Unternehmenssteuerung i
Unternehmenssteuerung:
„Richtig" messen und trotzdem
falsch liegen?
von Heinz-Jürgen Klepzig, Gauting
(HI2065924)
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Stellen Sie sich vor Sie erfahren am Schalter
Ihres Kreditinstituts durch Zufall, dass Sie weit–
aus mehr Zinserträge als Ihr lieber Nachbar er–
halten. Also: alles richtig gemacht! Hochzufrie–
den gehen Sie nach Hause. Oder gibt es einen
Haken an der Sache? Der Vergleich der Zin–
serträge wird erst dann richtig interessant,
wenn man die Höhe des eingesetzten Kapitals
erfährt, das
zu
den Zinsen geführt hat. Eine
simple Binsenweisheit!
Und was hat das mit Unternehmenssteuerung
zu tun? Bei Gesprächen mit Unternehmern wie
auch beim Blick in die Wirtschaftspresse zeigt
sich,
dass bei den
Performance
-Zahlen
eines Unternehmens vorrangig die Umsatz–
rendite
besprochen
wird.
Das eingesetzte
Kapital in Anlage- und Umlaufvermögen erfährt
wenig Beachtung. Die Gesamt- oder Eigenkapi–
talverzinsung wird also nicht gezielt verfolgt! Gilt
also im Unternehmen nicht, was im Privaten
gilt? Oder venwenden wir falsche Denk- und
Steuerungsmodelle? Es stellt sich die Kernfrage:
Messen wir das Richtige bei der Unternehmens-
steuerung?
keit! Und sie basieren auf unterschiedlichsten
Positionen, durch die bestimmte Aspekte in den
Fokus der Betrachtungen gestellt werden.
Ein spezieller Standort und eine spezielle Blick–
richtung ergeben sich durch Wertorientierung
im Controlling.
Wertorientierung ist zum Leit–
begriff
moderner Unternehmensführung
geworden'.
Während beispielsweise Umsatz–
oder auch Eigenkapitalrendite viel zu kurzfristig
und auf zu schmaler Basis messen, können
wertorientierte Messinstrumente Aussagen dar–
über machen, ob, wie und wodurch sich der Un–
ternehmenswert verändert. Das sind Aussagen
eines ganz anderen Kalibers! Es herrscht heute
in der betriebswirtschaftlichen Szene weitge–
hend Einigkeit, dass eine kontinuierliche Steige–
rung des Unternehmenswerts ökonomisch not–
wendig ist und den Interessen aller Beteiligten
dient.
Wertschaffung
ist also für Kapitalgeber
Beschäftigte, Staat und Gesellschaft von Nut–
zen. In der Diskussion ist allerdings nach wie
vor die Frage, welchem Beteiligten welcher Wert
zufließen soll. Diese Frage der
Wertverteilung
soll hier nicht weiter verfolgt werden.
Abbildung 1 stellt klar wie sich der Geschäfts–
wertbeitrag ermittelt.
Fazit:
Zusätzlicher Wert ist erst dann geschaf–
fen, wenn ein Geschäft langfristig mindestens
die Kosten des eingesetzten Kapitals verdient.
Denn solange das eingesetzte Kapital nicht we–
nigstens einen etwas höheren Ertrag bringt als
eine Anlage beim Kreditinstitut, sollte man im
Kapitalmarkt und nicht in der Firma investieren.
Die Stoßrichtungen
zur
Verbesserung des
Geschäftswertbeitrags sind die
• Steigerung des Betriebsergebnisses
• Verringerung der Kapitalbindung in Anlage–
vermögen undWorking CapitaP.
Das EVA- Modell hat sich als das in der Praxis
am häufigsten venwendete Verfahren zur werto–
rientierten Unternehmenssteuerung durchge–
setzt. Verständniserleichternd insbesondere für
Nicht-Betriebswirtschaftler ist, dass diese Kenn–
zahl ergebnisorientiert^ ist und auf traditionellen
Kenngrößen aufbaut.
Wertorientierung: Was ist's?
Unternehmenssteuerung wird auf der Basis von
Controlling-Modellen durchgeführt. Modelle sind
Abbildungen der Wirklichkeit. Durch Verände–
rung von Standorten und Blickrichtungen kön–
nen gezielt Details schärfer herausgearbeitet
oder auch ausgeblendet werden. Modelle sind
jedoch nie die Wirklichkeit. Sie sind immer
Vereinfachungen! Controlling-Modelle sind
ebenfalls Abbildungen der Wirklichkeit. Auch sie
sind Vereinfachungen im Vergleich zur Wirklich-
Wi e ermittelt sich der
Unternehmenswert^?
Als praktikabler Ansatz zeigt sich das
Konzept
von
Stern/Stewart^ das sich von der Ermitt–
lung des gesamten Unternehmenswerts löst
und sich auf die Berechnung der jeweiligen
Wertsteigerungen für eine Berechnungsperiode
(z.B. ein Geschäftsjahr) konzentriert^. Als Ergeb–
nis erhält man den Economic Added Value (EVA).
Im deutschen Sprachgebrauch hat sich dafür
der Begriff
Geschäftswertbeitrag
etabliert.
Wertorientierte Unternehmens-
steuerung: Was bringt's?
Was ist denn nun das Besondere der wertorien–
tierten Unternehmenssteuerung? Dies lässt sich
anhand des Geschäftswertbeitrags verdeutlichen:
Betriebsergebnis und Kapitalkosten bestimmen
den Geschäftswertbeitrag. Die Steigerung des
Betriebsergebnisses durch Umsatzwachstum
und dessen Umwandlung in zumindest proportio–
nal steigende Gewinne gehört zum üblichen be–
triebswirtschaftlichen Standard-Repertoire.
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