Seite 21 - 2002-06

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C o n t r o l l e r m a g a z i n
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v.l.n.r.:Dr. Dietram Schneider, Vorstand des Kompetenzzentrums für Unterneiimensentwicklung und -beratung
(KUBE e. V.), Professor für Betriebswirtschaft an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Kempten (Allgäu);
Volker Seltz, Kompetenzzentrum für Unternehmensentwicklung und -beratung (KUBE e. V.), Studienleiter des
Projekts „Pro-Bench-Reg"; Karl Dellner, Geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung Dellner
& Schwelg GbR in Kempten (Allgäu) mit dem Schwerpunkt Automobilwirtschaft; Robert Schatz, Consultant bei
der Unternehmensberatung Dellner & Schweig GbR in Kempten (Allgäu)
PRODUKTIVITÄTS-BENCHMARKING
- Bericht aus dem KUBE-Projekt „Pro-Bench-Reg" mit
empirischen Anwendungsbeispielen aus der Automobilindustrie
von Dietram
Schneider,
Volker
Seltz,
Karl
Dellner,
Robert
Schatz,
Kempten
Auf der volkswirtschaftlichen
Ebene ist
bekannt, dass das
Wirtschaftswachs–
tum
für
die
Gewinnung
von
Produktivitätsfortschritten
eine bedeu–
tende Rolle spielt: steigendes
Wachs–
tum führt zu steigenden
Produktivitäts–
fortschritten
(und umgekehrt).
Diesen
Zusammenhang
hat der
Ökonom
Verdoorn bereits vor über 50 fahren
mit Hilfe von sogenannten
Regressions–
kurven untersucht und
Produktivitäts–
vergleiche zwischen
Volksv^firtschaften
vorgenommen.
Vereinzelt findet
man
diese Methode inzwischen in der „tool
bag" von Unternehmensberatern
und
strategischen
Controllern,
um die
Produktivitätsentwicklung
von Unter–
nehmen
zu analysieren.
Im KUBE-
Projekt „Pro-Bench-Reg"
haben wir die–
se Art der Produktivitätsanalyse
auf
das Benchmarking
von
Unternehmen
übertragen.
In diesem Beitrag
zeigen
wir die konzeptionelle
Vorgehens weise
und praktische
Anwendungsbeispiele
aus der
Automobilindustrie.
1. Relevanz des Wachstums für die
Produktivität
Schon der Managementgelehrte Gälweiler
stellte die zentrale Bedeutung des Wachs–
tums von Unternehmen heraus: |e höher
das Wachstum, desto größer werden die
Unternehmen und desto mächtiger ihr
Management, je höher das Wachstum,
desto eher stellen sich
economi e s of scale
und Fixkostendegressionen ein, die im
Kosten- und Preiswettbewerb eine güns–
tige Ausgangsposition schaffen. Auch die
bekannten
PIMS-Studien
untermauern
immer wieder die zentrale
Bedeutung de s
Wachstums für die Profitabilität von Un–
ternehmen.
Umgekehrt zeigt sich, dass
niedrige Wachstumsraten, Stagnat ion
oder gar Schrumpfung des Geschäfts–
volumens in Produktivitätsrückschritten,
Gewi nne i nbrüchen und Ver lusten
münden.
Auch Volkswirtschaft ler weisen regel–
mäßig darauf hin,
da s s di e Produktivi–
tätsfortschritte einer Volkswirtschaft
v om Wi r t schaf t swachs tum abhäng i g
sind.
Sehr intensiv und systematisch hat
sich mi t dieser Beziehung schon der Öko–
nom Verdoorn auseinander gesetzt. Über
einen längeren Zeitraum (1870 bis 1930)
stellt er die Existenz einer konstanten
Beziehung zwischen dem Wachstum der
Arbei tsprodukt ivi tät und dem Volumen
der industriel len Produkt ion (gemessen
am Bruttoinlandsprodukt) fest. Eine mög–
liche Schreibweise des im Gesetz von
Verdoorn formul ierten Zusammenhangs
bi ldet die Formel
Produkt ivi tätsveränderung = a + b '
Wachstumsrate der Wirtschaftsleistung.
Damit ist eine einfache Geradengleichung
(y = a -I- b^x) mi t der Konstanten a und
dem Steigungsmaß b gegeben, a stellt
dabei eine autonome Wachstumsrate der
Produkt ivi tät dar, und b beschreibt so–
mi t den Produkt i v i tätsfor tschr i t t bei
Nul lwachstum bzw. stagnierender Wirt–
schaft. Die Konstante a wi rd auch als
so genannte
„Basisproduktivität"
be
zeichnet, die nicht auf das Wirtschafts–
wachstum, sondern auf andere Faktoren
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