wirtschaft + weiterbildung 02_2022 39 Knut Haanaes. Er ist Professor für Nachhaltigkeit am International Institute for Management Development (IMD). Bis 2016 arbeitete er als Senior Partner bei der Boston Consulting Group und gründete dort die BCG Global Sustainability Initiative. Am IMD unterrichtet er auch in den Executive-Education- Programmen. Und mit welcher Seite befassen sich die meisten Programme? Haanaes: Mit der strategischen Seite. Da geht es vor allem um das Verständnis von Klimawandel und seine Risiken. Programme auf der Leadership-Seite sind deutlich seltener. Am IMD stehen wir dafür, die beiden Seiten zu kombinieren. Unser neues Programm „Leading Sustainable Business Transformation“ tut genau das. Welche Kompetenzen braucht ein Manager, um die Nachhaltigkeitsziele zu implementieren? Haanaes: Sicher ist, dass sich nahezu alle Branchen von der Energie- über die Auto- bis zur Kleidungsindustrie erneuern müssen. Es geht nicht mehr nur darum, effizienter zu werden. Es geht auch darum, neue Geschäftsmodelle und Innovationen zu entwickeln. Die entscheidende Kompetenz ist es, diese beiden Dinge zu kombinieren. Das IMD hat sich gemeinsam mit sieben weiteren Topschulen zu der Initiative Business Schools for Climate Leadership zusammengeschlossen. Was steckt dahinter? Haanaes: Die Deans haben entschieden, dass wir in Sachen Klimawandel gemeinsam aktiv werden müssen. Angefangen haben wir mit einem Toolkit und einer Serie von Webinaren. Wir wollen eine Plattform entwickeln, um das vorhandene Wissen über den Klimawandel zu sammeln, zugänglich zu machen und zu verbreiten. Das wollen wir auch mit unseren Alumni tun. Aber da stehen wir noch am Anfang. Wer ist eigentlich in Sachen Nachhaltigkeit besser aufgestellt: die europäischen oder die amerikanischen Business Schools? Haanaes: Ich glaube, die europäischen Schulen sind hier die Vorreiter. Wir arbeiten schon länger an diesen Themen und einige Regierungen waren hier bereits sehr aktiv. Europa und vor allem Deutschland ist ein Industriestandort, an dem Nachhaltigkeit vor allem bei den Lieferketten viel schneller wichtig wurde als bei den Konsumgütern. Ein großes Problem ist das Green- washing. Heute behauptet fast jedes Unternehmen, nachhaltig zu sein. Aber wie oft stimmt das auch? Haanaes: Ich finde es sehr interessant, dass so viele Unternehmen glauben, sie müssten sich als „grün“ präsentieren. Das zeigt, wie wichtig das inzwischen ist. Einige Unternehmen behaupten, dass sie „grüner“ sind als sie es wirklich sind. Einige hoffen, dass sie es werden. Aber ich glaube, Greenwashing wird immer schwieriger, weil es mehr Transparenz gibt. Wer blufft, wird entlarvt. Gerade Investoren schauen heute genauer hin. Wie kann ich erkennen, dass es in einem Unternehmen einen echten Wandel gibt? Haanaes: Da sind wir wieder bei den Nachhaltigkeitsberichten. Je mehr das Reporting standardisiert wird, desto besser kann man erkennen, ob sich ein Unternehmen wirklich ändert oder nur darüber redet. Auch wenn das langweilig erscheint, das Reporting ist der effektivste Weg für Veränderungen. Und deshalb schauen auch die Investoren darauf, weil sie so den Unterschied zwischen der guten oder weniger guten Leistungsfähigkeit eines Unternehmens sehen und erkennen, wo es im Vergleich zu seinen Wettbewerbern steht. Und das sind schließlich die entscheidenden Fragen. Interview: Bärbel Schwertfeger Hintergrund: Das IMD kooperiert beim Thema „Nachhaltigkeit“ mit dem „World Business Council on Sustainable Development“ (WBCSD). Es wurde aktuell eine strategische Partnerschaft unterzeichnet. Beide Organisationen prüfen auch eine Zusammenarbeit, um die Reichweite der WBCSD-Vision zu vergrößern. Die Vision glaubt an eine Welt, in der bis 2050 mehr als neun Milliarden Menschen gute Lebensbedingungen vorfinden. Foto: IMD Business School
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