R wirtschaft + weiterbildung 02_2022 29 weiterentwickeln könnte. Insgesamt wurden über alle Miniszenarien hinweg zirka 2.500 Maßnahmen genannt. Die zur Weiterentwicklung empfohlenen Maßnahmen zum Miniszenario 7 wollen wir zu drei relevanten Themenfeldern verdichtet darstellen: Grundannahmen über das Lernen, mentale Modelle über das Verhältnis zwischen Lernen und Arbeiten sowie Einstellungen gegenüber vorhandenen Lernpotenzialen beziehungsweise dem Umgang mit Fehlern und der Möglichkeit zum Experimentieren. Grundannahmen über Lernen Prägendes Element einer positiven organisationalen Lernhaltung sind ihre grundlegenden Überzeugungen über das Lernen und die Lernenden. Am Anfang steht hier die Überzeugung, dass Menschen ihre vorhandenen Kompetenzen und ihr Wissen prinzipiell einsetzen wollen und nicht durch Druck dazu gezwungen werden müssen. Die nächste Entwicklungsstufe basiert auf der Idee, dass empfundene Sicherheit Lernen und Kreativität ermöglicht. Die nächsthöhere Entwicklungsstufe kann erreicht werden, wenn sich die Überzeugung entwickelt, dass Menschen dann lernen, wenn ihnen Vertrauen und damit verbundene Freiräume entgegengebracht werden. Vertrauen ersetzt Kontrolle. Der nächste Entwicklungsschritt liegt in der Entwicklung des Empowerments der Mitarbeitenden. Empowerment bedeutet dabei, dass Menschen das Gefühl haben, ihre Arbeit und ihr Lernen frei gestalten zu können und Einfluss auf Entscheidungen zu haben, sich als kompetent und ihre Arbeit und das Lernen selbst als sinnhaft erleben. Es gilt also, als Organisation Verantwortung wirklich abzugeben und loszulassen. Auf dieser Basis können sich Gestaltungsräume etablieren, in denen Lernende inhaltliche Lernfreiheiten so verantwortungsvoll nutzen, dass daraus nicht nur individueller, sondern auch organisationaler Nutzen entsteht. Auf höchster Entwicklungsstufe wurden keine inhaltlich neuen Überzeugungen benannt. Die Antworten der Befragten betonen jedoch, dass es auf dieser Stufe darum geht, die lernförderlichen Grundannahmen in der Organisation ganzheitlich und ernsthaft zu leben. Lern-Arbeits-Verständnis Die Einstellungen und das Verständnis einer Organisation darüber wie Lernen und Arbeiten zueinander in Bezug stehen, ist ein weiterer Aspekt, der Haltung und Wertschätzung von Lernen prägt. Hier zeigen die Antworten der Befragten, dass der erste Schritt darin liegt, die Relevanz dieses Themas und die Bedeutung von Haltung, Werten und Wertschätzung im Allgemeinen zu erkennen – beginnend im Top-Management – und eine entsprechende Idee für die Organisation zu entwerfen, wie dies erlebt werden kann. Auf dieser Basis kann im zweiten Schritt eine Veränderung des mentalen Modells zum Verhältnis zwischen Lernen und Arbeiten stattfinden. In den Worten eines Teilnehmenden: „Lernen wird zum Teil immer noch als unproduktive Zeit angesehen, und soll eher außerhalb der Arbeitszeit stattfinden. Hier braucht es ein Umdenken.“ Auf dieser Entwicklungsstufe reift das Verständnis, dass Lernen integraler Bestandteil des Arbeitens ist. Oder anders, in einer Art Formel, ausgedrückt: Lernen = Arbeiten = Lernen. Die Weiterentwicklung auf der nächsten Stufe liegt darin, dass Lernen für und in der Arbeit jetzt auch als zentrale Komponente organisationaler Veränderung verstanden wird. Dieses Verständnis muss auf der nächsten Stufe weiter ausgebaut werden: Hier liegt die Entwicklung darin, Lernen auf allen Ebenen der Organisation als kontinuierliche Daueraufgabe zu verstehen, das heißt eine möglichst hohe Durchdringung in der Organisation zu erreichen. Auf dieser Grundlage kann in der nächsthöheren Stufe Lernen als Basis für Innovation verstanden werden. Auf höchster Stufe wurden von den Teilnehmenden auch in dieser Dimension keine weiteren inhaltlichen Entwicklungsvorschläge aufgeführt, jedoch der Aspekt des durchgängigen Verständnisses der Bedeutung von arbeitsplatzintegriertem oder -nahem Lernen innerhalb der Organisation sowie im Netzwerk betont. Umgang mit Fehlern „Fehler bieten Lernpotenzial.“ So trivial der Satz auf Papier, so ausschlaggebend ist er für die Wertschätzung von Lernen und die Haltung zum Lernen. Die Antworten der Befragten zeigen, dass der erste Entwicklungsschritt darin liegt, Lernenden die Möglichkeit zu geben, aus Fehlern zu lernen, das heißt, die Überzeugung zu entwickeln, dass Fehler während des Lernprozesses nicht generell vermieMiniszenario 7 Mittelwert Minimum Maximum Fachposition in PE 3,8 1 6 Führungsposition in PE 3,5 1 6 Fachposition in anderem Bereich 3,8 1 6 Führungsposition in anderem Bereich 4,1 1 6 Haltung/Wertschätzung des Lernens Einschätzung des eigenen Ausprägungsgrads nach Position: (1 = trifft überhaupt nicht zu, 6 = trifft voll und ganz zu)
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