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Controller magazin 1/99
„CONTROLLING AT HOME"
Modell zur persönlichen Jahresplanung
von GuyGiacobino, Lüdenschieid
GuyGiacobino. 48. Franzose. Diplom-Wirtschafts–
wissenschaftler, ist im Controlling der Tochter–
gesellschaft eines großen nord-amerikanischen
Konzems für „business planning and reporting"
verantwortlich. Der nachfolgende Artikel stützt
sich auf die langjährige Entwicklung eines Con–
trolling-Systems fürdie private Haushaltsfühnjng
Es gibt hierzulande erstaunlich viele pri–
vate Haushalte, die ihre Einnahmen und
Ausgaben schriftlich festhalten. Unsere
Testfamilie wollte diesen traditionellen
„Zahlenfriedhof" mit Hilfe der modernen
Betriebswirtschaft zu einem transparen–
ten und aussagefähigen System ausbau–
en, wobei der Plan-lst-Vergleich das Kern–
stück bildet.
Simulationsmodell
Der erste Schritt gilt der Planung der
Einnahmen und Ausgaben. Dabei soll
nicht einfach aufgelistet werden. Es sol–
len vielmehr verschiedene Alternativen
zur Verwendung der begrenzten Finanz–
mittel veranschaulicht werden, damit die
zukünftigen Ausgaben optimal eingeteilt
werden können.
Im oberen Teil der Budget-Tabelle (Tab.
Nr. 1) werden die Netto-Einnahmen ein–
getragen. Als nächstes folgen die Ausga–
ben. Die Zeilen „Haus", „Mietwohnung"
und „Fixkosten-Konto" entsprechen der
Summe einer vorgelagerten Tabelle mit
einem entsprechend höheren De–
taillierungsgrad (Vgl. Tab. Nr. 2, 3 -
H
4).
Das Fixkosten-Konto faßt alle Kosten wie
Versicherungen, Abschlagszahlungen für
Gas, Wasser, Strom zusammen und hat
auch einen Rückstellungscharakter. Es
wird jeden Monat ein fester Betrag vom
Gehaltskonto auf das Fixkostenkonto
überwiesen, das sich sozusagen selbstän–
dig verwaltet und auf dem ausreichend
Deckung für die Abbuchung all dieser
Fixkosten (per Abbuchungsauftag) das
ganze |ahr hindurch vorhanden seinmuß.
Die Höhe dieser Überweisung richtet sich
nach der monatlichen Summe aller Fix–
kosten, die sich im Jahresdurchschnitt
ergeben.
Dem jeweils aufgelaufenen Ergebnis ei–
nes
Monats wird der Übertrag des Vor–
jahres hinzugerechnet (vgl. Tab. Nr. 1).
So entsteht der aktuelle Liquiditätsstand
auf
dem Gehaltskonto. Es ist dann abzu–
sehen, wann die Überweisung eines Über–
schusses auf ein Spar- oder Festgeldkonto
möglich
ist
oder ein Liquiditätsengpaß
(„Gehaltskonto-Sanierung") behoben
werden muß.
Parallel zu diesem ersten DM-Buchungs–
kreis gibt es die Möglichkeit, auf einem
sogenannten Devisen-Buchungskreis
(mit DM-Bewertung)
Buchungen in
Fremdwährungen und in Euro
zu voll
ziehen. Transfers zwischen
beiden
Buchungskreisen sind möglich. Die Sum–
me von „DM" und „Devisen" ergibt das
„Total-Netto-Vermögen".
letzt kann jede erdenkliche Alternative
für das jahresbudget per Knopfdruck er–
rechnet werden und ein eventueller Eng–
paß wird rechtzeitig erkannt.
Von nun an kann auch der Plan-Ist-Ver–
gleich hinktionieren. Mit Hilfe einer ver–
einfachten doppelten Buchführung wer–
den die Bilanzkonten (Bank, Kasse, usw. /
vgl. Tab. Nr. 5) durch Eingabe der einzel–
nen Einnahme- und Ausgabenposten fort–
geschrieben. Unter Angabe einer Ken–
nung für die gewünschte Kostenart wird
parallel der Aufwand unter der entspre–
chenden Rubrik der GuV . gebucht (vgl.
Tab. Nr. 6). Durch Verknüphjng der
Ta–
bellen münden dann sowohl die Plan- als
auch die Ist-Werte in die Planlst -
Vergleichstabelle (vgl. Tab. Nr. 7), die
anschließend druckreif vorliegt. Der Ar–
beitsaufwand beschränkt sich auf die
Eingabe der einzelnen Posten.
Orientierungshilfe
In jedem privaten Haushalt nehmen die
finanziellen Ereignisse oft einen ganz
anderen Lauf als geplant. Die Gefahr ist
groß, nach einiger Zeit den Überblick zu
verlieren und nicht mehr zu wissen, „wie
man steht"
Der Plan-lst-Vergleich er–
weist sich an dieser Stelle als nütz–
licher Begleiter.
Bei unserer Testfamilie ist per Ende März
98 eine Gesamt-Abweichung von
DM
7.384, - beim Total Netto-Vermögen ent–
standen. Mit einem Blick auf die aufge–
laufene Abweichungsspalte (Tab. Nr. 7)
ist die Ursache erkennbar: es handelt
sich um die erst für Dezember geplante
Anschaffung sowie um eine Anzahlung
für eine nicht geplante Ersatzanschaffung
eines Zweitwagens infolge eines Unfalls.
„Wie geht esweiter?"
Nach Eingabe aller korrigierten Planzah–
len errechnet „Controlling at home" (Tab.
Nr. 8) unter Berücksichtigung der aufge–
laufenen Ist-Zahlen amEnde eines jeden
Monats, wie sich das Gesamt-Iahreser-
gebnis gestalten wird.
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