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Balanced Scorecard in der Praxis
-17 Jahre Erfahrung -
von Herwig Friedag und Walter Schmidt
(HI2065925)
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Die Balanced Scorecard wurde Anfang der 90er
Jahre von den Amerikanern
Robert Kaplan
und
David Norton
„in die Welt gesetzt" - 1992
erschien ihr erster Artikel; The balanced score–
card - Measures that drive Performance^ Etwa
5 Jahre später wurde ihr erstes Buch^ auch im
deutschsprachigen Raum bekannt"^. Seit dem
Jahr 2000 ist die BSC in das Ausbildungspro–
gramm der
Controller Akademie
integriert''.
Der
Internationale Controller Verein
hat in
2003 das Thema Balanced Scorecard in einem
Statement^ aufgegriffen, da die Strategiebe–
gleitung eine wichtige Funktion des Controller-
Service darstellt.
In der seitdem vergangenen relativ kurzen Zeit
von 17 Jahren konnte sich dieses Instrument -
so vermitteln es mehrere Studien -
bei etwa
24% der börsennotierten und 35% der mit–
telständischen
Firmen im
deutschspra–
chigen
Raum etablieren.
Das ist viel, wenn
man bedenkt, dass z.B. ein vergleichbares Ins–
trument wie die Kapitalwertmethode auf mehr
als 100 Jahre Praxiseinsatz zurückblicken kann
und in dieser langen Zeit keine signifikant grö–
ßere Verbreitung gefunden hat.
Gleichzeitig lassen verschiedene Erhebungen
vermuten, dass ein
nicht geringer Teil der in–
stallierten Balanced Scorecards (BSC) ge–
scheitert
ist oder sich zu reinen Kennzahlen–
systemen „rückentwickelt" hat. Auch das wäre
angesichts der „Jugend" dieses Instruments
nicht wirklich verwunderlich. Es fehlt schlicht
und einfach eine kritische Menge an einseh–
baren Erfahrungen, um erfolgreiche von weni–
ger erfolgreichen Konstellationen für das Gelin–
gen eines BSC-Prozesses unterscheiden zu
können. Das wird auch daran erkennbar dass
es
repräsentative Studien über die tatsäch–
lichen Anteile gescheiterter BSC und ihre Grün–
de nicht zu geben scheint^.
Deshalb können wir
hier
nur auf unsere prak–
tischen Erfahrungen aus der Einführung und
Begleitung von BSC-Prozessen in zahlreichen
Unternehmen
sowohl Im Profit- als auch im
Non-Profit-Bereich
zurückgreifen - und die
sind weitgehend positiv. Vielleicht liegt es daran,
dass wir von vornherein den BSC-Prozess als
integrierten Bestandteil des Strategie-Prozesses
behandeln und nicht als ein isoliertes Instru–
ment. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir die
Führungskräfte sowohl aus dem TCP-Manage–
ment als auch anderer Ebenen in den gesamten
BSC-Prozess einbinden. Oder weil wir uns über–
wiegend im Mittelstand oder in mittelständisch
geprägten Untemehmen (200 bis 10.000 Mit–
arbeiter) bewegen.
Der nach unserem Ermessen entscheidende
Grund liegt jedoch darin, dass in unseren Pro–
jekten die Intention von Kaplan und Norton
„Translate strategy into action" Leitschnur
des gesamten Vorgehens
ist. Dabei verste–
hen wir „Translate" in doppeltem Sinne:
Übersetzen strategischer Orientierungen in
konkretes Handeln im praktischen
Alltag
und zugleich
ONTROLLER