Seite 10 - 2007-02

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Co n t r o l l e r
magazin 2/07 - Thomas Kumpel / Kristina Kohlhoff
Rechnungslegung bezogenen internen
Kontrol lsystems geprüft werden (vgl.
hierzu und im Folgenden IDW [2001 aj,
S. 900 ff.). Innerhalb der aussagebe–
zogenen Pr ü f ungshand l ungen
ist
zwischen analyt ischen Prüfungshand–
l ungen und Einzel fal lprüfungen zur
Edangung von Prüfungsnachweisen zu
unterscheiden. Während sich analy–
tische Prüfungshandlungen i.d.R. auf
aggregierte Daten beziehen, sind die
Einzelfallprüfungen detaillierte Prüfun–
gen einzelner Geschäftsvorfälle. Unter die
Einzelfallprüfungen fallen beispielsweise
die Einsichtnahme in Unterlagen, die
Inaugenscheinnahmevon materiellenVer–
mögensgegenständen, die Beobachtung
von Kontrol lmaßnahmen oder Befragun–
gen von unternehmens internen und
-externen Personen.
zielen Plausibi l itätsbeurtei lungen nicht
auf die grundsät z l i che Feststel lung
einer Soll-Ist-Abweichung, sondern auf
die Hinterfragung der Plausibilität der
Abweichung ab (vgl. IDW |2000|, S. 1771,
Tz. 303).
Plausibilitätsbeurteilungen zählen weiter–
hin zu den indirekten Prüfungsmethoden,
d. h. das Soll-Objekt wi rd nicht direkt
ermittelt, sondern über einen Ersatztatbe–
stand best immt (vgl. Gärtner, M. |1994|,
S. 12). Hierzu folgendes Beispiel:
Es soll überprüft werden, ob der Wert
der bilanziell ausgewiesenen Roh-, Hilfs–
und Betriebsstoffe plausibel ist. Deren
Höhe stellt folglich das Ist-Objekt dar Als
Soll-Objekt können die im Rahmen der
Inventur jeweils ermi t tel ten Mengen an
l ' r i i f u n g N h a n d l u i i g c n
Systcmprüfui igen
.Aussagchi'/.ogeiif
l 'rüfungj ihandlungon
Analytische
P r ü f u n ü s l i . i n d l u n Q e n i
inzelfallprülüngen
Abb. 4: Einordnung der analytischen
Prüfungshandlungen
{in Anlehnung an: iDW 12001 aj, S. 900)
Vereinfacht erfolgt die Durchführung
analytischer Prüfungshandlungen in
drei Schritten:
1) Zunächst wi rd das Soll-Objekt progno–
stiziert, von dessen Qualität die Aus–
sagekraft der analytischen Prühjngs-
handlung entscheidend abhängt.
2) Im zweiten Schritt wi rd das Soll-Objekt
mi t dem Ist-Objekt verglichen und
geprüft, ob der Ist-Wert in Anbetracht
des Soll-Werts plausibel ist.
3) Abschließend wi rd entschieden, ob
weitergehende Prüfschritte notwen–
dig sind und ggf. in welcher Art und
Weise und in welchem Umfang diese
durchgeführt werden.
Welche konkreten Methoden können nun
zur Durchführung von Plausibilitätsbeur–
tei lungen angewendet werden können?
Al lgemein zählen zu den Methoden
einfache Vergleiche bis hin zu komplexen
Analysen durch mathemat i sch-stat i –
stische Verfahren (vgl. IDW [2001 b|, S.
904, Tz. 9). Trend- und Kennzahlenana–
lysen stellen einfache, nicht-statistische
Modelle dar Demgegenüber stehen die
statistischen Methoden, zu denen Regres–
sionsanalysen und das Benford's Law
gezählt werden können (vgl. Mochty, L.
12002], S. 729 ff.: Nigrini, M.)., Mi t termai -
er,L. | . | 19971, S. 52 ff.).
Das I ns t i t u t der Wi r t scha f t sp r ü f e r
behandel t die analyt ischen Prüfungs–
handlungen im Prüfungsstandard Nr
312 (entspricht grundsätzl ich dem Inter–
national Standard on Auditing Nr 520 der
International Federation of Accountants).
Nach Definition des IDW sind analyti–
sche Prüfungshandlungen „Plausibi l i–
tätsbeurtei lungen von Verhältniszahlen
und Trends, durch die Beziehungen von
prüfungsrelevanten Daten eines Unter–
nehmens zu anderen Daten aufgezeigt
sowie auffällige Abweichungen festgestellt
werden" (IDW |2001bl, S. 904, Tz. 5).
Was genau unter Plausibi l i tätsbeur–
tei lungen zu verstehen ist, geht aus
dem Standard nicht eindeutig hervor
Grundsätzlich handelt es sich bei den
Plausibilitätsbeurteilungen um Soll-Ist-
Vergleiche, bei denen beurtei lt wi rd, ob
die Höhe des tatsächl ichen Werts im
Vergleich zum erwarteten bzw. normge–
mäßen Wert plausibel ist. Demzufolge
Roh-, Hilfs und Betriebsstoffen dienen, die
durch Mul t ipl ikat ion mi t durchschnitdi-
chen Lagerwerten zur Beurteilung der
Plausibilität des Gesamtwerts der Roh-,
Hilfs- und Betriebsstoffe herangezogen
werden können.
Voraussetzung für die indi rekte Vor–
gehensweise ist, dass das Ist-Objekt
in einem funkt ionalen oder kausalen
Zusammenhang mi t dem (Ersatz) Soll-
Objekt steht oder anders ausgedrückt,
dass Zusammenhänge zwischen den
Daten, auf die sich analytische Prüfungs–
handlungen beziehen, vorl iegen (vgl.
Gärtner, M. |1994|, S. 13; IDW 12001b),
S. 904, Tz. 6). Mi t Bezug auf das Beispiel
hängt die Höhe des bilanziell ausgewie–
senen Werts an Roh-, Hilfs- und Betriebs–
stoffen von der tatsächlich gelagerten
Menge und ihrer Bewertung ab. Ohne diese
Zusammenhänge wäre ein Rückschluss
vom Soll-Objekt auf die normgemäße Höhe
des Ist-Objekts nicht mögl ich.
QUELLEN
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