CM
Controller magazin
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Zuordnung CM-Themen-Tableau
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F
V
FALLEN FÜR DEN
CONTROLLER IN DER
DECKUNGSBEITRAGS–
RECHNUNG
von Peter Hoberg, Wo rms
Prof. Dr. Peter Hoberg, Fachbereich Toutistik/Verkehrswesen,
Faciihochschule Worms - E-iVlail:
I .Einlei tung
Nacfi dem Platzen der New-Economy-
Blase konnte sich der Controller (beru–
higt) zurücklehnen, weil die gute alte
Betriebswirtschaftslehre wieder zu Eh–
ren kam. Es sind zwar einige neuere Kon–
zepte (immaterielle Wirtschaftsgüter,
lAS/lFRS, Wertorientierung etc.) zu be–
rücksichtigen, aber im Kern kann er sich
u. a. auf die bewährte Deckungsbeitrags–
rechnung verlassen. Aber wie gut ist sie
denn wirklich?
Wie der Titel bereits andeutet, kann es
bei ihrer Anwendung Probleme geben.
Es soll provozierend behauptet werden,
dass die übl iche Deckungsbei trags–
rechnung zumindest ungenau und in
vielen Fällen nachgerade falsch ist, so
dass man sich über Fehlentscheidungen
nicht wundern muss. Dies ist zurzeit be–
sonders wichtig, weil bei hauchdünnen
Margen schon geringe Verschlechterun–
gen ausreichen, das Unternehmen zu
gefährden.
Die Probleme in der Deckungsbeitrags–
rechnung tauchen dann auf, wenn die
Ausgangsgrößen, nämlich die real vor–
liegenden Zahlungen (vgl. Küpper, S. 255) ,
nicht sauber in Kosten und Leistungen
einer Periode übersetzt werden. Die Über–
setzungsprobleme sind eigentlich nicht
verwunderiich, wenn man bedenkt, dass
die
Zahlungen zeitpunktorientiert sind,
Kosten und Leistungen aber angeblich
periodenbezogen.
Erfreulicherweise kann gezeigt werden,
dass die Probleme der Deckungsbeitrags–
rechnung
relativ einfach kuriert wer–
den können, wenn auch für die Kosten
und Leistungen Bezugszei tpunkte
eingeführt werden.
2. Heut ige Deckungsbe i t rags–
rechnung
Bei den Einsa t zmög l i chke i t en der
Deckungsbeitragsrechnung können grob
zwei Zwecke unterschieden werden. Als
Entscheidungsrechnung
reicht sie von
Break-even-Analysen über opt imale
Preissetzung bis hin zur Bestimmung
von optimalen Produkrions- und Absatz–
programmen. In der Form der
Wirt–
schaftlichkeitskontrolle
steht der Ver
gleich zwischen Soll- und Istdeckungs–
beitrag im Vordergrund. Definiert ist
der Deckungsbeitrag DB, gemessen in
Geldeinheiten (GE) pro Periode (PE),
wie folgt (vgl. z. B. Coenenberg, S. 277ff.):
DB = ( p - k j * x = d * x inGE/PE
(1)
Preis in Geldeinhei ten (GE) pro
Mengeneinheit (ME)
variable Stückkosten in GE/ME
Absatzmenge in ME pro Periode (PE)
Deckungsspanne in Geldeinheiten
(GE) pro Mengeneinheit (ME)
Zieht man vom Deckungsbeitrag DB die
mengenunabhängigen Kosten (Fixkosten
in GE/PE) der betrachteten Periode ab, so
erhält man für die betrachtete Periode
den Gewinn G (GE/PE). Um die Beein–
flussbarkeit insbesondere der Kosten
besser abzubilden, wird die Deckungs–
beitragsrechnung üblicherweise mehr–
stufig durchgeführt, wobei die Stufen
entsprechend der Beeinflussbarkeit der
Kosten gebildet werden.
So weit, so bekannt, so einfach, auch so
gut?
In einigen der Größen liegen schwer–
wiegende Probleme verborgen, die zu
Fehlern führen können. Um diese besser
zeigen zu können, ist das nachfolgende
Beispiel aufgestellt worden (Tab. 1).
Die Zeilen sind durchnumeriert, wobei
die fettgedruckten Nummern auf Modifi–
kationen hinweisen, mit denen die Pro–
bleme gelöst werden sollen. Sie werden
im Weiteren erklärt.
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