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Controller magazin
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BIONIK ALS AUSWEG
AUSDER
WEHBEWERBS-
ZWICKMÜHLE
von Prof. Dr. Elmar
Mayer,
Bensberg
Prof. Dr. Elmar Mayer (re.) mit Dorothee Deyhle-Hoffmann (Fa. Deyhle design) ur)d
Dr Albrecht Deyhle 1998 beim Tag der offenen Tür im „Controller-Schulhaus" in
Wörthsee-Etterschlag
Den Wettlauf der Evolution überlebt bei
Pflanzen, Tieren und Menschen nur, wer
schneller, höher, weiter springen, laufen
oder fliegen kann als seine Mitbewerber.
Die Natur findet letztlich immer die
beste aller Problemlösungen:
Sie sind
optimal angepaßt, recyclebar und oben–
drein harmonisch und schön.
Die Natur
ist ein Konstruktionsbüro,
das seit [ahr-
millionen Ideen entwickelt, die sich stän–
dig in unendlichen Testreihen bewähren.
Sie bieten gleichzeitig Wissenschaftlern
aller Disziplinen Überlebens-Lektionen für
den Umweltschutz auf unserem Plane–
ten, denn Abfälle in der Natur zerfallen
zu Nährstoffen, werden kein Sondermüll.
Bionik als Kunstwort
Der Terminus Bionik, entstanden aus der
Wortkombination Biologie und Elektro–
nik, ist ein Kunstwort. Durch die Orientie–
rung an Funktionen, Strukturen und
Organisationsprinzipien von Organismen
bzw. ihren Systemen - entwickelt in ei–
ner lahrmilliarden dauernden Evolution
- lassen sich Anregungen für die Erfor–
schung und Entwicklung von techni–
schen Systemen gewinnen.
Die VDI-Definition bezeichnet Bionik als
Wissenschaftsdisziplin, die sich systema–
tisch mit der technischen Umsetzung und
Anwendung von Konstruktionen, Verfah–
ren und Entwicklungsprinzipien biologi–
scher Systeme befaßt.
Werner Nachtigall, Direktor des Zoologi–
schen Instituts der Universität des Saar–
landes, definiert: Bionik bedeutet Lernen
von der Natur als Anregung für eigen–
ständiges technisches Gestalten. Als
Fundgrube für hjnktionelle Formen gilt
die Mikromorphologie. Mit Hilfe eines
Rastermikroskops ist es möglich, „Biolo–
gische Werkzeuge" mit technischen
Werkzeugen zu vergleichen, um sie zu
optimieren.
System der Bionik-Denkansätze
4« Aus der Flügelklemmung der Land–
wanze wurde ein Besenhalter ent–
wickelt.
•fr Abgeleitet von Insektenflügeln wur–
de die Biegesteifigkeit bei Wellpap–
pen verbessert.
4« Abgeleitet vom Gelbbrandkäfer wur–
den Seifenhalter mit Saugnäpfen ver–
sehen.
4" Vom Bein des Stützkäfers wurde der
Einklappmechanismus für Taschen–
messer übernommen.
4» Der Legeholzbohrer der Riesenholz-
wespe diente der Bohrraspel als Vor–
bild.
4" Der Fühlerputzapparat des Hand–
käfers diente der Rundbürste für Ring–
nuten als Vorbild.
Grundprinzipien der Evolution
Werkzeuge der Natur formen sich über
„Versuchs-Irrtums-Felder"
der Evolution
durch kontinuierliche Verbesserungspro–
zesse (vgl. dazu KVP im KAIZEN-Konzep-
te),
d. h. Mutationen = zufällige kleine
Veränderungen und Selektionen = Fol–
gen von Umwelteinflüssen.
Wer sich an
die Änderungen von Umwelteinflüs–
sen rechtzeitig anpassen kann, über–
lebt.
Diese Aussage gilt gleichermaßen
für
Sach- und Dienstleister in der Wirt–
schaftswirklichkeit, vgl. dazu die Ausfüh–
rungen zur Globalisierungs- und Wohl–
standsfalle.
Das Institut für „Technische Biologie und
Bionik" in Saarbrücken hat einen Anfor–
derungskatalog mit zehn Prinzipien für
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