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führen: Er baut Sicherheiten auf.
Zum Beispiel
werden Sicherheitsbestände eingestellt
oder
Planzahlen angehoben
, was auch bei
Bedarfsspitzen die Lieferbereitschaft garantie-
ren soll. Es werden mit dem gleichen Ziel Min-
destlosgrößen erhöht und längere Lieferzeiten
eingepflegt. Nicht für jeden sofort ersichtlich,
stehen auch Bedarfsvorlaufzeiten hoch im Kurs,
die letztlich mit einer verfrühten Bevorratung
den gleichen Effekt haben.
Gerne geben wir den Disponenten die Schuld
für unstimmige Bestände und schlechte Lie-
ferperformance. Das ist aber zu einfach! Eher
sind es mangelnde Konzepte und fehlende
Unterstützung in der Disposition und Stamm-
datenpflege, die zur Misere führen. Das muss
jedoch nicht sein! Wenn Sie unser 8 Punkte-
Programm beachten, bekommen Sie Ihre
Parameter in den Griff und sparen wertvolle
Ressourcen.
1. Klassifizieren Sie Ihre Artikel
Die Klassifizierung dient zur
Reduzierung der
Komplexität in der Planung und Disposi-
tion
(vgl. Abbildung 2). Bilden Sie Klassen und
treffen Sie Entscheidungen, wie die einzelne
Klasse sinnvoll einzustellen ist. Als Klassifi-
zierungskriterien bieten sich an: das Lebens-
zykluskennzeichen, die ABC/XYZ-Merkmale
oder das Beschaffungskennzeichen. In der
Regel kommen weitere unternehmensspezi-
fische Merkmale hinzu, die zur Berücksich-
tigung der jeweiligen Restriktionen in Logistik
und Produktion dienen (z.B. Lagervolumen,
Mehrfachverwendung, vertragliche Verein-
barungen mit Lieferanten und Kunden).
Was muten wir eigentlich unseren Disponenten
zu? Wenn wir nur die vier Stammdatensichten
zur Disposition in SAP betrachten, sind je Arti-
kel ca. 60 Stammdatenfelder zu pflegen. Hinzu
kommen die Stammdaten für Arbeitsvorberei-
tung, Prognosen, Infosätze, Orderbücher und,
und, und… Der klassische Disponent hat damit
je nach Artikelanzahl und gewählten Funktiona-
litäten
100.000 bis eine Millionen Stamm-
daten
aktuell zu halten.
Ein Disponent hat mehr Daten zu pflegen,
als er Arbeitsminuten pro Jahr zur Verfü-
gung hat!
Und das ist nur die quantitative Be-
trachtung. Gleichzeitig verlangen wir, dass er
auch die qualitativ richtigen Einträge vornimmt
und sich damit täglich für die richtige Wahl ent-
scheidet. Jeder, der sich näher mit der Disposi-
tion beschäftigt, weiß, dass dies eine hoch-
komplexe Aufgabe ist: Viele Parameter hängen
inhaltlich voneinander ab und bedingen sich
gegenseitig. Dies kann bei der Masse an Daten
zwangsläufig nur zur Überforderung führen.
Was macht der Mensch in solchen Situationen?
Er vereinfacht die Aufgabenstellung. So wun-
dert es nicht, dass in den meisten Unterneh-
men nur wenige Planungs- bzw. Dispositions-
alternativen im Einsatz sind.
Zum Verzweifeln!
Ohne passende Strategien und Tools werden
Disponenten zunehmend überfordert (siehe Ab-
bildung 1). Dabei sind Vergangenheitswerte,
Quotierungen, Lieferpläne und Kontrakte nicht
berücksichtigt. Um nicht unangenehm aufzufal-
len – beispielsweise durch Ärger einbringende
Stockout-Situationen – schafft er sich Mecha-
nismen, die zu einem gefühlt besseren Ergebnis
Abb. 1: Stammdatenumfang
Wie Sie tausende
Planungsparameter in den
Griff bekommen
von Bernd Reineke
8 Punkte-Programm für bessere
Stammdaten:
1. Artikel klassifizieren
2. Klassenregeln erstellen
3. Lieferantenketten optimieren
4. Wirkungszusammenhänge simulieren
5. Optimierte Werte in Stammdaten einpflegen
6. Nachhaltigkeit durch automatisierte
Disposition umsetzen
7. Konstante Schulungen der Mitarbeiter
nicht vergessen
8. Controlling etablieren
Wie Sie tausende Planungsparameter in den Griff bekommen