CM
Controller
magazin 4/04 - Jürgen Schiefer / Andreas Pampel / Martin Feldkircher
Dipl.-Kfm. Jürgen Sciiiefer ist bei der
DaimlerChrysler AG, Stuttgart, zuständig für die
Leitung des Projeirt- und Bereiciiscontrolling im
Ressort des Bereiciisvorstandes für die Entwick–
lung der Vertriebsorganisation Europa und Asien,
e-mail:
Dipl.-Volkswirt Andreas Pampel ist als externer
Unternetimensberater und Projektleiter im Res–
sort des Projekt- und Bereiciiscontrolling der
DaimlerCiirysler AG, Vertriebsorganisation Euro–
pa und Asien, tätig, e-mail; andreas-
Dipl.-Kfm. Martin Feldkircher ist bei RMC
Relationship Marketing Consulting, Frankfurt/
Main, tätig als Senior Consultant für Marketing
Analytics. Seine Aktivitäten beinhalten das Cu–
stomer Profiling sowie die Bereiche Metrics and
Measurement (online and offline) und Predictive
Modelling.
e-mail:
Der ganzheitliche Business Case
ALS BEWERTUNGSINSTRUMENT
VON INVESTITIONSVORHABEN
Zuordnung CM-Themen-Tableau
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G
F
von Jü r gen Schiefer und And r eas Pampel , Stut tgar t , sowi e IVIartin Feldki rcher, Frank fur t /Ma i n
Die jüngste Vergangenheit hat vielen
Unternehmen mehr als schmerzlich auf–
gezeigt, wie wichtig es ist, dass die
Chan–
cen und Risiken von Investitionsent–
scheidungen
bereits im Vorfeld einer
ausreichenden Überprüfung unterzogen
werden. In den |ahren des eBusiness-
Hypes wurden viele Geschäftsideen in
die Tat umgesetzt, die sich nicht durch
die erforderliche unternehmerische Nach–
haltigkeit auszeichneten und die nicht
selten zu wirtschaftlichen Fehlschlägen
des jeweiligen Unternehmens führten.
Wie sind diese Fehlentscheidungen zu
erklären, wenn man doch davon ausge–
hen kann, dass die Investoren bemüht
waren, über die Verwendung ihrer Mittel
nach den Prinzipien kaufmännischer Vor–
sicht zu entscheiden? Ein zentraler Grund
liegt unserer Ansicht nach darin, dass bei
der
Entscheidung für oder gegen ein
Investitionsvorhaben dieses oft nicht
ganzheitlich erfasst wurde.
Das heißt,
nicht alle für den Erfolg des Vorhabens
relevanten Einflussfaktoren wurden
systematisch berücksichtigt: bestimmte
Informationen wurden ausgeschlossen,
anderen bewusst oder unbewusst eine
zu starke Bedeutung beigemessen. Es
fehlte in erster Linie an ausreichender
Transparenz über die den Erfolg der Vor–
haben entscheidenden Faktoren, so dass
weder klar nachvollziehbare noch nach–
haltige Entscheidungen getroffen werden
konnten.
Die ausschlaggebende Schwachstel le
dieses Prozesses lässt sich bei der analy–
tischen Vorbereitung der Investitions–
entscheidung, also der Business-Case-
Erstellung, lokalisieren. Wird ein ganz-
heidicher Business Case in dem Sinne
aufgestellt, dass alle für die Entscheidung
relevanten Informationen berücksichtigt
werden, so kann die Entscheidung für
oder wider ein Projekt jederzeit und von
jedem nachvollzogen und überprüft wer–
den. Die Wahrscheinlichkeit, die an–
gestrebten Ziele zu erreichen, kann vor
der eigentlichen Investition hinterfragt
werden.
Mit dem ganzheitlichen Business Case,
den wir im Folgenden vorstellen, möch–
ten wir Business-Case-Erstellern, die bis–
her über wenig Controlling-Kenntnisse
verfügen, ein Instrument in die Hand ge–
ben, das eine strukturierte und ziel–
orientierte Vorgehensweise bei der Erstel–
lung von Business Cases gewährleistet.
Was ist der ganzheitliche Business
Case?
Der ganzheitliche Business Case ist ein
Instrument, Investitionsentscheidungen
systematisch vorzubereiten, ihre wirt–
schaftlichen Chancen und Risiken reali–
stisch abzuschätzen sowie die Planung
und Steuerung des Projektprozesses zu
verbessern. Der ganzheitliche Business
Case berücksichtigt quantitative und
qualitative Nutzenargumente ebenso wie
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