Wirtschaft und Weiterbildung 2/2022

R wirtschaft + weiterbildung 02_2022 35 komplex ESG an den Business Schools bisher eher dünn. „Es gibt eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem hohen Interesse und den angebotenen Programmen“, bestätigt Richard Barker, Deputy Dean and Professor für Accounting an der Saïd Business School der Oxford University. Das habe jedoch weniger mit der geringen Nachfrage zu tun, sondern damit, dass die ESG-Thematik eben kein klassisches Studienfach an den Business Schools sei. Deshalb sei es aufwändiger, ein gutes Nachhaltigkeitsprogramm zusammenzustellen. „Das erfordert eine Zusammenarbeit mit Experten aus anderen Fachbereichen wie zum Beispiel den Ingenieur- oder Rechtswissenschaften“, erklärt der Professor, der den Managementkurs „Oxford-Leading-Sustainable Corporations-Programme“ entwickelt hat. „Da muss man Wissenschaftler zusammenbringen, die sonst nicht automatisch kooperieren.“ Dabei profitiert eine Business School, die wie die Saïd Business School Teil einer Universität ist, naturgemäß von den anderen Fakultäten. „Wir haben Experten, die sich mit Arbeitsrecht oder mit dem Purpose von Unternehmen beschäftigen“, erklärt der Professor. Aber es gebe eben kein Forschungscluster, das sich mit Nachhaltigkeit beschäftigt. Deshalb dauere es eben länger, ein gutes ESGProgramm zusammenzustellen. Aber er sei davon überzeugt, dass es demnächst deutlich mehr Angebote geben werde. Business Schools, die nicht an eine Universität angebunden sind, gründen dabei oftmals eigene Institute für Nachhaltigkeit. So wurde am INSEAD bereits 2018 das Hoffmann Global Institute for Business and Society etabliert, das sich mit den UN-Nachhaltigkeitszielen beschäftigen soll. Ein Programm im Bereich Executive Education gibt es dazu jedoch bisher nicht. Der aktuellste Nachhaltigkeitsbericht auf der Website stammt aus dem akademischen Jahr 2019/2020. ESG-Komponenten seien in sieben Programmen integriert, schreibt die Business School, darunter in dem „Women Leadership Program“ und dem „INSEAD Gender Diversity Program“. Dabei wird der Kurs „Integrating Performance and Progress“ als eines der ersten Programme für Manager bezeichnet, dessen Kern die Moralphilosophie ist und das ihnen helfen soll, Moral in ihre Geschäftsmodelle zu integrieren. Einen Termin findet man auf der Website jedoch nicht. Die Thematik werde in vielen Programmen als Querschnittsthema aufgegriffen, wie etwa bei der Abbildung einzelner ESG-Elemente in Strategie, Accounting und Finance, heißt es bei der ESMT in Berlin. Eigene Programme dazu gibt es bisher nicht. Passend zur Klimakonferenz COP26 in Glasgow im November 2021 hat die Berliner Schule die Gründung eines neuen Nachhaltigkeitsinstituts bekannt gegeben. Das „FUTURIST Institute for Sustainable Transformation” soll die Entwicklung und Vermittlung innovativer Nachhaltigkeitslösungen vorantreiben und Unternehmen bei der Transformation unterstützen. Zu den Gründern gehören neben der ESMT die gemeinnützige Frankfurter Werte-Stiftung mit ihrer Innovationsplattform FUTURY. Das Institut wird durch die Initiativpartner Deutsche Bank, Deutsche Post DHL Group, Procter & Gamble und Schwarz-Gruppe ermöglicht und von BMW Group, Daimler und Deutsche Telekom unterstützt. Das neue Institut soll eine Plattform für den Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft bieten. Auch die ESCP Business School hat im vergangenen Sommer ein eigenes Department zum Thema Nachhaltigkeit eröffnet, um ihre Studierenden optimal auf die ökologischen, ökonomischen und sozialen Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten. Nachhaltigkeitsthemen werden an allen sechs Standorten in Berlin, London, Madrid, Paris, Turin und Warschau fächerübergreifend in Lehre und Forschung verankert und in die

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