C o n t r o l l e r m a g a z i n
6/99
„Ist die IT im Un t e r nehmen ein Teil des
Problems oder ist sie ein Teil der Lö–
sung? Muss eine Erneuerung der IT
e r f o l gen , we i l sie als kos t env e r u r –
sachender Erfolgsfaktor gilt oder ist es
gerade das
Einsparungspotent ial in
der
IT, das hel fen kann, Wet tbewerbsvor tei –
le für das Unternehmen zu real isieren?'"
Die IT ist ein Teil der Lösung - aber nur
dann, wenn es dem IVBetreiber gelingt,
die IV Kosten zu ermitteln und die IV-
Leistungen kostengerecht und transpa–
rent den IV-Benutzern anzubieten. Erst
dann ist der Benutzer in der Lage, den
Nutzen aus der Gegenüberstel lung von
Aufwand und Ertrag zu ermitteln. Ein
Instrument zu entwickeln, welches die
IV
-Kosten transparenter gestaltet und ihre
Ermittlung erleichtert, soll deshalb das
Ziel dieses Beitrags sein.
Zunächst wi r d daher ein Model l der
Leistungserstel lung der IV vorgestel l t
(Abb. 1) und eine Strukturierung ihrer
Produkte vorgenommen.
Dieses betriebswirtschaftliche Model l der
Informationsverarbeitung zählt zu den
Einsatzressourcen der Informationsver–
arbeitung neben den Daten die Anwen–
dungssysteme, die Informations- und
Kommunikationstechnologie, die Betrei–
ber und Benutzer der Informationsverar–
beitung (Human-Resource) und ihre ad–
äquate Organisat ion (dispositiver Fak–
tor) . ' Durch Kombination der Ressour–
cen, die als Faktoren des IV-Kombinations–
prozesses anzusehen sind, werden IV-
Leistungen erzeugt. Aus Unternehmens–
sicht ist der Kombinationsprozess der IV
als Nebenleistungserstel lungsprozess
anzusehen, es werden „Hilfsgüter" zur
Un t e r s t ü t z ung des p r imä r en Unter –
nehmenszwecks erstellt. Die erzeugten
Produkte gehen - mit anderen - Fakto–
ren in den primären Leistungserstellungs
prozess des Unternehmens ein. So unter–
stützt zum Beispiel eine Abfrage in ei–
nem Database-Market ing-System den
Vertrieb von Produkten.
Der dargestellte Prozess der Leistungser–
stellung kann als Grobgl iederung einer
Kostenarten-, Kostenstellen- und Kosten–
trägerrechnung verstanden werden.
Der
Bezug von Ressourcen (Daten, Tech–
nologie, Personal, Anwendungen) wi rd
in
der Kostenartenrechnung mengen- und
wertmäßig erfasst, der Transformations–
prozess gleicht strukturel l dem industri –
ellen Fertigungsprozess'" und mündet in
abzugebendem Ou t pu t , den Kosten–
trägern, der noch näher zu spezifizieren
sein wi rd. ' ' Entwicklungsleistungen kön–
nen dabei kostenrechnerisch zu aktivier–
ten
Eigenleistungen führen' ^
Im Rahmen dieses Beitrags wi rd ein
Kon–
zept vorgestellt, das es ermögl icht,
die
Kosten im Cl ient -ServerUmfeld weitge–
hend verursachungsgerecht auf die
Be–
nutzer zu ver rechnen'^ Basis dafür
ist
ein ITProduktkatalog, der insbesondere
auf die Bedürfnisse von Dienstleistungs–
unternehmen ausgerichtet ist. Das Mo
dell lehnt sich dabei an den
TCO-Ansat z
(Total Cost Of Owne r sh i p Ansatz) der
Gar tnerGroup an .
Vgl . CM N r 1 /99.
INPUT
PROCESS
OUTPUT
H
Daten
-W
Anwendungen
Technologie
Personal
Informations–
verart)eitungs-
prozess
Entwicklungs-Leistungen
Produktions-Leistungen
Support-Leistungen
Kostenarten–
rechnung
Kostenstel len–
rechnung
Kostenträger –
rechnung
Abb. 3.1.1: Modell der Leistungserstellurig
der IV *
Der
gesamte
IV
-Bereich kann dami t als
Prof i tcenter geführ t we r den ,
was eine
erhöhte Transparenz für Betreiber und
Benutzer bedingt. Beide gewinnen eine
Übersicht über das IV-Leistungsangebot,
welches im ITProduktkatalog in verschie–
dene Module unterteilt und standardi–
siert wi rd. Vergleiche mit externen Anbie–
tern und qualifizierte Outsourcing-Ent-
scheidungen gehen einher mit einem
besseren Kostenbewusstsein auf der
Anbieterseite. Damit wi rd auch das Ver–
hältnis zwi schen Kosten und Nut zen
transparenter, und es lassen sich Spar–
potentiale in der IT erschließen - ohne
dabei den Nutzen wesentl ich zu schmä–
l e r n . Zen t r a l es I n s t r umen t der IV-
Leistungsverrechnung ist der ITProdukt –
katalog, dessen Entstehung und Struk–
tur im folgenden vorgestellt wi rd. Er bil–
det, wie in Abbi ldung 3.1.2 dargestellt,
das Bindeglied zwischen IVBetreiber- und
IV-Benutzer-Organisation.
Für die Ermittlung der Produkte eines IT-
Produktkataloges bieten sich folgende
Erhebungsmethoden an:
• Umfrage bei den Benutzern
• Bestandsaufnahme der Betreiber
• Markt- und Konkurrenzanalysen.
Für den praktischen Fall wurde eine Kom–
b i na t i on al ler du r chge f üh r t . Der IT–
Produktkatalog ist in die in der Abbi l –
dung 3.1.3 dargestellten Produktgruppen
„Hardware-Systeme" , „Software-Syste–
me" und „Support" unterteilt. Die aufge–
führten Produkte stellen dabei einen
Realitätsausschnitt dar
In der Gruppe Hardware-Systeme wer–
den alle ITProdukte zusammengefasst,
welche für den technischen Aufbau des
I V -Arbe i t sp l at zes eines IV-Benut zers
notwendig sind. Darunter fallen die IT-
Produkte Desktop Computer , Work–
station, Notebook, LAN-Anschluss und
Zubehör wie Bi ldschirm, Tastatur, Maus
oder Drucker
Da diese ITProdukte die Grundlage für
jeden IV-Arbeitsplatz bi lden, werden sie
im folgenden auch ITBasisprodukte ge–
nannt . Je nach Komplexität der IV-An-
wendungen we r den an die IT-Basis–
produkte verschieden hohe Ansprüche
gestellt. Es ist daher notwendig, dass die
ITBas i sprodukte entsprechend ihrem
Leistungspotential in verschiedene Kate–
gorien (B1 bis B4) unterteilt werden. Als
Sof tware-Systeme
bezeichnet man alle
487