ist es betriebswirtschaftlich für mich erle-
digt. Wir kriegen zwar gute Presse, wenn wir
jedes Jahr unsere Mieter zum Eislaufen ein-
laden oder an anderer Stelle Gutes tun und
darüber reden. Aber das hilft nur begrenzt.
Wir müssen sicherlich viel stärker kommu-
nizieren, welche guten Gründe es gibt, ein
kommunales Wohnungsunternehmen zu
haben.
Klaus Graniki:
Kommunale Wohnungs-
unternehmen müssen sich mit den Kunden
beschäftigen sowie mit den Gesellschaftern
und Politikern, um die von uns übernom-
menen Aufgaben zu erklären. Natürlich
freut sich jeder Medienmensch, wenn man
ihm hilft, mit schönen Geschichten das Som-
merloch zu füllen. Aber hilft das, auch wenn
es ganzjährig passiert? Müssen wir nicht
aggressiver vorgehen, und zum Beispiel
über vergleichende Werbung nachdenken?
Müssen wir nicht auch auf diese Weise klar-
machen, was wir investieren, was wir tun,
wo die Unterschiede im Wettbewerb sind?
Und wir sollten uns auch an dieser Stelle
mit Genossenschaften zusammentun, die in
die gleiche Richtung denken.
Axel Gedaschko:
Die Diskussion ist
hochinteressant. Aber diskutieren wir hier
gerade über Sinn und Sinn-
haftigkeit von kommunalen
Unternehmen? Das könnte
ich nicht nachvollziehen, denn
das steht außer Frage. Im
Jahr 2010 und im Jahr 2011
gab es bisher keinen Verkauf
eines kommunalen Unterneh-
mens oder nennenswerten
kommunalen Beständen. Die
Güte der kommunalen Unter-
nehmen in der Öffentlichkeit
darzustellen, ist mit Sicher-
heit eine Daueraufgabe. Aber
sollten wir nicht etwas stärker
am Thema über forder te
Nachbarschaften bleiben und
überlegen, wie wir auch zur Stärkung dieser
Nachbarschaften eine bessere Öffentlich-
keitsarbeit starten können?
Frank Bielka:
In der Öffentlichkeit kann
kein Mensch den Begriff Stadtrendite
rechnerisch nachvollziehen. Aber es kann
auch kein Stakeholder nachvollziehen, wie
das betriebswirtschaftliche Ergebnis eines
Unternehmens zustande gekommen ist. Ich
plädiere dafür, schon bei Projekten eine
offensive Kommunikation zu betreiben.
Wichtig ist eine aktive Kommunikation
in Richtung der politischen Gremien, der
Abgeordneten oder Stadtverordneten und
anderen Multiplikatoren.
Jürgen Steinert:
Die Vorbehalte gegen
den Renditebegriff dürften nicht nur in der
Finanzkrise und den Auswüchsen, die zu
ihrer Entstehung führten, begründet sein.
Sie sind auch Ausdruck einer fast schon
tradierten Haltung der kommunalen Woh-
nungsunternehmen, dass sich Rendite nicht
nur in der Maximierung bestimmter wirt-
schaftlicher Kennzahlen ausdrückt, sondern
auch in den Elementen, für die wir hier
streiten. Wir reden nicht über die Vergan-
genheit, sondern über die Gegenwart, die
zeigt, dass unser heutiges Thema keines-
wegs an den Haaren herbeigezogen ist.
Bernhard Spiller:
Wir haben in den
Städten und Dörfern der verschiedenen
Regionen Hessens sehr heterogene Mik-
romärkte mit ganz unterschiedlichen Anfor-
derungen. Und, anknüpfend an die Frage
nach Tochterfirmen und Ausgründungen:
Eine Besonderheit unserer Unternehmens-
gruppe ist, dass wir das soziale Manage-
ment als Dienstleistung für Kommunen und
andere Wohnungsgesellschaften anbieten.
Damit agieren wir recht erfolgreich. Wir
haben zum Beispiel in Dietzenbach den
Preis „Soziale Stadt“ gewonnen, weil wir
unter dem Motto Partizipation als Schritt
zur Integration einen sozialen Brennpunkt
mit fünf Gebäuden, 1.100 Wohnungen, 80
Ethnien befriedet haben. Wichtig war, die
unterschiedlichen Ethnien einzubinden,
Personen zu vernetzen und das Miteinander
zu organisieren. Es zeigt sich, wir Woh-
nungsunternehmen können auf der Basis
unserer Erfahrungen bei der Integration von
Migranten profitieren und neue Geschäfts-
modelle entwickeln.
Ulrich Pfeiffer:
Die Probleme, die auf uns
zukommen, werden nicht geringer. Wande-
rungsquoten in Höhe von 10 bis 15 Prozent
führen in manchen Quartieren zu einem
beachtlichen Austausch der Bevölkerung.
Statushöhere Bewohner – junge Familien
und Aufsteiger
– ziehen immer
n o c h
we g ,
schlechter integ-
rierte Menschen
ziehen zu. Die
Zuwande r ung
wird weiterhin
eine Quelle der
Un g l e i c h h e i t
bl e iben , di e
Un g l e i c h h e i t
zwischen Migranten und die Ungleichheit
gegenüber den deutschen Unterschichten
und die Einkommensungleichheit nehmen
zu. Das 30 Jahre währende Versagen der
Schulen, die lange Zuwanderung Nied-
rigqualifizierter oder andere historische
Hypotheken können wir nicht einfach weg-
wischen. Das heißt, die Gebiete werden
heterogener, und daraus entstehen Schwie-
rigkeiten – auch wenn die Konfliktpoten-
ziale sich auf kleinere Gruppen verteilen. All
das bedeutet eine Herausforderung für die
Quartiere.
Jürgen Steinert:
Die Vielfalt,
die hier deutlich wurde, ist mit
Sicherheit eines der Kennzeichen
der Wohnungsunternehmen.
Vielfalt heißt auch, dass die
Antworten unterschiedlich sind.
Die einzelnen Unternehmen
haben gelernt, in den Quartieren
das Gras wachsen zu hören. Sie
haben für die gesamtgesell-
schaftliche Entwicklung vor Ort
ein Frühwarnsystem errichtet,
dass auch der Politik dienen
könnte. Schwierig dabei ist,
dass die Politik Probleme erst
wahrnimmt, wenn für die Wohnungswirt-
schaft Veränderungen dramatische Folgen
haben. Die Langfristigkeit unseres Han-
delns – unsere grundsätzliche Stärke – ist
gelegentlich auch eine Schwäche. Die
Überzeugungsarbeit, die von der Branche
zu leisten ist, muss dies berücksichtigen.
Vielfalt im öffentlichen Bewusstsein zu ver-
ankern, ist viel schwieriger, als mit eindi-
mensionalen Botschaften Aufmerksamkeit
zu erlangen.
Herzlichen Dank. Das war eine spannende
Runde.
20
Thema des Monats
12. Brandenburger-Hof -Gespräch
Die Wohnungswirtschaft
10/2011