Risikomanagement
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Integration der betrieblichen Gefahrenabwehr in
das Risikomanagement
von Hauke Gastmeyer und Ute Vanini, Kiel
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Der
Prozess der Leistungserstellung
ist in
vielen Industrieunternehmen
komplexer ge–
worden.
Gründe hiertür sind moderne Kon–
zepte in der Betriebsorganisation, wie z.B. Just–
in-Time-Konzepte, und die zunehmende Auto–
matisierung. Diese bindet mehr Kapitalbindung
und bedingt daher eine hohe Auslastung der
Produktionsanlagen. Für Unternehmen bedeu–
tet dies, dass sie noch stärker von der Funkti–
onsfähigkeit ihrer Produktionssysteme abhän–
gen. Die technische Störanfälligkeit vieler Anla–
gen hat zwar in der Vergangenheit tendenziell
abgenommen.
Kommt es jedoch zu Störfäl–
len, wächst das Schadensausmaß
aufgrund
der Komplexität und der zahlreichen Interde-
pendenzen überproportional. Insgesamt resul–
tiert aus diesen Entwicklungen eine Verschär–
fung des Betriebsunterbrechungsrisikos. Ein zu–
sätzliches Risiko ergibt sich darüber hinaus aus
einer verschuldensunabhängigen Produkt- und
Umwelthaftung.'
Beispielsweise musste der Betreiber
Vattenfall
Deutschland
nach entsprechenden Störtällen
imSommer 2007 die Atomkraftwerke Krümmel
und Brunsbüttel vom Netz nehmen. Seitdem
kostet jeder Tag Betriebsunterbrechung
das Unternehmen
1
Mio. Euro.
Darüber hin–
aus musste die Geschättsleitung Fehler beim
Krisenmanagement einräumen. Es entstand ein
Imageschaden, der zu 100.000 Kundenvertus-
ten in den Kernmärkten Hamburg und Bertin
nach den Zwischenfällen führte. Dies entspricht
bei 2,7 Mio. Kunden 4% des Bestandes."
Im Fall des AKW Krümmel hat der Brand eines
Transformators den Störfall ausgelöst. Es ist
die Aufgabe einer betrieblichen Gefahrenab–
wehr, die Eintrittswahrscheinlichkeit derartiger
Risiken zu minimieren und bei Risikoeintritt
das Schadensausmaß durch entsprechende
Maßnahmen und Notfallpläne möglichst ge–
ring zu halten. Darüber hinaus sind Aktienge–
sellschaften gemäß § 91 Abs. 2 AktG zur Ein–
führung eines Risikomanagementsystems
(RMS) zur Früherkennung existenzbedro–
hender Risiken verpflichtet. Trotz des hohen
Schadenpotenzials ist die betriebliche Gefah–
renabwehr in der betriebswirtschaftlichen
Literatur bisher wenig beachtet worden. Der
Beitrag analysiert daher Aufgaben und zeigt
auf, wie sie in ein unternehmensweites RMS
integriert werden kann.
Begriff, Ziele und Aufgaben der
betrieblichen Gefahrenabwehr
Unter einer betrieblichen Gefahr wird nach–
folgend eine Bedrohung des Leistungser-
stellungsprozesses verstanden.
Betriebliche
Gefahren zählen somit zu den Betriebsrisiken
bzw. operationellen Risiken und sind schwer–
punktartig dem Produktionsbereich zuzuord–
nen.'" Eine Gefährdung des betrieblichen Leis-
tungserstellungsprozesses wird z.B. durch Feu–
er und Explosionen aber auch durch technisch
bedingte Maschinenausfälle, Überschwem–
mungen, Sturm- und Hagelschäden, Einbrüche
und Vandalismus verursacht. Insbesondere
Brände und Explosionen können den Unterneh–
mensfortbestand nachhaltig gefährden.
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