tieren im Vorteil zu sein scheinen, können
alle Städte – auch unter schwierigeren
Ausgangsbedingungen – darauf hinwirken,
solche Prinzipien zumindest zu verfolgen.
Gleichwohl ist immer zu berücksichtigen,
dass sie in vom Nutzungsgefüge her ähnlich
strukturieren Gebieten von Stadt zu Stadt
unterschiedliche Entwicklungen vollziehen
können. Gesamtstädtische Eigenschaften
und die Zusammensetzung der Stadtgesell-
schaft formen städtische Individualitäten.
Es ist deswegen nicht möglich, eine attrak-
tive Stadt am Reißbrett zu planen. Gefragt
sind anpassungsfähige, veränderbare und
vielfältig nutzbare Strukturen, die Bedarfs-,
aber auch Geschmacksänderungen
zulassen. Große monotone Strukturen ohne
spezifische Eigenheiten gehören nicht zu
den Spitzenreitern der Nachfrage nach
„städtischem“ Wohnen.
Demografischer Effekt
Der augenblickliche Anstieg der Bevölke-
rungszahlen in deutschen Großstädten hat
eine starke demografische Komponente.
Die Alterskohorte der 18- bis unter 30-Jäh-
rigen, die es immer schon vornehmlich in
die großen Städte zieht, ist zurzeit sehr stark
besetzt. Dies wird in den kommenden Jahren
in ihrem Anteil an allen Altersgruppen
zurückgehen – eine Tendenz, die für sich
genommen für nachlassende Zuzüge in die
Groß- und deren innerstädtischen Bereiche
spricht. Ob sich bei den älteren Menschen
ein gegenläufiges Potenzial aufbaut, bleibt
dahingestellt. Wenngleich Abwanderungen
aus den Städten ins Umland zukünftig
reduziert sein dürften, weil heute ein Groß-
teil der Älteren zur Gruppe der Randwan-
derer zählt und bereits im Umland lebt, so
verbleibt doch ihre geringe Mobilität, die
etwaige Zuzüge in die Stadt zahlenmäßig
begrenzt.
Es sind also ambivalente Effekte zu
erwarten, was noch einmal auf das Erfor-
dernis der Anpassungsfähigkeit im Städte-
und Wohnungsbau verweist. Städte und
auch Stadtquartiere müssen jederzeit für
alle Bevölkerungsgruppen etwas zu bieten
haben. Neubau dezentral und in Etappen
vermeidet große Wellenbewegungen in der
Nachfrage.
Dr. Brigitte Adam,
Wissenschaftliche Oberrätin, Abteilung I /Referat I-2
„Stadtentwicklung“, Bundesinstitut für Bau-, Stadt-
und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für
Bauwesen und Raumordnung (BBR), Bonn
1
Vgl. u. a. Beckmann, Klaus J. u. a. (2007): Akteure, Beweg-
gründe, Triebkräfte der Suburbanisierung. BBR-Online-
Publikation Nr. 21/2007.
2
Vgl. Beckmann, Klaus J. u. a. (2007) a. a. O.
3
Zu dem Ergebnis kommt eine Studie für den Aachener
Raum.
Die Kern- und Innen-
städte gewinnen
zunehmend als Wohn-
standorte an Attrak-
tivität – zum Beispiel
Frankfurt am Main.
Quelle: Dr. Brigitte Adam
Abb. 2
Quelle: BBR
Abb. 3
Quelle: BBR
Die Wohnungswirtschaft
10/2011
34
Städtebau
Reurbanisierung