R wirtschaft + weiterbildung 02_2022 25 gleichermaßen zum Leben.“ Es gibt auch Tipps zur Persönlichkeitsentwicklung, etwa: „Sie könnten Ihre Ergebnisse noch steigern, wenn Sie sich etwas mehr anstrengen würden.“ Die Personen, die diesen Report lesen, haben den Eindruck, dass der Text ganz persönlich auf sie abgestimmt ist. Dabei treffen diese Aussagen auf alle Menschen zu, sodass man für solche Rückmeldungen keinen Fragebogen bearbeiten müsste. Typenansatz versus Eigenschaftenansatz Zum Einsatz kommen sollten nur Fragebogen zu Persönlichkeitsmodellen, die sich theoretisch und empirisch bewährt haben. Hinsichtlich der Beschreibung der Persönlichkeit unterscheidet man unter anderem den Typenansatz von dem Eigenschaftsansatz. Der Typenansatz zielt darauf ab, die Vielfalt der Persönlichkeit durch möglichst wenige (Proto-)Typen zu beschreiben. Typen können beispielsweise durch Extremgruppenbildung gewonnen werden. Sie stellen eine vereinfachte, eingängige Beschreibung von extremen Personen dar, die als typisch gelten. Eine einzelne Person wird einem von wenigen Typen, letztlich einem klischeehaften Bild, zugeordnet. Man sagt, „ah, Du bist so eine/einer“. Dabei werden interindividuelle Unterschiede zwischen Menschen nivelliert und es besteht ein hohes Stigmatisierungsrisiko. Zudem ist die Zuordnung zu einem Typ sehr fehleranfällig und über die Zeit nicht stabil. Bei der Beschreibung und Vorhersage menschlichen Verhaltens hat sich der typologische Ansatz bisher nicht ausreichend bewährt. In der gegenwärtigen wissenschaftlichen Persönlichkeitspsychologie spielt er – vor allem aufgrund von Problemen der Datenanalyse – kaum eine Rolle. Hier wird überwiegend der eigenschaftsorientierte Ansatz genutzt. Die Psychologie hat eine Anzahl von Basiseigenschaften identifiziert, mit denen Persönlichkeit in ihrer Struktur und Dynamik beschrieben werden kann. Auch Typen werden oftmals aufgrund von Eigenschaften gebildet; der Unterschied ist, dass im Eigenschaftsansatz von einer kontinuierlichen Normalverteilung jeder Eigenschaft ausgegangen wird und die Ausprägung einer Eigenschaft kaum von der Ausprägung einer anderen Eigenschaft abhängt. Persönlichkeitsmodelle, die auf dem Eigenschaftsansatz beruhen, wie das FFM oder das „Hexaco-Modell“, erlauben eine Einordnung einer Person im Eigenschaftsraum der Persönlichkeit. Jede Person kann auf jeder Eigenschaft eine niedrige oder hohe Ausprägung aufweisen. Auf diese Art und Weise können sehr viele unterschiedliche Profile gebildet werden. Als Analogie lassen sich die drei Grundfarben heranziehen. Wenn ein Tintenstrahldrucker diese drei Grundfarben besitzt, kann er durch Mischung die Vielfalt des gesamten Farbraums abbilden und muss sich nicht auf die Prototypen Gelb, Magenta und Cyan begrenzen. Persönlichkeitsfragebogen, die die diesem Ansatz folgen, nennt man Strukturtests. Oberflächenmerkmale von Persönlichkeitsfragebogen „Wir würden gerne einen Persönlichkeitsfragebogen einsetzen – haben Sie einen konkreten Tipp für uns?“ Der „Tipp“ muss an dieser Stelle lauten, zunächst zu klären, was man mit dem Fragebogeneinsatz erreichen will, beispielsweise welches Persönlichkeitsmerkmal der Fragebogen erfassen soll. Wofür ist dieses Merkmal im konkreten berufsbezogenen Fall bedeutsam? Außerdem ist vorab zu Qualitätsmerkmale von Persönlichkeitsfragebogen (Beispiele) Überblick. Wer Persönlichkeitsfragebogen einsetzen möchte, sollte vorab einige Qualitätsmerkmale prüfen. (Für weitere Infos siehe die Richtlinien zur Testbeurteilung des Diagnostik- und Testkuratoriums.) Oberflächenmerkmale · Dauer der Durchführung (zur Beantwortung des Fragebogens) · Dauer der Auswertung · Vorabinformationen · Transparenz · Handhabbarkeit (zum Beispiel Anzahl verfügbarer Sprachen) · Kosten · Aktualität (zum Beispiel eine regelmäßige Testpflege) · Service für Kundinnen und Kunden · Aufmachung (zum Beispiel das Design des Fragebogens und die Gestaltung des Auswertungsreports) · Bei computergestützten Verfahren: – Datenschutz – Systemstabilität – Barrierefreiheit – Usability · Inhalte des Fragebogens · Rechtliche Zulässigkeit (zum Beispiel Wahrung der Intimsphäre) · sprachliche Verständlichkeit (Fragen und Report) · Transparente Darstellung der Anforderungen an die Qualifikation derjenigen, die die Ergebnisse interpretieren · Verfahrenshinweise, diedienachDIN33430 geforderten Informationen enthalten Tiefenmerkmale · Anforderungsbezug · Theoretische Fundierung als Ausgangspunkt der Testkonstruktion · Objektivität · Normierung · Zuverlässigkeit (Reliabilität) · Gültigkeit (Validität) · weitere Gütekriterien (wie zum Beispiel Störanfälligkeit, Unverfälschbarkeit und Fairness) Eine Erläuterung der Qualitätsmerkmale und eine Richtlinie zur Qualitätsbeurteilung sind verfügbar unter https://www.psyndex. de/tests/ testkuratorium/#literatur.
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