training und coaching 38 wirtschaft + weiterbildung 02_2022 Kann man sagen, dass die Studenten eine bedeutende Rolle gespielt haben, weil sie als von der Klimakrise direkt Betroffene mehr Nachhaltigkeit in den von ihnen besuchten MBA-Programmen sehen wollten? Haanaes: Dass die UN-Nachhaltigkeitsziele in den MBA-Programmen deutlich präsenter sind, liegt nicht nur an den Studenten, die eine Integration der Themen forderten, sondern auch an den Unternehmen, die die MBA-Absolventen schließlich einstellen. Die Unternehmen wollen einfach, dass ihre neuen Mitarbeiter fit beim Thema Nachhaltigkeit sind. Für die MBA-Absolventen ist es eine große Chance, ihre entsprechenden Kompetenzen im Unternehmen einzusetzen. Die 17 UN-Ziele sind sehr komplex. Schreckt das nicht viele ab? Auf was sollen sich die Business Schools denn fokussieren? Haanaes: Die UN-Ziele sind globale Ziele für die Welt. Für die Unternehmen geht es darum, die Ziele zu identifizieren, auf die sie Einfluss haben können. Das werden sicher nicht alle 17 sein. Wichtig ist es zu verstehen, wo ich als Unternehmen überhaupt etwas bewirken kann. Und dafür sind die UN-Ziele ein sehr nützlicher Rahmen, der auch die Basis für die erforderlichen Nachhaltigkeitsberichte ist. Und da wird es dann schon spezifischer. Wie performt ein Unternehmen bei den Indikatoren für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung? Wie verbessert es sich? Und wo steht es im Vergleich zu seinen Wettbewerbern? Das wiederum ist ein wichtiges Signal für Investoren und Partner. Laut einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft Heidrick & Struggles gelten finanzstarke und ertragsorientierte Investoren als die größten Treiber für Nachhaltigkeit ... Haanaes: Das überrascht mich nicht. Investoren sorgen sich tatsächlich um diese Themen. Das hat zwei Aspekte. Wenn sie wissen, dass ein Unternehmen seine Nachhaltigkeitsziele kontrolliert, bedeutet das, dass es auch die wesentlichen Risiken kennt. Und zweitens ist es ein guter Indikator, dass es vorausdenkt. Die Überprüfung der Ziele ist zudem ein guter Indikator, dass ein Unternehmen auch künftig seine Lieferketten sicherstellt. Das ist wichtig für Geschäftspartner, aber auch für Mitarbeiter und Kunden. Geht es vor allem darum, dass Manager die Risiken und Herausforderungen verstehen oder geht es auch um eine Veränderung des Mindsets? Haanaes: Beides. Auf der einen Seite gibt es die strategischen Herausforderungen. Warum müssen wir uns ändern und wie? Wie gehen wir die Transformation an? Wie gestalten wir unser Umfeld? Auf der anderen Seite haben wir die Anforderungen an die Führung. Wie kann ich die Mitarbeiter dazu bringen, sich anders zu verhalten und sich für die Nachhaltigkeitsziele zu engagieren. Wie treffen wir schwierige Entscheidungen? Am IMD bezeichnen wir die erste Seite als den „Kopf“ und die zweite Seite als das „Herz“. Umfragen zeigen, dass ein erheblicher Anteil der Manager und Vorstände nur wenig über die UN-Nachhaltigkeitsziele und den Klimawandel weiß. Trotzdem gibt es an den Business Schools bisher nur wenige Angebote dazu im Bereich der Executive Education. Warum? Prof. Dr. Knut Haanaes: Zum einen gewinnen die UN-Ziele und vor allem Nachhaltigkeit enorm an Bedeutung, weil die Menschen immer besorgter über den Klimawandel sind und es für Unternehmen daher notwendig ist, sich damit zu beschäftigen. Auf der anderen Seite wissen viele Unternehmen nicht genug darüber, wie sie damit umgehen sollen. Und bisher gibt es an den Business Schools in der Tat erst wenige Managementprogramme dazu. Aber die werden kommen. Viele Schulen – und ich weiß das, weil ich mit mehreren zusammenarbeite – entwickeln gerade solche Angebote. Ich sehe hier einen wichtigen Trend. Das wird ein ganz neues Kompetenzfeld, in dem Manager Fähigkeiten aufbauen müssen. Wie kommt es, dass bislang kaum etwas passierte? Haanaes: Ich bin seit mehr als 15 Jahren in dem Bereich tätig. Am Anfang ging es mehr um philosophische Fragen und die Verantwortung von Unternehmen allgemein. Aber in den vergangenen zwei bis drei Jahren ist es viel konkreter geworden und heute ist es ein Thema, mit dem sich Unternehmen beschäftigen müssen. Als Business School können wir es uns schlichtweg nicht leisten, keine Angebote dazu zu haben. „ Nachhaltigkeit ist ein neues Kompetenzfeld für Manager“ INTERVIEW. Managementprogramme zu den UN-Nachhaltigkeitszielen sind bisher noch rar an den Business Schools. Doch es werden mehr, zeigt sich Knut Haanaes, Professor für Nachhaltigkeit am International Institute for Management Development (IMD) in Lausanne, im Interview mit Bärbel Schwertfeger überzeugt. Haanaes forscht im Bereich Strategie, digitale Transformation und Nachhaltigkeit.
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