WOHNUNGSPOLITISCHE INFORMATIONEN 30/2019
AUS DEN VERBÄNDEN BBU-Jahrespressekonferenz Brandenburg: Verstärkter Fokus auf gleichwertige Lebensverhältnisse Potsdam/Berlin – „Mit der weiteren Ausdifferenzierung von Brandenburgs Wohnungsmärkten steigen auch die Anforde- rungen an eine Wohnungspolitik, die die Herstellung und Wahrung von gleichwertigen Lebensverhältnissen weiterhin in den Mittelpunkt stellt.“ Das war das Fazit von Maren Kern, Vorstand des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Woh- nungsunternehmen (BBU) bei der Vorstellung der Auswertung der Ergebnisse der aktuellen BBU-Jahresstatistik für das Land Brandenburg am 17. Juli 2019 in Potsdam. Das Land muss auf die zunehmenden regionalen Ungleichgewichte bei Mieten-, Investitions- und Leerstandsentwicklungen mit der weiteren Stärkung seiner bewährten kooperativen Woh- nungspolitik reagieren – und dem Auflegen eigener Förderprogramme. „Diskussionen um Mietendeckel, Woh nungsnot oder Mietenexplosion haben im Land Brandenburg keine sachliche Grund lage“, so Kern weiter. „Die Herausforde rungen für unsere Städte liegen woanders: Es geht darum, Wachstum gleichmäßig zu verteilen und die Voraussetzungen dafür zu verbessern, dass hier keine Region den Anschluss verliert.“ Das hat auch eine Umfrage unter den brandenburgischen BBU-Mitgliedsunternehmen gezeigt: Deren Hauptaugenmerk richtet sich demnach auf gemeinwohlorientierte Maßnahmen, die den Zusammenhalt in den Städten und dem Land insgesamt stärken. An erster Stelle kommen hier der Ausbau von Nah verkehrs-, Bildungs- und Sozialinfrastruk tur sowie die Stadtentwicklungsförderung. Wohnkosten: Einkommen steigen schneller als die Mieten Eine Auswertung von Daten zur regionalen Entwicklung von Haushaltsnettoeinkom men und BBU-Mieten hat ergeben: Sowohl im Brandenburger Durchschnitt als auch in den kreisfreien Städten sind die Einkommen in den letzten Jahren schneller gestiegen als die Nettokalt- oder Bruttowarmmieten – teilweise sogar deutlich. „Die Fakten zei gen, dass unsere Wohnungsunternehmen mit größtem sozialen Augenmaß bei der Gestaltung ihrer Mieten vorgehen“, sagte Kern. „Tatsächlich würden die Mieten in vielen Landesteilen sogar stagnieren – mit telfristig ein Risiko für die Investitionskraft der Wohnungswirtschaft. In Brandenburg lag die durchschnittliche Nettokaltmiete bei den rund 210 BBU-Mitgliedsunterneh men Ende 2018 bei 5,07 Euro pro Monat und Quadratmeter. Gegenüber dem Vor jahr war das ein Plus von nur 1,6 Prozent, bei einer allgemeinen Inflationsrate von 1,7 Prozent und einer Baupreisinflation von sogar 5,8 Prozent. Leerstand: Das Land ist in der Pflicht Auch wenn viele BBU-Mitgliedsunterneh men Zuzug aus umliegenden Ortschaften, Berlin, von Rückkehrern oder aus anderen Bundesländern registrieren: „Mehr als die Hälfte unserer Wohnungsunternehmen hat bei einer Umfrage angegeben, dass sich Zu- und Wegzug in ihren Städten die Waage halten, oder dass sie sogar noch immer keinen nennenswerten Zuzug fest stellen können“, so Kern. Dazu passt, dass in vielen Städten des weiteren Metropo lenraums die Leerstände wieder ansteigen – teilweise deutlich. „Wir sehen diese Ent wicklung mit größter Sorge, auch wenn wir sie leider zutreffend vorhergesagt haben. Da es trotz unserer Warnungen bislang kein wirkliches Gegensteuern gab, sagen wir es jetzt mit aller Deutlichkeit: Wir brau chen die Unterstützung des Landes. Die Wohnraumförderung muss so ausgeweitet werden, dass mit ihr auch Wohnungsunter nehmen in besonders benachteiligten Regi onen bei Rückbau und Schuldenentlastung unterstützt werden“, unterstrich Kern. Investitionen: Schwierigen Rahmen- bedingungen wird noch getrotzt In diesem Jahr planen die Brandenburger BBU-Mitgliedsunternehmen, ihre Investiti onen um 22 Prozent auf dann 761 Millio nen Euro auszuweiten. Auch hier nimmt die regionale Ausdifferenzierung der Inves titionen deutlich zu. In Potsdam sollen in diesem Jahr 522 Wohnungen fertiggestellt werden – gegenüber dem Vorjahr eine Ver dopplung. Zwischen 2019 und 2023 pla nen die BBU-Mitgliedsunternehmen hier die Fertigstellung von mindestens 1.264 Wohnungen. Doch auch in den Städten des weiteren Metropolenraums wird mehr gebaut: 2019 sollen in diesen Landestei len 365 Wohnungen fertiggestellt wer den. „Dieser Neubau ist für die Diversifi zierung des Wohnungsangebots in diesen Landesteilen notwendig“, so Kern. „Aller dings wird hier die Investitionskraft unse rer Unternehmen durch stagnierende Mie ten und wiederansteigende Leerstände in zunehmendem Maße bedroht. Hier geht es nicht nur um Risiken für die regionalen Wirtschaftsstrukturen, sondern auch um die Attraktivität und Lebensfähigkeit der Städte.“ (ebe/koch) Sachsen-Anhalt: „Wohnen in Stadt und Land muss auch in Zukunft bezahlbar und attraktiv bleiben!“ Magdeburg – „Die kommunale und genossenschaftliche Wohnungswirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt zieht für das Jahr 2018 eine insgesamt positive Bilanz. Die 192 Wohnungsunternehmen beider Verbände verwalten und bewirtschaf- ten 327.224 Wohnungen, das heißt circa 42,5 Prozent des Gesamtmietwohnungsbestandes in Sachsen-Anhalt, in denen über 600.000 Menschen wohnen.“ Das erklärten anlässlich der Vorstellung der Jahresstatistik 2018 der Wohnungswirt- schaft in Sachsen-Anhalt Anfang Juli 2019 die Verbandsdirektoren Ronald Meißner (VdWg) und Jens Zillmann (VdW). Die Wohnungsunternehmen investier ten seit 1990 circa 19,2 Milliarden Euro. Heute sind rund 95 Prozent des Gesamt wohnungsbestandes voll- beziehungs weise teilmodernisiert. Allein im Jahr 2018 wurden 534 Millionen Euro investiert. Für 2019 sind rund 630 Millionen Euro geplant. Hauptsächlich bestimmt die Erhaltung und Modernisierung der Bestandswohnun gen, aber auch der Neubau von Woh nungen an zukunftsfähigen Standorten mit 157 Millionen Euro die Investitionstä tigkeit. Dabei sind Formen des altersge rechten Wohnens ein Investitionsschwer punkt. Die Wohnungsleerstände betrugen Ende 2018 insgesamt 32.533 Wohnungen. Das sind 38.500 Wohnungen weniger als noch 2005. Ohne Wohnungsabriss wäre der Leerstand gestiegen. Die Leerstands quote bei den Wohnungsgenossenschaften beträgt derzeit 8,2 Prozent, bei den kom munalen Wohnungsgesellschaften 12,6 Prozent. Insgesamt haben die kommuna Weiter auf Seite 4 30/2019 3
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