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Oft sind die Dinge nicht so, wie sie sein sollen.
Die Beispiele hierfür sind zahlreich:
Ein Kunde
soll kaufen, tut es aber nicht. Ein Mitarbeiter soll
pünktlich sein, tut es aber nicht. Ein Chef soll
besser informieren, tut es aber nicht
. Wenn mit
der betroffenen Person gesprochen werden
kann und diese ihr Verhalten ändert, gibt es
kein Problem. Ein Problem entsteht dann, wenn
diese Gespräche nicht gewirkt haben und es
immer noch so ist, wie es nicht sein soll. So
entstehen stressbeladene Gedanken, die Frust,
Ärger, Wut, Verzweiflung oder Aggression aus-
lösen können.
Viele Menschen investieren sehr viel Zeit
und Energie in den Versuch, Dinge zu än-
dern, die nicht änderbar sind
. Damit stem-
men sie sich unter größtem Energieaufwand
gegen die Wirklichkeit. Dies lässt sich damit
vergleichen, Katzen das Bellen beibringen zu
wollen oder dem Regen zuzurufen, dass er auf-
hören soll zu regnen. Viele Menschen lassen
sich von ihrem Verstand in die Irre leiten und
glauben, die Wirklichkeit diktieren zu können
und stellen sich ein Idealmaß vor, welches nie
in Erfüllung gehen wird. Sie kleben an einem
Ideal fest.
Die Funktion von Stress ist eine Art Alarm-
zeichen:
„Du wendest Dich gegen das, was ist,
obwohl Du es nicht ändern kannst, weil es nicht
in Deiner Macht steht. Nimm die Energie, die Du
für diesen sinnlosen Widerstand verschwendest
und investiere sie lieber da, wo sie wirkt“.
Wenn
die Wirklichkeit nicht zu verändern ist, macht es
keinen Sinn, diese Veränderung länger zu wol-
len, sondern es macht Sinn, den Gedanken
über die Wirklichkeit zu verändern.
Die Leistung einer Coachingmethode lässt
sich mit einem Bild beschreiben:
Ein Dorf ist
so sehr von dichtem Nebel umgeben, dass nur
ein Kirchturm (Analogie für Fakten und unter-
schiedliche Sichtweisen auf Fakten) von mehre-
ren vorhandenen zu sehen ist. Wenn sich der
Nebel lichtet, erkennt der Betrachter des Dorfes
vier oder fünf weitere Kirchtürme (Fakten sowie
verschiedene Sichtweisen auf Fakten) und hat
so ein umfassenderes Bild vom Dorf. Ein Ergeb-
nis von The Work kann darin bestehen, für eine
Lichtung des Nebels zu sorgen und so den Blick
frei zu machen für eine Erkenntnis der weiteren,
in Wahrheit vorhandenen Türme (Fakten und
unterschiedliche Sichtweisen auf Fakten). So
kann erkannt werden, was bereits vorhanden
ist, aber vorher unsichtbar war.
Erst der Gedanke, dann das Gefühl
Für ein stressbeladenes Gefühl (Angst, Über-
forderung, Wut, Hoffnungslosigkeit…) ist ein
vorheriger, stressbeladener Gedanke notwen-
dig. Denn:
Nicht eine Aufgabe oder Situation
an sich bewirkt den Stress, sondern die
Gedanken über die Aufgabe oder die Situa-
tion
. Das ist der Grund dafür, warum ein und
dasselbe den einen Menschen sehr stark
stresst und dem anderen nichts bedeutet oder
gar Freude bereitet. Daher werden diese Ge-
danken mit The Work bearbeitet, um auf das
Gefühl Einfluss zu nehmen.
Coaching unterstützt dabei, stressbeladene Ge-
danken so zu bearbeiten (englisch „to work“,
arbeiten), dass sie weniger Stress auslösen.
Eine der zentralen Ideen besteht darin,
dass
Stress immer dann entsteht, wenn sich
Menschen mit der Realität anlegen
und die-
sen Kampf in jedem Fall verlieren werden.
Durch das erstmalige offene und wirkliche Ak-
zeptieren von dem, „was ist“, entstehen neue
Energien und neue Ideen, um das, „was ist“,
eventuell zu verändern oder sich neuen Dingen
und Sichtweisen zuzuwenden. So wird die alte
Weißheit „Stress macht dumm“ zu „Stress
macht schlau“.
Ein Beispiel
Das Vorgehen wird hier an einem Fallbeispiel
aus einem Coaching erläutert. Der stressbela-
dene Gedanke, der mit The Work bearbeitet
wurde, lautete:
„Ich muss mehrere Aufgaben
gleichzeitig erledigen!“
In jeder Branche emp-
finden die meisten Menschen Zeitnot und füh-
len sich so gestresst. Natürlich löst der Gedan-
ke
„Ich muss mehrere Aufgaben gleichzeitig er-
ledigen!“
stressbeladene Gefühle wie Überfor-
derung, Hilflosigkeit oder Kraftlosigkeit aus
– weil kein Mensch mehrere Dinge gleichzeitig
mit hoher Qualität tun kann. Jeder hat bereits
die Erfahrung gesammelt, dass bei dem Ver-
such, mehrere Dinge gleichzeitig zu machen,
Fehler passieren, die schnell zu Mehrarbeit füh-
ren. So dauern die Aufgaben länger, als wenn
Prioritäten gesetzt würden.
Es ist nicht ein Brief, eine Email oder ein Fax,
was den Stress auslöst, weil diese Dinge nichts
tun können. Sie sind nur Zeichen auf Papier
oder auf dem Bildschirm, sie können gar nicht
stressen.
Es sind die Gedanken über den
Brief, die E-mail oder das Fax, was stresst
.
Weniger Ärger und
Zeitverschwendung
Warum ist Stress ein Geschenk?
von Christian Bremer
Weniger Ärger und Zeitverschwendung