wirtschaft + weiterbildung 02_2022 37 themen, was natürlich auch weniger bedrohlich für die US-Unternehmen sei. Dass das Thema bisher nur wenig an den Business Schools vertreten sei, liege auch daran, dass es oftmals eher um einen praxisorientierten Ansatz für Praktiker gehe. „Da passiert relativ viel außerhalb der Business Schools“, beobachtet der Oxford-Professor. Aber darin liege auch eine Chance für die Schulen, zu einem Ort zu werden, an dem die Unternehmen voneinander lernen können. Das sei auch ein großer Vorteil des neuen „OxfordLeading-Sustainable-Corporations-Programmes“. Bei dem Onlinekurs sollen die Teilnehmer einmal von Nachhaltigkeitsexperten aus anderen Unternehmen, aber auch voneinander lernen. „Es gibt also zwei Formen des Corporate Learnings“, so Barker. In dem Kurs werden verschiedene Nachhaltigkeitsthemen behandelt und am Ende müssen die Teilnehmer einen individuellen Aktionsplan erarbeiten, was sie in ihrem Unternehmen umsetzen wollen. Im Unterschied zu anderen ChangeProjekten bedürfe es dazu jedoch meist einen systemischen Wandel. „Man kann nur das umsetzen, was auch ökonomisch für die eigenen Unternehmen Sinn macht“, so der Experte. Und dazu brauche man möglicherweise auch ein neues Geschäftsmodell, das über die Grenzen des eigenen Unternehmens hinausgeht. „Das ganze System, in dem ein Unternehmen agiert, ändert sich“, so der Professor. In dem Kurs sollen die Teilnehmer auch lernen, wie sie effektive KPIs formulieren, um die Wirkung der CO2-Bilanz ihrer Organisation zu messen und sie ihren Zielen anzupassen. Die KPIs seien ein „heißes Thema“, so Professor Barker. Dabei gehe es darum zu verstehen, was messbar ist und was nicht. So könne man zwar den CO2-Ausstoß relativ gut messen, anders sehe es aber beim Social Impact aus. Der sei subjektiv und nicht objektiv messbar. Dabei bewege man sich derzeit von einem freiwilligen zu einem verpflichtenden Nachhaltigkeits-Reporting und das sei auch entscheidend, um Unternehmen überhaupt vergleichen zu können. Derzeit würden vor allem zwei Standards diskutiert, einmal die der EU-Initiative und die des International Sustainability Boards im Rahmen der IFRS (International Financial Reporting Standards). Greenwashing durch hohe Standards einschränken Wie und ob die beiden zusammenarbeiten werden, sei noch offen. Verbindliche Standards dürften auch dabei helfen, das weit verbreitete Greenwashing einzudämmen, bei dem sich Unternehmen als nachhaltiger präsentieren als sie sind. Das sei zwar ein Problem, aber es sei ermutigend, dass die Unternehmen zunehmend verstehen, dass Nachhaltigkeit etwas anderes als Corporate Social Responsibility und Marketing sei. „Wer in seinem Kerngeschäft erfolgreich sein will, muss nachhaltig sein“, so Professor Barker. Das Oxford-Programm startete erstmals im September 2020. Teilnehmer waren vor allem Senior Manager, aber auch Berater und Investoren. Auch das im Herbst 2021 erstmals am International Institute for Management Development (IMD) in Lausanne gestartete Programm „Leading Sustainable Business Transformation“ stieß mit 30 Teilnehmern, darunter vor allem Senior Manager, auf gute Nachfrage. Dabei geht es sowohl um die strategischen Herausforderungen als auch um die notwendigen Führungskompetenzen. Das Programm besteht aus drei Modulen. Im Vorfeld müssen die Teilnehmer ihre persönliche NachhaltigkeitsChallenge herausfinden. Es folgt ein dreitägiges Live-Onlineprogramm, bei dem sie eine nachhaltige Vision entwickeln, indem sie Einblicke in vorbildliche Unternehmen bekommen und lernen, wie sie nachhaltige Geschäftsmodelle identifizieren können. Es folgen fünf Wochen selbst gesteuertes Onlinelernen. Hier geht es vor allem um die Leadership-Kompetenzen wie die effektive Vermittlung einer Vision und die Veränderung der Einstellungen im Topmanagement und bei den Mitarbeitern. Der letzte Teil besteht aus einem dreitägigen Präsenzseminar am IMD, in dem es um das Design für die konkrete Umsetzung und den Aufbau von Allianzen und Partnerschaften geht. Begleitet wird der gesamte Lernprozess von Einzel- und Gruppen-Coaching. Der erste Durchgang sei sehr erfolgreich gewesen, resümiert Knut Haanaes, Professor für Nachhaltigkeit und Leiter des Programms. Die meisten Teilnehmer seien echte Change Agents, die das Thema Nachhaltigkeit in ihren Unternehmen vorantreiben wollen. Und in diesem Sommer treffe man sich erneut am IMD, um über die Fortschritte zu diskutieren. An der Business School überlege man derzeit, weitere ESG-Programme für Senior Manager und Vorstände zu entwickeln. Für CEOs gebe es zudem die CEO Roundtables, wo man über die Themen diskutiere und auch Experten integriere. „Durch die Diskussionen spüren die CEOs den Druck, sich in punkto Nachhaltigkeit zu verbessern und erkennen, ob sie sich auch auf die richtigen Themen konzentrieren“, so Professor Haanaes. Unternehmen, die sich heute schon intensiv damit beschäftigen, brächten sich auch langfristig in eine bessere Position. Der ESG-Experte: „Der Druck, etwas gegen den Klimawandel und für die Umwelt zu tun und zudem soziale Verantwortung zu zeigen, verschwindet nicht wieder.“ Bärbel Schwertfeger Glasgow 2021. Die 26. UN-Klimakonferenz fand vergangenes Jahr in Glasgow statt. Umweltschützer warfen den Regierungen eine zu große Wirtschaftsnähe vor. Foto: Daniel Harvey Gonzalez / Kontributor / gettyimages.de
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