editorial wirtschaft + weiterbildung 02_2022 3 die Superhelden auf unserer Titelseite suchen nicht nach dem Sinn der Arbeit – sie verkörpern ihn: Sie setzen sich tagtäglich dafür ein, die Welt zu retten. Doch wer kann schon von sich behaupten, im Job an die Superkräfte dieser Comicfiguren heranzureichen? Klar, wir überzeichnen hier den Sinn der Arbeit mit unserem Bild. Doch genau diese Übertreibung ist es, die Kritiker und Kritikerinnen der Purpose-Debatte den Unternehmen vorwerfen – allen voran Ingo Hamm, Autor des Buchs „Sinnlos glücklich“. Der Wirtschaftspsychologe sieht im „Corporate Purpose“ gar einen Etikettenschwindel: Die Purpose-Claims auf den Unternehmenswebseiten dienten nicht dazu aufzuzeigen, wie Unternehmen die Welt gedenken zu retten. Vielmehr sei das echte Ziel, die Unternehmensattraktivität zu steigern und damit die raren Fachkräfte ins Unternehmen zu ziehen. Doch entscheidet sich ein Mensch tatsächlich für ein Unternehmen oder leisten Mitarbeitende noch mehr, wenn sie einem Purpose-Label folgen? Sie erahnen es: Hamm verneint diese Frage natürlich und er verneint auch insgesamt den Sinn der Sinn-Debatte. Trotzdem ist der Sinn bei der Arbeit ein Thema, das viele umtreibt. Allerdings ist es das subjektive Sinnempfinden das hier zählt. Jeder muss für sich selbst den Sinn seiner Tätigkeit definieren. Das hat dann meist viel mehr mit Selbstwirksamkeit als mit Welt retten zu tun. Nebenbei erwähnt: Im Editorial zu unserer Ausgabe mit dem Schwerpunkt „New Work“ habe ich – zugegebenerweise recht lapidar – bereits angedeutet, dass man den Menschen keinen Sinn bei der Arbeit vorschreiben kann. „Den können sie nur selbst für sich finden“, war meine These und es hat mich sehr gefreut, dazu positive Resonanz von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, zu erhalten. Mit unserer aktuellen Ausgabe zum Purpose im Job können wir an die vorangegangene New-Work-Debatte anknüpfen. Tun Sie dies auch gerne und schreiben uns Ihre Meinung zum Sinn und Unsinn der Arbeit. Liebe Leserinnen und Leser, Ich wünsche Ihnen eine bereichernde Lektüre! Kristina Enderle da Silva, Chefredakteurin
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