohl doch, wie Bomba
in seiner Rede betonte, die demografische
Veränderung für die Bundesregierung von
zentraler Bedeutung ist.
Die altersgerechte Sanierung sei „im Grunde
eine Aufgabe der Eigentümer“, sagte
der Staatssekretär. Die öffentliche Hand
könne dafür allenfalls für eine bestimmte
Zeit Anreize setzen. Natürlich, so Bomba
weiter, wäre es „wünschenswert“, das
KfW-Programm weiterzuführen, zumal mit
dessen Unterstützung bisher 55.000 Woh-
nungen altersgerecht umgebaut worden
seien. Doch dann überraschte Bomba das
Publikum mit der Aussage, es sei „definitiv
noch nicht entschieden, dass das Programm
ausläuft“. Die Hoffnung basiert offensicht-
lich auf dem Parlament: Das Ministerium,
so der Politiker, habe diesbezüglich „viele
interessante Gespräche geführt“, so dass
er zuversichtlich sei, das Programm – wenn
auch „vielleicht in anderer Höhe“ – weiter-
führen zu können. „Wir bleiben“, versicherte
Bomba dem Auditorium, „trotz aller Sparbe-
mühungen ein verlässlicher Partner.“
Ob die Zuversicht im Hinblick auf das
KfW-Programm gerechtfertigt ist, war bei
Redaktionsschluss dieser DW noch offen.
Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bun-
desverband deutscher Wohnungs- und
Immobilienunternehmen, forderte die
Bundesregierung jedenfalls auf, das Pro-
gramm auf hohem Niveau festzuschreiben.
„Wir würden auch eine Kombination mit
den energetischen Programmen der KfW
begrüßen“, sagte Gedaschko weiter, da auf
diese Weise gleich zwei wichtigen Heraus-
forderungen – dem Klimaschutz und der
Demografie – Rechnung getragen werden
könnte.
Zu wenige
seniorengerechte Wohnungen
Dass die altersgerechte Modernisierung des
Wohnungsbestands eine zentrale Aufgabe
für alle Beteiligten darstellt, sprachen
neben Gedaschko noch mehrere andere
Referenten an. Wiederholt genannt wurde
dabei die in einer Studie des Kuratoriums
Deutsche Altershilfe (KDA) ermittelte Zahl
von lediglich 570.000 barrierefreien Woh-
nungen in Deutschland, was einem Anteil
von 1,4 Prozent entspricht. Bis zum Jahr
2020 müssten es der Untersuchung zufolge
2,5 Millionen mehr sein. Bereits etwas
weiter als der Durchschnitt der Vermieter
sind die im GdW zusammengeschlossenen
Unternehmen, wie Dr. Claus Wedemeier,
Referent Wohnen für ein langes Leben beim
GdW, ausführte: 2009 waren fünf Prozent
der Wohnungen der GdW-Mitglieder barri-
erefrei oder -arm; 2012 werden es voraus-
sichtlich sechs Prozent sein. „Aber auch
das“, räumte Dr. Wedemeier ein, „wird lang-
fristig nicht ausreichen.“
Einig waren sich die Referenten, dass der
Schwerpunkt der Bemühungen im regu-
lären Wohnungsbestand und nicht etwa bei
Pflegeheimen liegen muss. „95 Prozent der
über 65-Jährigen wohnen in ganz normalen
Wohnungen“, stellte Dr. Marie-Therese
Krings-Heckemeier vom Forschungsinstitut
empirica fest. „Wir müssen“, folgerte Walter
Rasch, Präsident des BFW Bundesverband
Freier Immobilien- und Wohnungsunter-
nehmen, „die Bedingungen schaffen, damit
sich der ältere Mensch in seiner Wohnung
wohl fühlt.“ Der Zukunftsforscher Prof. Peter
Wippermann vom Trendbüro Hamburg for-
mulierte das so: „Aging in Place“ – also das
Altwerden in der eigenen Wohnung – „ist
Zukunftsforum Langes Leben
Eine der größten Aufgaben
des 21. Jahrhunderts
Die Alterung der Gesellschaft ist nicht in erster Linie eine Last, sondern eine Chance: Das war die Kernaussage des
diesjährigen Zukunftsforums Langes Leben. Ein wichtiger Programmpunkt des von rund 600 Personen besuchten
Demografiekongresses in Berlin war die Rolle, welche die Wohnungswirtschaft bei der Bewältigung des demografischen
Wandels übernehmen kann.
Treffpunkt für alle, die sich mit dem demografischen Wandel auseinandersetzen: das Zukunfts-
forum Langes Leben in Berlin.
Quelle: Gesundheitsstadt Berlin/Foto: Philipp von Recklinghausen
Rainer Bomba,
Staatssekretär im
Bundesbauminis-
terium, weckte
Hoffnung, dass
das KfW-Programm
„Altersgerecht
Umbauen“ doch
weitergeführt wird.
Quelle: Gesundheitsstadt
Berlin/Foto: Philipp von
Recklinghausen
Die Wohnungswirtschaft
10/2011
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Wohnungsmarkt
Wohnen im Alter