CM Controller magazin 2/06 - Gerhard Römer
Römer-Kolumne
Wie kann man die
Eigenkapital-Quote
verbessern?
von Dipl.-Volkswirt Gerhard
Römer,
Hamburg
Finanzielle Krisen in Unternehnnen werden relativ oft durch Problenne
In der Bilanzstruktur der Passivseite ausgelöst. Das resultiert daher,
dass ein erfolgreicher Abschluss von KrediWerträgen mit der Einhal–
tung bestimmter Kennzahlen untermauert wird; diese
Kennzahlen
beziehen sich wiederum meist auf die Relation von Eigen- und
Fremdkapital.
Verschlechtert sich diese Relation, ist der Kreditgeber
schnell geneigt, den Kreditvertrag zu kündigen. In solchen Fällen muss
entweder die Eigenkapital-Position verbreiten und/oder das Fremd–
kapital-Volumen verkijrzt werden. Oder man weicht auf Kredit von
Lieferanten aus (vgl. Beitrag Koch).
Für den Controller bedeutet das,
die Finanzierung des gesamten
Unternehmens
wie den Absatz, die Produktion oder die Beschaffung
zu einem Kernbereich der Management-Tätigkeit „aufzupolieren".
Denn die neuen Kreditvergabe-Vorschriften gemäß „Basel II" und die
damit verbundenen Bonitälsprüfungen durch Ratingagenturen
machen e s erforderlich, dass die gesamte Kapitalstruktur neu syste–
matisiert wird.
Die meisten klein- und mittelständischen Unternehmen leiden unter
einer Unterkapitalisienjng. Da die Möglichkeit, sich fast ausschließlich
über Fremdkapital zu finanzieren, wohl endgültig erschöpft ist, müssen
neue Denkansätze für eine EJgenkapital-Strategie
gefunden
werden. Erste Alternativen, um sich Finanzmittel auf dem Kapitalmarkt
zu beschaffen, könnten sein:
•* die Abtretung erwarteter Einnahmen,
*
die Verbriefung enwarleter Fordemngen,
*
Die Emission von Schuldtiteln, also Wandel- oder Optionsanleihen,
*
das Eingehen von Nachrangdarlehen,
*
die stille Beteiligung von darauf spezialisierten Fonds.
Drei dieser Finanzierungs- und Sanierungsmittel seien hier näher
gekennzeichnet:
(1)
Die Ausgabe einer
Wandel- oder Optionsanleihe
ist meist mit
einer Änderung der gesamten Verschuldungsstruktur verknüpft:
Nach dem Schuldverschreibungsgesetz müssen fast alle Anleihe–
bedingungen neu angepasst werden; sie dürfen sich nicht allein auf
eine Herabsetzung des Zinskupons, Stundung bereits fällig geworde–
ner Zinszahlungen und/oder dieVeriängerung des Tilgungszeitraumes
beschränken. Auch der Nennwert der Anleihe darf nicht verändert
werden. Aber bei einer solchen Anleihe dürfte der Anleihe-Nehmer
unter sehr restriktiven, gesetzlichen Bedingungen (z. B. zur Abwen–
dung einer drohenden Insolvenz) einen (teilweisen) Verzicht
auf
Rückerstattung des Anleihebetrages aussprechen oder er könnte die
Anleihe komplett in Eigenkapital umwandeln. Insgesamt ließe sich
somit das Verschuldungsvolumen zugunsten der Eigenkapitalquote
verschieben.
(2) Mit dem Oberbegriff
„Mezzanine"
wird eine zwitterhafte
Finanzierungsfomn bezeichnet, die in sich die klassischen Eigen–
schatten von Eigen- und Fremdkapital vereint: sie ist nachrangig
gegenüber dem Fremdkapital, aber vorrangig gegenüber dem Eigen–
kapital. Typische Mezzanine haben einen Zins- und einen Um–
wandlungshebel: Bei dem
Zinshebel
kommen Festzinsen, Nullzinsen
oder Zinszahlungen, die an den tatsächlichen ünternehmenserfolg
gekoppelt sind, zur Anwendung. Der
Umwandlungshebel
regelt die
spätere Beteiligung am zukünftigen Unternehmenswerl
Der heutige
Kapitalgeber kann somit zu einem späteren Anteilseigner am
Eigenkapital werden,
denn über seine neuen Anteile darf er frei
verfügen. Damit wird der Vorteil
von mezzanlnem Kapital
deutlich:
da es eigenkapitalfähig werden kann, verbessert es die Eigen–
kapital-Quote und auch das Rating.
Sein Nachteil Ist sein hoher
Transaktions- und Finanzierungsaufwand, den sich aber
der
Kapital–
geber vom Kapitalnehmer erstatten lassen kann.
(3) Etwas völlig Neues ist die so genannte
„Ewige Anleihe", die das
Eigenkapital stärken soll. Sie wirkt ähnlich wie ein Genußschein
(=indem sie verschiedene Rechte gegenüber einer Gesellschaft ver–
brieft, z. B. einen Anspruch am Gewinn oder Liquidationseriös), hat
aber
kein festes Laufzeitende.
Sie ist daher eher als ein
Zwischen–
ding zwischen Anleihe und Aktie
zu bezeichnen: Der Investor hat
keinen Anspruch auf Tilgung, wohl aber auf eine regelmäßige
Zinszahlung,
die sowohl fix als auch variabel ausgestaltet sein darf.
Da die Zinszahlung aber letztlich vom Ünternehmenserfolg abhängt,
darf in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ihr Nennwert reduziert, in
späteren, wirtschaftlich besseren Zeiten muss der ursprüngliche
Nennwert der Anleihe wieder eingesetzt werden.
Eine solche „Ewige
Anleihe" verbessert auch die Eigenkapitalquote.
•
Zuordnung CM-Themen-Tableau
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G
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