WOHNUNGSPOLITISCHE INFORMATIONEN 43/2019
AUS DEN VERBÄNDEN Foto: vbw Foto: vbw Wohnungsbaugenossenschaften können Quartier: Sie bieten gleichermaßen Wohn- und Begegnungsraum sowie Betreuung im Stadtteil Stuttgart – Die baden-württembergische Wirtschafts- und Bauministerin Nicole Hoffmeister-Kraut besuchte am 14. Ok- tober 2019 gemeinsam mit weiteren Vertretern der dortigen Wohnraum-Allianz den Stuttgarter Stadtteil Giebel. Dabei betonte sie, wie wichtig Genossenschaften für die Entwicklung von Quartieren seien. „Genossenschaften sind auch für die Zukunft ein Erfolgsmodell, denn sie tragen wesentlich zu einem guten sozialen Klima in unserer Gesellschaft sowie guten Wohnstandards und intakten Städten und Gemeinden bei“, so Hoffmeister-Kraut. Das Quartier erfährt eine Auf- wertung, seit die Baugenossenschaft Neues Heim dort nicht nur den Wohnungsbestand erneuert, sondern auch ein eige- nes Quartierskonzept umsetzt. „Genossenschaften können mehr als Bauen und Vermieten, sie können Quartier“, lautete die Kernaussage, die mehrere Wohnungsbaugenossenschaften der Ministerin vor Ort mitgaben. 168 Wohnungsbaugenossenschaften gibt es in Baden-Württemberg, 19 von ihnen haben ihren Sitz in Stuttgart. Sie bie- ten ihren Mitgliedern guten und sicheren Wohnraum zu bezahlbaren Konditionen an – und das ein Leben lang. Insgesamt bewirt- schaften sie rund 146.000 Wohnungen im Land, in Stuttgart sind es über 32.000 Wohnungen. Das ist ihre Kernkompetenz. „Geprägt durch ihre Rechtsform, überneh- men sie als Bauherren, Vermieter, Verwalter und Mitgestalter der Quartiere und Städte eine immer größere Verantwortung für das Zusammenleben in den Stadtteilen“, sagte Dr. Iris Beuerle , Verbandsdirektorin des Verbandes baden-württembergischer Woh- nungs- und Immobilienunternehmen (vbw). Die satzungsgemäß vorgegebene Mitglie- derförderung, die vor allem die Versorgung mit Wohnraum beinhaltet, wird mittler- weile viel weiter gesehen. Sie umfasst auch Angebote für die Nachbarschaft und das Wohnen. Davon profitieren die rund 40.000 Genossenschaftsmitglieder in Stuttgart. In Giebel hat die Baugenossenschaft Neues Heim die alten Bestandsgebäude in der Mittenfeldstraße Schritt für Schritt rückge- baut und durch neue, energetisch moderne und barrierefrei erschlossene Gebäude ersetzt. Ein Baufeld mit 157 Wohnungen ist bereits fertig, der zweite Projektteil mit weiteren 178 Wohnungen befindet sich gerade in der Umsetzung. In diesen investiert die Baugenossenschaft nochmals rund 35 Millionen Euro. „Unsere Mieter sind gleichzeitig Mitglieder. Sie haben ein Dauernutzungsrecht, eine Stimme in der Mitgliederversammlung und einen guten Draht zu uns“, sagte Rüdiger Maier , Vor- standsvorsitzender der Baugenossenschaft Neues Heim. Das Neue Heim setzt im Sinne der Mitglie- der nicht nur auf die Bestandserneuerung, sondern auch auf ein eigenes Quartierskon- zept. Zu diesem Konzept zählen sozialer Wohnraum, eine senioren- und behinder- tengerechte Infrastruktur und Räume der Begegnung. Die Baugenossenschaft bietet dafür barrierefreie sowie geförderte Woh- nungen, das Angebot eines Pflegezimmers für ambulante Pflegefälle im Quartier, die Räumlich- keiten für eine Hausarzt- praxis sowie Wohnraum für zwei integrative Behin- dertenwohngemeinschaf- ten der Diakonie. Derzeit stellt das Unternehmen außerdem Wohnungen für „Junges Wohnen“ mit temporären Mieterverhält- nissen zur Verfügung. Im Quartier Giebel trifft sich daher Jung und Alt – und darunter sowohl gesunde als auch eingeschränkte und kranke Menschen, die hier eine Hei- mat gefunden haben. Bis 2023 sollen im dritten Bauabschnitt zudem zwei ambu- lant betreute Pflegewohngemeinschaften in Giebel ein Zuhause finden. „Der Schlüs- sel für gute Nachbarschaften liegt nicht nur in attraktiven, lebenswerten und bezahlba- ren Wohnungen, sondern vor allem auch in sozialen vielfältigen Quartiersangeboten und in Räumen, die Begegnung ermögli- chen, wie zum Beispiel dem gemeinsam mit weiteren Genossenschaften genutzten Wohncafé“, so Maier. Die Stuttgarter Baugenossenschaften bie- ten ihren Mitgliedern und Wohnungs- nutzern aber noch viel mehr: im sozialen Bereich beispielsweise Nachbarschaftstreffs und Mietercafés, Mehrgenerationen- und Senioren-WGs, Pflegewohnungen und Ver- sorgungssicherheit, Quartiersbetreuung durch den Verein „Integrative Wohnfor- men”, Hausmeister als Ansprechpartner vor Ort, Umzugshilfen sowie Vermittlung vielfältiger Unterstützungsangebote. Hinzu kommen Mobilitätsangebote wie eine Sta- tion für Car-, Bike- und Roller-Sharing. Auch beim Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind die Genossenschaf- ten auf unterschiedlichen Wegen unter- wegs, von denen die Nutzer profitieren. So nutzen sie Eisspeicherheiztechnik, Block- heizkraftwerke (BHKW), Holzpelletheizun- gen und Photovoltaikanlagen. Dabei zählt jedoch nicht nur der ökologische Aspekt, denn für viele Mitglieder ergeben sich ins- besondere bei den BHKW auch Kosten- vorteile. (schu) 4 43/2019 Das vielseitige Quartierskonzept der Baugenossenschaft Neues Heim kommt allen Mietern zugute. Rüdiger Maier (Baugenossenschaft Neues Heim), Baden-Württembergs Bauministerin Nicole Hoff- meister-Kraut, Dr. Iris Beuerle (vbw) und der Landtagsabgeordnete Tobias Wald (CDU) (v. l.)
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