personal- und organisationsentwicklung 30 wirtschaft + weiterbildung 02_2022 den werden müssen. Darauf aufbauend liegt die weitere Entwicklung darin, das Experimentieren, also das Lernen mit nicht fest vordefinierten Lernzielen, wertzuschätzen und entsprechende (Frei-) Räume dafür zu schaffen. Auf dieser Basis kann auf dem nächsten Ausprägungsgrad der Fokus auf die Gestaltung einer positiven Fehlerkultur gelegt werden, in der Fehler (auch im Arbeitsprozess) primär aus Sicht ihrer Lernpotenziale betrachtet statt mit Sanktionen belegt werden. Wertgeschätzt wird hier explizit nicht nur das Leistungsergebnis, sondern das, was auf dem Weg gelernt wurde. Zur Umsetzung eignen sich hier insbesondere Reflexionsrunden und Retrospektiven, die sozialen Austausch und auch informelles Lernen ermöglichen. Darauf aufbauend kann der Fokus auf die Etablierung einer gelebten Feedbackkultur gelegt werden, die Lernpotenziale und -chancen sichtbar macht und so neuen Raum zum Experimentieren eröffnet. Auf nächsthöherer Stufe kann eine lernförderliche Haltung und Wertschätzung des Lernens dadurch ausgebaut werden, dass aus Misserfolgen gewonnene Erkenntnisse so explizit gemacht werden, dass Fehler offen eingestanden werden und neu geschaffene Dialogräume dafür genutzt werden können, „von- und miteinander zu lernen“. Im betrieblichen Arbeitsalltag fest verankerte Experimentierräume ermöglichen auf dieser Stufe, dass auch innovative, ungewöhnliche Ideen eine Chance bekommen. Hier entsteht also Raum für neues Denken („Out of the Box“). Auf höchster Ausprägungsstufe liegt nach Ansicht der Befragten auch hier die Möglichkeit zur Weiterentwicklung primär darin, die in der Organisation bestehenden Beispiele für vorbildlich gelebten Umgang mit Lernpotenzialen bekannt zu machen und den Lernprozess als solchen explizit wertzuschätzen, um eine förderliche Haltung des Unternehmens zum Lernen zu manifestieren. Lernwertschätzung und -haltung weiterentwickeln Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass eine lernförderliche Haltung und die Wertschätzung von Lernen immer noch als Differenzierungsfaktoren fungieren. Sie geben der PE darüber hinaus praxisrelevante Hinweise darauf, welche Aspekte über welche Entwicklungsstufen hinweg gefördert werden können, um die Grundvoraussetzung für eine zukunftsfähige Personalentwicklung zu schaffen. Zusammenfassend lässt sich also festhalten: Zukunftsfähiges Lernen wird in den Unternehmen nur dann nachhaltig Fuß fassen können, wenn sich Lernwertschätzung und -haltung entsprechend weiterentwickeln. Denn die Haltung zum Lernen und Annahmen darüber, wie bei den Mitarbeitenden Lernen funktioniert, sind wesentliche Einflussfaktoren auf das Lernen. Je nach Ausprägung fungieren sie jedoch als Öl oder Sand für das organisationale Getriebe. Damit sie zum Öl werden, sollten sie im Einklang mit der Gestaltung lernförderlicher Rahmenbedingungen und einer lernförderlichen Führung über die in der Studie beschriebenen Ansatzpunkte und Entwicklungsstufen hinweg aktiv in Richtung einer zukunftsfähigen Lernkultur gefördert werden. Prof. Dr. Anja Schmitz, Prof. Dr. Nele Graf R Prof. Dr. Nele Graf ist Professorin für Personalmanagement an der Hochschule für angewandtes Management und Geschäftsführerin der Mentus GmbH. ng@mentus.de Prof. Dr. Anja Schmitz ist Professorin für HR -Managemen t an der Hochschule Pforzheim und Studiendekanin des Masterstudiengangs HR-Management. anja.schmitz@hs-pforzheim.de AUTORINNEN Von 1 auf 2 Von 2 auf 3 Von 3 auf 4 Von 4 auf 5 Von 5 auf 6 Nach 6 Grundhaltung zum Lernen in der Organisation Menschen wollen Wissen einsetzen Empfundene Sicherheit ermöglicht Lernen Vertrauen fördert Lernen Empowerment stärkt Lernen Lernfreiheiten werden verantwortungsvoll genutzt Haltung gesamt und ernsthaft leben Lern-Arbeits-Verständnis Relevanz erkennen und Vision formulieren Arbeiten = Lernen Lernen als Bestandteil von Veränderung Lernen als kontinuierliche Daueraufgabe auf allen Ebenen Lernen als Innovation Verständnis kontinuierlich kommunizieren Einstellung zu / Umgang mit Lernpotenzialen Aus Fehlern lernen ermöglichen Experimentierräume schaffen Positive Fehlerkultur fördern Feedbackkultur etablieren Dialogräume eröffnen Leuchttürme bekannt machen Lernen und Arbeiten: die sechs Entwicklungsstufen Überblick. Haltung und Wertschätzung des Lernens lassen sich in Organisationen auf drei Dimensionen schrittweise vorantreiben. Die Studienteilnehmenden haben konkrete Praxistipps geliefert, mit welchen Maßnahmen sich die jeweils nächst höhere Entwicklungsstufe erreichen lässt.
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