Wirtschaft und Weiterbildung 2/2022

wirtschaft + weiterbildung 02_2022 49 • Wie kommen wir mit diesen Personen oder Organisationen in Kontakt? • Wie vermitteln wir ihnen, dass sich der Besuch unseres Events für sie lohnt? • Wie sollte das (Rahmen-)Programm gestaltet sein, damit die Zielpersonen sich auf den Weg zu uns machen und zum Beispiel einen Tag bei uns verweilen? Bei diesen Vorüberlegungen gelangen Betriebe oft – ähnlich wie die Messegesellschaften, wenn es um das Promoten ihrer Kongresse geht – zur Erkenntnis: Wir brauchen einen Redner, der als Zugpferd für unsere Veranstaltung dient. Dies kann entweder ein Prominenter sein, den viele Angehörige der Zielgruppe einmal live erleben möchten, oder ein anerkannter Experte für ein Fachthema, das der Zielgruppe auf den Nägeln brennt. Seit Ausbruch der Coronapandemie waren aber auch Hausmessen und „Open Houses“ als Präsenzveranstaltungen zumeist nicht möglich. Deshalb verlagerten viele Unternehmen diese Events ins Netz. Dabei hegten sie laut Aussagen der Wiener Wirtschaftspsychologin Sabine Prohaska anfangs mangels Erfahrung oft die Illusion: Unsere in Präsenzveranstaltungen bewährten Formate entfalten ohne Design-Veränderungen auch online eine hohe Wirkung. Das ist selten der Fall, denn bei OnlineEvents ist zum Beispiel „die Aufmerksamkeitsspanne von Menschen viel geringer als bei den bisherigen Live-Events“, betont Prohaska. Spricht bei einem Online-Event zum Beispiel nur eine Person vor laufender Kamera, verlieren die Zuschauer meist schnell das Interesse. Das heißt: Sie verschwinden. Entsprechend wichtig ist es bei Online-Events, die (Kern-)Botschaften mit Bildern und Videos zu visualisieren. Zudem sollten in Vorträge interaktive Elemente wie Publikumsfragen per Chat oder Interviews integriert sein. Generell gilt es bei Online-Kongressen und -Tagungen die zentralen Botschaften in viel kürzerer Zeit rüberzubringen, betont Jens-Uwe Meyer. Zudem sollten Veranstalter statt auf solche „MonumentalEvents“ wie Tagesseminare auf Veranstaltungsreihen oder -serien setzen. „Selbst das öffentlich-rechtliche Fernsehen tut dies inzwischen, „als Reaktion auf den Erfolg der Serien ihrer Netflix- und Amazon-Konkurrenz.“ Diese dramaturgischen Anforderungen haben inzwischen viele Unternehmen verinnerlicht. Probleme bereitet es ihnen aber oft noch, Teilnehmer für ihre OnlineEvents zu gewinnen – und dies obwohl an ihnen theoretisch jeder Mensch weltweit teilnehmen könnte, sofern er über einen PC oder ein Tablet verfügt. Trotzdem fällt es vielen Unternehmen zunehmend schwer, Teilnehmer für OnlineEvents zu akquirieren, auch weil es inzwischen ein Überangebot hiervon gibt. Zudem verbringen viele Entscheider in den Unternehmen jobbedingt ohnehin einen großen Teil ihres Arbeitstags in und mit Videocalls Deshalb haben sie oft keine Lust mehr auf ein weiteres OnlineEvent. Viele Entscheider sind zunehmend „online-müde“ Entsprechend hoch ist bei Online-Events die sogenannte „No-Show-Rate“. Sie ist deutlich höher als bei Präsenzveranstaltungen. Das heißt, von den angemeldeten Personen nehmen letztlich viele nicht teil. Bei kostenlosen Kundenevents beträgt ihr Anteil nicht selten zwei Drittel – „auch weil dem Veranstalter aus Teilnehmersicht hierdurch kein finanzieller Schaden entsteht“, erklärt Peter Schreiber. Schließlich muss er für das Event keinen Raum anmieten und natürlich auch kein Buffet für das anschließende Come Together aufbauen. Gerade deshalb gilt es aber bei OnlineEvents aus Adressatensicht sogenannte Highlights zu schaffen und diese zu kommunizieren. Meyers Tipp, der selbst ein erfahrener Vortragsredner zu den Themen Innovation und Digitalisierung ist: „Definieren Sie Ihre Zielgruppe im Vorfeld sehr genau und sprechen Sie die potenziellen Teilnehmer abgestuft, mehrfach gezielt an, um ihre Neugier zu wecken. Steigern Sie ihr Interesse vor dem Event gezielt – auch über die Social Media. Und halten Sie auch nach der Anmeldung ihr Interesse zum Beispiel durch inhaltliche Appetithäppchen vorab hoch. Dann ist die No-Show-Rate niedriger.“ Generell gilt laut Sabine Prohaska im Online-Event- und -Learning-Bereich: Mit der modernen Informations- und Kommunikationstechnik lassen sich viele neue, spannende Veranstaltungsdesigns entwerfen. „Erfolgsentscheidend ist aber meist, wie so oft im Leben, das gewusst wie.“ Lukas Leist

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