wohnungspolitische informationen 47/2019
BUNDESPOLITIK Junge ziehen in die Städte, Alte aufs Land – Binnenmigration verschärft demografische Probleme Essen – Vor allem junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren verlagern ihren Wohnort – und zwar ganz überwiegend in die Städte. Ältere Personen wechseln dagegen deutlich seltener die Region. Sie zieht es tendenziell in ländliche Räume. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Analyse des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und der Ruhr Universität Bochum. Demnach verschärft die Binnenmigration die demografischen Unterschiede zwischen Stadt und Land. Auch die Faktoren, welche die Ortswahl beeinflussen, unterscheiden sich zwischen den Altersgruppen: Das regio nale Lohnniveau und andere Wirtschaftsindikatoren spielen vor allem für junge Menschen eine große Rolle. „Die Untersuchung zeigt die große Anzie- hungskraft der Städte auf junge Men- schen. Sie werden unter anderem durch das höhere Lohnniveau gelockt, während die höheren Wohnkosten im Vergleich eine eher untergeordnete Rolle spielen“, sagte RWI-Vizepräsident Thomas K. Bauer, einer der Autoren der Studie. „Ältere Personen ziehen zwar tendenziell wieder raus aus den Städten, allerdings in deutlich geringe- rer Zahl. Insgesamt verschärft die Binnen- migration die demografischen Unterschiede zwischen Stadt und Land“, so Bauer. Zentrale Ergebnisse Zwischen 2008 und 2014 sind insgesamt knapp 15,9 Millionen Personen mit deut- scher Staatsangehörigkeit aus einer Stadt oder einem Landkreis in eine andere Region umgezogen. 43 Prozent der einheimischen Binnenmigranten sind zwischen 18 und 29 Jahre alt. Zum Vergleich: Diese Alters- gruppe macht nur 14 Prozent der Gesamt- bevölkerung aus. Von den insgesamt 6,9 Millionen Bin- nenmigranten zwischen 18 und 29 Jah- Die Stipendiaten Sarah Hölzle, Laura Hahn und Jannik Bohn (v.l.) wurden als beste Absolventen der Ausbildung zur Immobilienkauffrau/-mann ausgezeichnet. Foto: GdW/Kamenov Stipendien für die besten Immobilien kaufleute 2019 Bereits zum zehnten Mal vergab der GdW auf dem Tag der Wohnungswirt- schaft drei Stipendien an die bundesweit besten Absolventen der Ausbildung zur Immobilienkauffrau/-mann, die ihre Aus- bildung bei einem der Mitgliedsunter- nehmen der Regionalverbände des GdW mit sehr gutem Ergebnis abgeschlossen haben. Florian Pronold, Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Natur- schutz und nukleare Sicherheit, dankte den drei Stipendiaten bei der Ehrung in Berlin herzlich. Eine gute Ausbildung sei angesichts des Fachkräftemangels für junge Menschen mehr denn je eine wich- tige Investition in die Zukunft. Der Bedarf an gut ausgebildeten Arbeitskräften sei gerade in der Wohnungswirtschaft und im Baugewerbe groß. Die Stipendien gelten für ein berufsbe- gleitendes Bachelorstudium Real Estate an einer von den wohnungswirtschaftlichen Verbänden eingerichteten Hochschule. Die Jury unter dem Vorsitz von GdW-Präsident Axel Gedaschko hat drei herausragende Bewerber ausgezeichnet: Jannik Bohn von der Hamburger Wohnen eG, Sarah Hölzle von der Wohngruppe Augsburg/Leben und Laura Hahn von der Stadtsiedlung Heil- bronn GmbH. „Ich gratuliere den drei Sti- pendiaten herzlich und wünsche Ihnen ein erfolgreiches Studium. Sie haben sich mit wirklich tollen Leistungen und herausra- genden Ausbildungsabschlüssen für das Stipendium des GdW qualifiziert“, erklärte Gedaschko. (burk/zeis) Fortsetzung von Seite 2 ren stammen 25 Prozent aus ländlichen Gebieten und 75 Prozent aus Städten. Nur 19 Prozent von ihnen ziehen in einen Landkreis um, während sich 81 Prozent für eine Stadt entscheiden. Dies führt zu einer Wanderungslücke für die ländlichen Gebiete von fast 460.000 Personen in die- ser Altersgruppe. Ältere Altersgruppen wechseln deutlich sel- tener die Region, tendenziell zieht es sie jedoch eher in ländliche Kreise. Sie kön- nen die ländliche Wanderungslücke der 18- bis 29-Jährigen aber nicht ausgleichen. Insgesamt verschärft die Binnenmigration die bereits bestehenden demografischen Probleme in ländlichen Räumen. Das gilt insbesondere für viele Landkreise in Ost- deutschland. In einer deskriptiven Analyse vergleicht die RWI-Studie zudem den Einfluss verschie- dener Faktoren auf die Migrationsent- scheidung. Demnach hängt sie bei Perso- nen unter 50 Jahren insbesondere von den wirtschaftlichen Möglichkeiten ab. So geht ein höheres Lohnniveau in einer Region mit einer geringeren Abwanderung und einer höheren Zuwanderung einher. Wohnkosten scheinen dagegen eher eine untergeordnete Rolle zu spielen: Regionen mit hohen Mietpreisen verzeichnen – unter ansonsten gleichen Bedingungen – eine etwas geringere Zuwanderung aller Alters- gruppen. Eine verstärkte Abwanderung aus teuren Regionen findet nur in der Gruppe der 30- bis 49-Jährigen statt. Die Analyse basiert auf kleinräumigen administrativen Daten, die jede Migrati- onsbewegung über die Bezirksgrenzen hin- weg zwischen 2008 und 2014 enthalten, aufgeschlüsselt nach verschiedenen Alters- gruppen. Die Informationen zu Mietpreisen stammen aus dem RWI-GEO-REDX Daten- satz des RWI-Forschungsdatenzentrums FDZ Ruhr. (bau/goe/schi) Die Analyse finden Sie unter www.rwi-essen.de/publikationen/ ruhr-economic-papers/1022 47/2019 3
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