CM Controller magazin 2/07 - Stefan Uhlig
Zuordnung CM-Themen-Tableau
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F
V
K
WORKING CAPITAL;
„Stille Wasser gründen tief"
von Stefan
Uhlig,
Geretsried
Diplom-Volkswirt Stefan Uhlig
ist
Unternehmensberater und Sach–
verständigengutachter
Speziell zum Thema
Liquiditätsmanagement hat er
diverse Beiträge veröffentlicht.
Sicher waren Sie schon e inma l in Öster–
reich, wahrscheinl ich in Udaub . Vielleicht
beeindruckt Sie dieses Land neben sei–
nen landschaft l ichen Schönhei ten auch
wegen seiner derzeit blühenden Volks–
wi r tschaf t . Die relevanten Daten sind
hervorragend, die kleine Alpenrepubl ik
erwi rtschaf tet ein Brut toinlandsprodukt
von rund 2 5 0 Mr d . Euro. Das Sozialpro–
dukt Österreichs entspricht genau der
Summe , die europäischen Unt ernehmen
dur ch über fä l l ige Forderungen ihrer
Kunden entsteht . So hat sich der durch-
schnitdiche Zahlungsverzug (nicht die
nonnaleZahlungsdauer!) in Europa von 15,1
Tagen in 2004 auf 16,8Tagein 2006 erhöht.
Allein die Erhöhung um 1,7 Tage macht
europawei t 25 Milliarden Euro aus.
Spätestens jetzt sollten Sie Ihre Debitoren–
liste zur Hand nehmen und nachgucken,
wi e wei t auch Ihr Un t e r nehmen von
diesem gefährl ichen Trend betroffen ist.
Wenn sich schondie EU-Behörden darüber
e r n s t h a f t
der rund 3 5 . 0 0 0 Fi rmen Insolvenzen al–
lein in Deutschland beruht darauf , dass
Kunden zu spät bzw. i rgendwann gar
nicht mehr zahlen.
NUV - Ihr liquider Reservespeicher
Die Debi toren, also die offenen Forde–
rungen an Ihre Kunden, gehören zum
Net toumlaufvermögen (NUV). Neben den
Kreditoren, also den Verbindl ichkei ten
gegenüber Ihren Lieferanten, sind sie
im Regelfall vom Volumen her einer der
größten Einzelposten in dieser Aufstellung
und stehen daher im Blickfeld diverser
Betrachtungen. Was gehört noch zum
NUV? Hier gibt es wie bei vielen Kennzahlen
leider begnffliche Unscharfen. Betrachten
wi r zunächst in Anlehnung an Coenenberg
(„lahresabschluss und -analyse") die drei
klassischen Liquiditätsbegriffe, da Net–
toumlaufvermögen und Liquidität eng
mi teinander verbunden sind:
Somit umfasst das NUV liquide Mi t tel und
kurzfristige Forderungen (monetär: alles,
was sich kurzfristig zu Geld machen lässt)
abzügl ich der kurzfristigen Verbindlich
keiten aus Lieferungen und Leistungen,
Rückstellungen und abzüglichsonstiger
kurzfristiger Verbindlichkeiten wie z. B.
Kontokorrent-Kredite. Manchma l wird das
NUV noch enger definiert, indem praktisch
nur die Debitoren - evtl. noch mi t Wa–
renbestand - abzügl ich der Lieferanten–
kreditoren analysiert werden. Statt eines
Quotienten wie bei den drei Liqui-Graden
ist das NUV somit eine absolute Größe.
In Ihrer Bilanz finden Sie die relevanten
Positionen jeweils in der unteren Hälfte von
Akt iva und Passiva, da die Struktur einer
Bilanz in gewisser Weise auch die Liquidi–
tätsgrade der Positionen darstellt.
Das auch „Working Capital" genannte
NUV ist quasi das „liquide Reservebek-
ken" Ihres Unternehmens, das durch
den nach Tilgung und Investment noch
Barliquidität
( L i qu i d i t ä t 1 .Grades)
Liquidität auf kurze Sicht
( L i qu i d i t ä t 2.Grades)
Sorgen ma –
c h e n , we i l
d i e s e En t –
w i c k l u n g
das Wachs–
t um in Eur–
opa bremst ,
so l l t en d i e
be t ro f f enen
U n t e r n e h –
me n natür –
lich ganz besonders aufpassen, dass sie
dadurch nicht unter die Räder kommen .
Bedenke: Ein nicht unbeachdicher Antei l
l i qu i de M i t t e l .
ku r z f r i s t i ges F r emdkap i t a l b zw . Ve r b i n d l i c h k e i l e n
monetäres Uml au l ve r i nö t zen .
ku r z f r i s t i ges F r emdkap i t a l b zw . Ve r b i nd l i c h k e i t en
Liquidität auf mittlere Sicht
( L i qu i d i t ä t j .Ci r ades )
inonetäres Um l a u f v e rmö g e n + Vo r r ä t e .
ku r z f r i s t i ges F r emdkap i t a l h / w . Ve r b i nd l i c h k e i t en
Wi r orientieren uns an der kurzen Sicht
(2. Liqui-Grad), lassen also die Vorräte
zunächst weg (Begründung folgt später).
übrig gebl iebenen einfachen Cashf low
( = Ergebnis nach Steuern plus Abschrei–
bung) gefüllt wi rd. Ist vom Cashflow
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