54 wirtschaft + weiterbildung 02_2022 hot from outside Das Buch wendet sich an alle Menschen, die aus privaten oder beruflichen Gründen ein bestimmtes Verhalten ändern wollen (mehr bewegen, weniger essen, mehr loben ...). Der Verlag feiert die Autorin, eine „preisgekrönte“ Wharton-Professorin, als Ausnahmeerscheinung und betont, sie habe ihre ganze Karriere dem Studium der Verhaltensänderung gewidmet. Das „bahnbrechende Buch“, in das Milkman ihr ganzes Wissen über persönliche Veränderungen gepackt hat, ist für deutsche Trainer und Coachs eine gute Gelegenheit, in Ruhe zu überprüfen, ob sie auf dem Stand der Wharton-Uni sind. Wenn es um individuelle Verhaltensänderungen geht, dann hat Milkman folgende Hürden identifiziert, die überwunden werden müssen: • Man startet nicht mit einem Paukenschlag. • Man verhält sich zu impulsiv und unüberlegt. • Man leidet plötzlich unter Aufschieberities. • Man leidet unter Vergesslichkeit in Bezug auf Ziele oder schlicht unter Faulheit. • Es gibt eine Krise in Sachen Selbstvertrauen. • Man passt sich zu sehr an andere an. Am Beispiel des Themas Prokrastination (Aufschieberitis) seien hier beispielhaft einige Gegenmaßnahmen von Katy Milkman vorgestellt: • Man muss sich Zwänge („Commitment Devices“) schaffen, um sich zum Handeln zu motivieren. Wer mehr sparen will, spart gleich am Monatsanfang, indem er Geld auf ein Sperrkonto einzahlt. Geld gilt übrigens als hervorragendes „Verpflichtungsinstrument“. Am wirksamsten ist es, mit dem Verlust von Geld bestraft zu werden, wenn man ein bestimmtes Verhalten nicht gezeigt hat. • Öffentliche Ankündigungen, dass man etwas ändern wird, sind eine Form der „weichen“ Verpflichtung. Beim Scheitern entstehen nur „psychologische Kosten“. Sie sind aber laut Milkman trotzdem erstaunlich wirksam. • Bei „harten“ Verpflichtungen verliert man echtes Geld und muss im Fall des Scheiterns zum Beispiel Bargeld spenden. Kleinere, häufigere Verpflichtungen sind wirksamer als größere, weniger häufige, selbst wenn sie letztlich auf dieselbe Strafhöhe hinauslaufen. • Es ist sinnvoll, mit Voreinstellungen dafür zu sorgen, dass man das neue Verhalten automatisch übt. Wer effektiver arbeiten will, sollte beim Start seines Computers gleich mit dem Mail-Programm konfrontiert werden und nicht mit Facebook. Milkman: „Stellen Sie gutes Verhalten auf Autopilot.“ • Fazit: Je öfter man sich eine Belohnung gibt (sei es Eigenlob, Arbeitserleichterung, Freude oder bares Geld), desto gewohnheitsmäßiger und automatischer wird das neue Verhalten gezeigt. Das Buch nimmt noch keine Stellung dazu, wie sehr Apps bei einer Verhaltensänderung helfen können und welche Angebote schon auf dem Markt sind. Aber immerhin bestätigt Milkman zum Schluss, dass es beim Ändern eines Verhaltens auf genau das ankommt, was unsere Sportlehrer und -lehrerinnen schon sagten: „Üben, üben, üben!“ Persönlichkeitsentwicklung Was Veränderungen erleichtert Katy Milkman. How to Change. The Science of Getting from Where You Are to Where You Want to Be, Penguin Random House, New York 2021, 249 Seiten, 27,70 Euro Gudrun Porath Die freie Journalistin Gudrun Porath hat sich auf die zentralen Themen der Personalentwicklung und der Organisationsentwicklung spezialisiert. Sie ist E-LearningKolumnistin für www.haufe.de/personal und Mitglied des Programmbeirats „Corporate Digital Learning Experience“ der Messe „Zukunft Personal Europe“ in Köln. Außerdem schreibt sie regelmäßig für das „Personalmagazin“ und „Wirtschaft + Weiterbildung“. Man sollte Geld verlieren, wenn man ein bestimmtes Verhalten nicht zeigt. „ „
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