Controller
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sclion erwähnten Kalkulation einer
Bruttoprämie.
Um die Prozeßkosten auf die einzelnen
Risiken zu bringen, bedarf es noch einer
Vorstellung davon, wieviel Einheiten an
SOPs ein bestimmtes zu kalkulieren–
des Risiko in Anspruch nimmt. Man
spricht im Rahmen der Prozeßkosten–
rechnung auch vom Prozeßkoeffizient.
Formal ausgedrückt stellt sichder Prozeß–
koeffizient (PKO) dar als:
PKO = Anzahl SOP/Losgröße,
wobei hier unter Losgröße die Anzahl
der Risiken verstanden wird. Nimmt man
die formale Definition des Prozeßkosten-
satzes (PKS) mit
PKS = Prozeßkosten/Anzahl SOP
noch hinzu, so ergeben sich durch die
Multiplikation von PKS mit PKO die Pro–
zeßkosten pro Einheit Losgröße, also pro
zu kalkulierendem Risiko.
Also: Prozeßkosten je Einzelrisiko =
PKS * PKO
Damit hätte man es geschafft, Struktur–
kosten jetzt mi t te l s einer dem
Inanspruchnahmeprinzip genügenden
Zuordnung auf das zu kalkulierende
Produkt zu bringen. Diese Struktur–
kosten sind jetzt vom Risiko sozusagen
in Anspruch genommen worden und
werden ihm deswegen dann auch so zu–
gewiesen.
Als Beispiel sei der oben schon ange–
sprochene Beratungsprozeß zur sehr be–
ratungsintensiven Krankheitskosten–
versicherung in einer Istkosten–
betrachtung hergenommen:
Nachdem man dem unternehmenswei–
ten Beratungsprozeß zur Krankheits–
kostenversicherung die Kosten zugewie–
sen hat und durch die beobachtete An–
zahl von Kundenkontakten (SOP) dividiert,
erhält man den Prozeßkostensatz, sprich
die Prozeßkosten je Kundenkontakt.
Zur Ermittlung des Prozeßkoeffizienten
muß der Versicherer jetzt eine Vorstel–
lung davon entwickeln, wieviele Kunden–
kontakte (SOP) es im Schnitt braucht, um
eine Krankheitskostenversicherung ab–
zuschließen. Dazu benötigt man aussa–
gekräftige Aufschreibungen der Außen–
dienstmitarbeiter, um gute statistische
Schätzungen abgeben zu können.
Branchenweit geht man aktuell von un–
gefähr acht Kontakten aus, die nötig sind.
um eine Krankheitskostenversicherung
unter „Dach und Fach" zu bringen.'^
Natüriich funktioniert die Bestimmung
eines Prozeßkoeffizienten nur dann,
wenn man einen nachvollziehbaren Zu–
sammenhang zwischen der Anzahl an
SOPs und den Einzelrisiken für den be–
trachteten Prozeß angeben kann.
Das ist umso leichter möglich, je näher
der betrachtete Prozeß selbst am „Pro–
dukt dran ist". So muß man für den Pro–
zeß der Schadenbearbeitung angeben
können, wieviel Schadenabwicklungen
im Schnitt auf ein Risiko anfallen. Genau–
so ist für einen Prozeß Antrags–
bearbeitung festzustellen, wieviel von
den hereinkommenden Anträgen akzep–
tiert werden und also zu übernomme–
nen Risiken werden etc.
Esmuß auch klar sein, daß es für Prozes–
se, die keinen unmittelbaren Produkt–
bezug haben, schwierig bis unmöglich
ist, einen Prozeßkoeffizienten anzugeben.
Man denke nur an die Prozesse, die in der
Personalabteilung ablaufen oder in der
Kantine. Betrachtet man die Personal–
einstellung als einen Prozeß, so kann
man nicht guten Gewissens sagen, wie–
viele Einstellungen an Mitarbeitern es
braucht, um eine Krankheitskosten–
versicherung abzusetzen oder wieviel
Essen die Kantine produziert pro abge–
setzter Police.
Diese Teile der Strukturkosten müssen
auch weiterhin im Umlageverfahren auf
die Risiken verteilt werden. Die Struktur–
kostenteile jedoch, welche über den loh–
nenden Umweg der Prozeßkosten–
rechnung auf die Risiken verteilt werden
können, sollten auch so verteilt werden.
Der Nutzen des Prozedere sind Prämien,
die inanspruchnahmegerechter und in–
sofern besser begründbar kalkuliert sind.
Fußnoten
' Farny, Dieter; Versicherungsbetriebs–
lehre, Karlsmhe 1989, S. 34
^ Albrecht, Peter; Gesetze der großen
Zahlen und Ausgleich im Kollektiv - Be–
merkungen zu den Grundlagen der
Versicherungsproduktion. In: Zeitschrift
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wissenschaft (ZversWiss), 71 . Bd (1982),
S. 501 ff.
' Deyhle, Albrecht; Controller Magazin
6 / 86 , S. 320
" Wiesehahn, Andreas; Ausgestaltung
der Prozeßkostenrechnung im Versiche–
rungsunternehmen, in: Versicherungs–
wirtschaft Heft 23 , 1996 , S.
1
559
' Mit wachsendem Bestand an Risiken
im Bestand wird aufgrund des Gesetzes
der großen Zahlen der beobachtete Kopf–
schaden ein immer besserer Schätzer für
den Schadenerwartungswert des Risikos.
Vgl. dazu Albrecht, Peter; Gesetze der
großen Zahlen und Ausgleich im Kollek–
tiv - Bemerkungen zu den Grundlagen
der Versicherungsproduktion. In: Zeit–
schrift für die gesamte Versicherungs–
wissenschaft (ZversWiss), 71 . Bd. (1982),
S. 506.
' Verordnung über die versicherungs–
mathematischen Methoden zur Prämien–
kalkulation und zur Berechnung der
Alterungsrückstellung in der privaten
Krankenversicherung vom 18 . 11 . 1996
in: Bundesgesetzblatt Jahrgang 1996
Teil I Nr. 61 § 8.
' Durch die im Alter infolge des medizi–
nischen Fortschritts steigenden Prämien
wurden mit diesem Verfahren vor allem
die älteren Versicherungsnehmer sehr
stark belastet.
' Osteloh/Frost; Prozeßmanagement
als Kernkompetenz, Wiesbaden 1996,
S. 31
' Coenenberg,
A. /Fischer ,
T.;
Prozeßkostenrechnung - Strategische
Neuorientierung in der Kostenrechnung;
in: Die Betriebswirtschaft (DBW); 1991,
Heft 51 , S. 21 ff.
Remer, Detlef; Einführen der
Prozeßkostenrechnung; Stuttgart 1997,
S. 92 ff.
" Deyhle, Albrecht; Controller Hand–
buch, Wörthsee 1996, Bd. 14, S. 130ff.
Cooper, Robin;Activity-BasedCosting
- Was ist ein Activity-Based Cost-System?
In: Kostenrechnungspraxis (krp) 4 / 90 ,
S. 213
" Unter Kontakten werden dabei so–
wohl Kundenbesuch als auch telefoni–
sche Kontakte verstanden.
•
Zuordnung CM-Themen-Tableau
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34
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V
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