Seite 63 - 1999-06

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4 ZUSAMMENFASSUNG
AUSBLICK
UND
Waci istumsunternel imen agieren in ei–
nem außergewöhnlichen Umfeld, welches
durch eine hohe Dynamik geprägt ist.
Neue Technologien, gepaart mit sich än–
dernden Marktstrukturen und Kunden–
bedürfnissen, eröffnen große Wachstums–
chancen. Ein intensiver Wettbewerb im–
pliziert aber gleichzeitig ein besonderes
unternehmerisches Risiko. Die Betrach–
tung eines solchen Unternehmenstypus
verlangt eine besondere Informations–
transparenz, um ein aussagekräftiges
Unternehmensbi ld zu erlangen und eine
marktgerechte Bewertung der Ertrags–
situation gewährleisten zu können.
Die künftigen Unternehmenserfolge sind
bei den in der Praxis angewand t en
Bewer tungsver fahren zent rale Input -
parameter Im Rahmen der externen
Ak t i e n a n a l y s e
s i nd
die
im
Jahresabschluss publ izierten Daten zu –
meist die einzigen zugängl ichen Infor–
ma t i o n e n .
Die
a n g ewa n d t e n
Rechnungslegungsvorschriften müssen
daher den Spezifika von Wachstums–
unternehmen tragen, um sinnvol le Be–
wer tungsmaßstäbe anlegen zu können.
Der konzeptionelle Rechnungslegungs–
zweck verleiht den nach lAS aufgestell–
ten lahresabschlüssen aus Investoren–
sicht eine höhere Qual ität als jene, die
handelsrechtl iche Vorschriften befolgen.
Durch den Rückgriff auf die Definition
eines
d y n am i s c h e n
Ve rmögen s –
gegenstandsbegriffs wi rd eine für die
Akt ienanal yse uner läßl iche zukunf ts-
bezogene Komponente integriert. Dane–
ben unterstützt das accrual principle
aufgrund derstrengen Periodisierung der
Erträge und Aufwendungen das Abschät–
zen des Ertragspotentials.
Diese Aspekte spielen insbesondere bei
Unternehmen am Neuen Markt eine wich–
tige Rolle. Ein schnellebiges Umfeld erfor–
dert die Akt ivierung von Aufwendungen
mi t I nves t i t i onscharakter sowi e die
verursachungsgerechte Zuordnung von
Erträgen, um bei der Bewertung dem
speziellen Geschäftsprofil dieser Unter–
nehmen gerecht zu werden. Die Beispiele
der Behandlung der F&E-Aufwendungen
sowi e der l ang f r i s t i gen Fer t i gungs –
aufträge zeigen, dass die lAS den Ge–
schäf tsver lauf von Wachs tumsunter –
nehmen adäquat abbi lden.
Gleichzeitig tragen lAS-Abschlüsse auf–
grund der erweiterten Publikationsan–
forderungen und -Usancen der von Inve–
storen und Finanzanalysten geforderten
Informationsfunktion von Bilanzierungs–
normen Rechnung. Umfangreiche Zusatz–
daten bis hin zur Veröffentlichung von
Plandaten über Umsatz- und Marktanteils–
entwicklung geben dem Analysten die
Mögl ichkeit, zuverlässigere Prognosen
über künftige Ertragslagen abzugeben.
Schließlich machen unterschiedliche Vor–
schriften in der Rechnungslegung in Euro–
pa eine Gegenüberstellung von Wachst–
un s un t e r nehmen
unmög l i c h
und
fragmentieren so den europäischen Akti –
enmarkt. Die lAS führen die unterteilten
Märkte wieder zusammen und erhöhen
V. a. dort die Vergleichbarkeit, wo bisher
keine umfangreichen Analyseberichte und
zusätzl iches Research-Material vorhan–
den waren. Die Harmonisierung der Rech–
nungslegung durch lAS scheinen hier eine
unmittelbare Voraussetzung zu sein, um
im Zuge relativer Bewertungsverfahren
branchenweite zwischenbetriebliche Ver–
gleiche durchführen zu können.
Auch dem deutschen Gesetzgeber wer–
den z u n e hme n d die Vo r t e i l e v o n
Rechnungslegungsnormen mit dem Ziel
einer fair presentation bewusst . Mi t In–
krafttreten des KonTVaG im Mai 1998 ist
mittlerweile die Darstellung einer Kapi–
tal f lussrechnung und einer Segment–
ber i chterstat tung für börsennot i er te
Mut terunternehmen ebenfalls verpfl ich–
tend. Dies ist ein erster Schritt in Rich–
tung einer kapitalmarktorientierten Rech–
nungslegung. Hier zeigt sich ein offen–
sichtlich positiver Einfluss internationa–
ler Harmonisierungsbestrebungen inner–
halb der Rechnungslegung. Es wäre wün –
schenswert, wenn künftigen Bemühun–
gen, die deutschen Gesetzesnormen den
Kapitalmarktanforderungen anzupassen,
sich nicht nur auf Einzelpositionen bezie–
hen, sondern in einem wohlüber legten
Gesamtnexus stehen. Die Gründung ei–
nes Deutschen Rechnungslegungs-Stan-
dards-Committee e. V (DRSC) nährt die
Hoffnung, dass diesem Anl iegen Rech–
nung getragen wi rd.
5 LITERATURVERZEICHNIS
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D i p l . - A r be i t E UROP E AN BUS INESS
SCHOOL, Oestrich-Winkel 1999
FUSSNOTEN
'
Zwar haben auch die DAX-Unterneh-
men die Chancen international ausge–
richteter Jahresabschlüsse entdeckt, auf–
grund der mangelnden Anerkennung der
lAS durch die lOSCO eröffnen bisher aber
nur die US-GAAP den Zugang zum bedeu–
tenden US amerikanischen Kapitalmarkt.
Aus diesem Grund bevorzugt diese Unler –
nehmensgruppe eine Rechnungslegung
nach US-GAAP gegenüber einer Anwen–
dung der lAS.
^ Im Rahmen einer Diplomarbeit wur –
den
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Resea r chbe r i ch t e
übe r
Wachstumsunternehmen ausführlich auf
ihren Inhalt und die unterschiedl ichen
Bewertungsmethoden untersucht . Vgl .
Siemes (1999), S. LIX
^ Achleitner (1999), S. 167ff
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