WOHNUNGSPOLITISCHE INFORMATIONEN 28/2019

JAHRESSTATISTIK BUNDESPOLITIK meter als noch im Vorjahr zahlen – das ist ein Anstieg von 8,3 Prozent. Damit erreich- ten die inserierten Angebotsmieten in den größten Großstädten im Jahr 2018 ein Niveau von 11,20 Euro pro Quadratmeter – das ist deutlich mehr als der Durchschnitt in den übrigen Großstädten von 7,96 Euro pro Quadratmeter und den städtischen Kreisen von 7,91 Euro pro Quadratmeter. Angebotsmieten über Online-Plattfor- men verzerren Datenlage Anderseits ist die Datenlage zur Entwick- lung der Neu- und Wiedervermietungsmie- ten in Deutschland deutlich verzerrt und die Steigerung der Mieten damit ein gutes Stück weit überzeichnet. Auswertungen zu Angebotsmieten beruhen mangels Alter- nativen auf Auswertungen von Online- Plattformen für Mietwohnungsvermitt- lung. Gerade in angespannten Märkten werden die Wohnungen der GdW-Unter- nehmen nicht mehr über diese Plattformen vermittelt, was generell auch für andere preisgünstige Wohnungen zutrifft, die über Empfehlungen und unter der Hand neu vermietet werden. Genossenschaften haben oft lange Wartelisten und die kom- munalen Unternehmen können ihren Woh- nungsbestand aufgrund der dargestellten Preisvorteile oft ohne die Unterstützung kommerzieller Plattformen neu vermieten. Fallstudien zu den Wohnungsmärkten von Hamburg und Berlin haben etwa gezeigt, dass die Neu- und Wiedervermietungsmie- ten bei den GdW-Unternehmen in Ham- burg 38 Prozent beziehungsweise in Berlin 30 Prozent unter den aus den Online- Plattformen ermittelten Marktmieten lag. „Oft wird ohne die nötige wissenschaft- liche Sorgfalt darüber hinweggegangen, dass das aus Online-Plattformen ermittelte Mietniveau keineswegs repräsentativ ist“, so Gedaschko. „Auch in den Fußnoten wird in der Regel nicht auf dieses Missver- hältnis hingewiesen.“ (schi/burk/koch) Fortsetzung von Seite 3 Internationaler Tag der Genossenschaften – wertvolles Regelwerk für gutes und bezahlbares Wohnen Berlin – In diesem Jahr feiern wir den 130. Geburtstag des Genossenschaftsgesetzes, das am 1. Mai 1889 im Reichgesetz- blatt verkündet und am 1. Oktober 1889 in Kraft getreten ist. „Wir können dankbar sein, in Deutschland solch ein Re- gelwerk zu haben, das die genossenschaftlichen Grundprinzipien der Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstver- waltung auch gesetzlich verankert“, erklärte Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW, anlässlich des Internationalen Tages der Genossenschaften am 6. Juli. Die große Zahl von 539 Wohnungsgenos- senschaften, die bis Ende 2019 ihr 100. Jubiläum gefeiert haben werden, spricht auch für die Qualität des Genossenschafts- gesetzes. Wohnungsgenossenschaften stellen einen Mittelweg zwischen indivi- duellem Eigentum und Miete dar. Einer- seits sind die Mitglieder Miteigentümer der Genossenschaft und genießen deshalb eine größere Sicherheit. Andererseits sind sie flexibler als Wohnungseigentümer, da sie den Miet- beziehungsweise Nutzungs- vertrag ganz normal kündigen können. Die Wohnungsgenossenschaften sind ein wich- tiger und verlässlicher Partner, wenn es um die Schaffung und Bereitstellung bezahlba- ren Wohnraums geht. Mittlerweile leben 5 Millionen Menschen in Deutschland bei den rund 2.000 im GdW organisierten Wohnungsgenossenschaften. Ihr Handeln ist nicht auf Rendite ausgelegt, sondern in erster Linie auf das Wohl ihrer Mitglie- der. Dieser dem Genossenschaftswesen innewohnende Förderzweck kennzeichnet das genossenschaftliche Geschäftsmodell. „Die Wohnungsgenossenschaften sind mit ihrem Geschäftsmodell selbst die ‚gelebte Mietpreisbremse’“, so der GdW-Präsident. „Das Genossenschaftsgesetz, das seit dem Inkrafttreten auch schon mehrmals novel- liert wurde, ist ein Garant für die stetige Fort- und Weiterentwicklung des genossen- schaftlichen Geschäftsmodells. Es sichert altbewährte Prinzipien und schafft zugleich Raum für flexible Gestaltungsmöglichkei- ten. „Jede Anpassung dieses wertvollen Regelwerkes muss mit Bedacht erfolgen“ betonte der GdW-Präsident. Auch die sächsischen Wohnungsgenos- senschaften feierten wieder den internati- onalen Tag der Genossenschaften mit einer Vielzahl unterschiedlicher Veranstaltungen. „Ob in Crimmitschau, Bautzen, Döbeln oder Hoyerswerda, gefeiert wird im ganzen Freistaat, so Dr. Axel Viehweger, Vorstand des Verbandes Sächsischer Wohnungsge- nossenschaften (VSWG). In Deutschland sind 22,56 Millionen Menschen Mitglied einer Genossenschaft. Das ist jeder vierte Bundesbürger. Es vergeht kein Tag, an dem nicht jeder Mensch mit Genossenschaften in Kontakt kommt: die Wohnung in einer Wohnungsbaugenossenschaft, das Giro- konto bei einer Volks- oder Raiffeisenbank, der Einkauf bei Rewe, der Friseurbesuch, der Strom der Energiegenossenschaft oder die Fahrt im Taxi. Genossenschaften för- dern als lokal verwurzelte Unternehmen die Wirtschaftskreisläufe vor Ort. Bei ihnen werden die unternehmerischen Entschei- dungen nicht unter Renditevorgaben, son- dern zumWohle ihrer Mitglieder getroffen. Durch ihre nachhaltige Wirtschaftsweise erzielen die Genossenschaften positive Effekte für die Gesellschaft. Sie haben sich gerade in den letzten Jahren als äußerst krisen- und insolvenzfest erwiesen und sind ein Vorbild für viele Wirtschaftsbereiche. (jak/schi/koch) Deutsche Entwicklungshilfe für soziales Wohnungs- und Siedlungswesen e.V. DESWOS-Spendenkonto IBAN: DE87 3705 0198 0006 6022 21 Dafina macht Druck. Mit einer Ziegelpresse. Sie möchte SELBER BAUEN und Ziegel verkaufen. Die DESWOS hilft ihr! Selbsthilfe deswos.de sambia Anzeige 4 28/2019

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