WOHNUNGSPOLITISCHE INFORMATIONEN 30/2019

AUS DEN VERBÄNDEN len Wohnungsgesellschaften und die Woh­ nungsgenossenschaften seit 2000 über 90.000 Wohnungen abgerissen. Leerstand wird zunehmen Schon heute verteilt sich der Wohnungs­ leerstand differenziert. Während die Leer­ standsquote in den Großstädten bei 6,22 Prozent liegt, ist sie im ländlichen Raum mit 12,9 doppelt so hoch. Ein Indiz für die Ungleichheit von Stadt und Land in Sach­ sen-Anhalt. In 90 von 192 Wohnungsun­ ternehmen ist der Wohnungsleerstand 2018 gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Diese Tendenz wird sich mit Blick auf die demografische Entwicklung im Land fort­ schreiben. Mit durchschnittlich 4,89 Euro pro Quadratmeter liegen die Wohnungs­ angebote der VdW/VdWg-Mitgliedsun­ ternehmen in einem sehr guten Preis-Leis­ tungsverhältnis. Im Wesentlichen durch Modernisierungsinvestitionen ist die Durch­ schnittsmiete gegenüber 2017 um ein Pro­ zent gestiegen. Mit Blick auf die öffentliche Debatte um Wohnungsmangel und fehlenden bezahl­ baren Wohnraum in Ballungszentren kann für Sachsen-Anhalt festgestellt werden, dass im gesamten Land Sachsen-Anhalt auch in den Großstädten Magdeburg und Halle kein Wohnungsmangel besteht. Ein vergleichsweise gut modernisierter Woh­ nungsbestand kann preisgünstig ange­ mietet werden. Gerade auch für Men­ schen mit geringem Einkommen stehen bezahlbare und sanierte Wohnungen zur Verfügung. Das moderate Mietniveau der Mitgliedsunternehmen der Verbände bewirkt ein gutes Mietniveau im Land ins­ gesamt. Die VdW/VdWg-Mitgliedsunternehmen werden ihre Entwicklungsstrategie als Ant­ wort auf den demografischen Wandel im Jahr 2019 konsequent fortsetzen: Rund 1,3 Milliarden Euro investieren sie des­ halb 2018/2019 in zukunftsfähige Wohn­ quartiere und tragen damit zur Stabilität und Schaffung von Arbeitsplätzen bei. Die Unternehmen bleiben weiterhin Hauptak­ teure beim Stadtumbau in Sachsen-Anhalt in der Einheit von Investitionen und Abriss nicht benötigter Wohnungen. Sie haben außerdem das Netz der sozialen und woh­ nungsnahen Dienstleistungen weiterent­ wickelt und vermehrt altersgerechte Woh­ nungen geschaffen und werden diese Aktivitäten verstetigen. Demografische Entwicklung und steigende Baukosten haben negative Auswirkungen auf die künftige Geschäftslage vieler Woh­ nungsunternehmen. Während jedes zweite Wohnungsunternehmen die gegenwärtige Geschäftslage als sehr gut bis gut bewer­ tet, erwarten fast 90 Prozent der Unterneh­ men in den nächsten zwei bis drei Jahren eine unveränderte beziehungsweise ver­ schlechterte Geschäftslage. Hierfür gibt es drei wesentliche Ursachen: Die Landkreise werden weiterhin deutlich Einwohner ver­ lieren. In der Folge sinkt die Nachfrage nach Wohnraum. Als Folge zunehmenden Hand­ werkermangels und weiterer Bauauflagen steigen die Baukosten. Zusätzlich „vergif­ ten“ die aktuellen politischen Diskussionen und Entscheidungen zunehmend das Inves­ titionsklima. Politik muss sich den Tatsachen stellen Die Schaffung und Bewahrung von gutem und bezahlbarem Wohnen ist eine beson­ dere Herausforderung unserer Zeit. Die ins­ gesamt gute und preiswerte Wohnraum­ versorgung in Sachsen-Anhalt heute ist angesichts der gewaltigen Herausforde­ rungen eine Momentaufnahme. Die Poli­ tik muss sich der Tatsache stellen, dass für die Anforderungen an das Wohnen in den Bereichen Klimaschutz und Energiewende, altersgerechtem Umbau, Quartiersentwick­ lung, Stadtumbau, Digitalisierung, Instand­ setzung und Sanierung – und das alles unter dem Gesichtspunkt der Bezahlbarkeit bis 2030 – Investitionen allein in Sachsen- Anhalt von geschätzt 20 Milliarden Euro notwendig sind. Wer bezahlbares Wohnen auch morgen sichern will, braucht realisti­ sche politische Konzepte. Wir brauchen ein Bündnis von Politik, Wohnungswirtschaft und Mieten und nicht einen aussichtslosen Vorschlag nach dem anderen. (mei/zill/koch) Mehr Informationen zu den Verbänden sowie die Presseinformation zur Jahresstatistik finden Sie unter: https://bit.ly/2OeegYh Fortsetzung von Seite 3 Foto: VdWg Maßnahmen und Forderungen der Wohnungsunternehmen 1. Die Städtebauförderung und die soziale Wohnraumförderung leisten einen wich­ tigen Beitrag für die weitere Entwicklung der Städte und der Wohnungsbestände. Sie müssen auch nach 2020 auf dem heutigen Niveau fortgesetzt werden. 2. Das Wohngeld und die Kriterien der Kosten der Unterkunft müssen stärker und zeitnaher als bisher an die Entwicklung der Wohnungsmärkte angepasst werden. Das ist die Grundlage dafür, dass auch Menschen mit wenig Einkommen den Zugang zu angemessenem Wohnraum haben. 3. Wir brauchen eine gesellschaftliche Debatte zu der wichtigsten Frage, wie gleich­ wertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land hergestellt werden können, die den Menschen eine Lebensperspektive gibt. 4. Wir brauchen auch künftig einen aktiven Stadtumbau in Sachsen-Anhalt, der von vielen Akteuren getragen wird und durch eine Stadtumbauförderung auf dem Niveau des Jahres 2019 unterstützt und begleitet wird. Hierzu gehört auch eine Altschuldenentlastung. Bei der Präsentation der Jahresstatistik 2018 zogen die Verbandsdirektoren Ronald Meißner (VdWg) und Jens Zillmann (VdW) (v. l.) eine positive Bilanz. 4 30/2019

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