WOHNUNGSPOLITISCHE INFORMATIONEN 28/2019

JAHRESSTATISTIK Was kostet das Wohnen in Deutschland? Berlin – Wohnen in Deutschland wird teurer. Vor allem die steigenden Kosten für Energie, Strom und Steuern tragen maßgeblich zur Teuerung des Wohnens bei. „Diese drastische Teuerung gilt in ganz Deutschland und für alle Mieter“, er- klärte GdW-Präsident, Axel Gedaschko, anlässlich der Jahrespressekonferenz am 17. Juni 2019. Die Nettokaltmieten sind bundesweit seit dem Jahr 2000, ebenso wie die kalten Betriebskosten, um 26 Prozent gestiegen. Dieser Anstieg liegt un- terhalb der allgemeinen Teuerung, die in diesem Zeitraum 32 Prozent ausmachte. Die GdW-Unternehmen tragen dabei maßgeblich zu einer Stabilisierung der Mietentwicklung bei. Größter Preistreiber bei den Wohnkosten sind aber weiterhin eindeutig die Ener- giepreise. Die Verbraucherpreise für Gas, Heizöl und andere Haushaltsenergie sind seit dem Jahr 2000 um über 89 Prozent gestiegen. Nach einer Phase der spürba- ren Entspannung bei den Energiepreisen in den Jahren 2014/2015 sind diese Preise seit Anfang 2016 wieder auf leichtem Wachstumskurs. Gas verteuerte sich über den gesamten Zeitraum von 2000 bis 2018 um 79 Prozent, Fernwärme um 90 Prozent und flüssige Brennstoffe wie leichtes Heizöl sogar um 108 Prozent. Die Stromkosten, die meistens direkt mit den Anbietern abgerechnet werden und daher kein Bestandteil der von den Woh- nungsunternehmen umgelegten Betriebs- kosten sind, kletterten seit dem Jahr 2000 um 109 Prozent und trugen somit weit mehr zur Überteuerung des Wohnens bei als die Nettokaltmieten. Die zuletzt leicht gesunkenen Energiepreise machen gleichzeitig ein großes Dilemma deutlich: Die von der Bundesregierung angenommenen Einspareffekte infolge umfassender energetischer Modernisie- rungen werden angesichts der geringeren Preise, beispielsweise für Gas und Heizöl, noch langsamer bzw. gar nicht eintreten. „Energetische Modernisierungen sind auf solch hohem Niveau, wie sie mittler- weile in Deutschland vorgeschrieben sind, angesichts geringerer Energiepreise auch für die Mieter schlicht und ergreifend unwirtschaftlich“, erklärte GdW-Präsident Gedaschko. Dieses Dilemma erfasst auch immer mehr Wohnungsunternehmen. „Sie sollen und wollen modernisieren, sollen Klimaziele erreichen, wirtschaftlich arbei- ten und die Mieten bei immensen Bau- kosten bezahlbar halten und dabei noch Millionen von Wohnungen bauen“, so der GdW-Chef. Dass das so nicht funkti- oniert, ist offensichtlich. „Die Bundesre- gierung muss hier dringend neue Ansätze finden, um die Energiewende im Gebäu- debereich zu schaffen und für Vermieter und Mieter machbar zu gestalten: Gering investive Maßnahmen zur Unterstützung des Mieters beim Energiesparen und vor allem die dezentrale Energieerzeugung – CO 2 -arm und preiswert – sind die richtigen Antworten beim Klimaschutz im Gebäu- debereich.“ GdW-Mieten liegen unter Bundes- durchschnitt Die Nettokaltmieten sind in den GdW- Unternehmen von 2017 auf 2018 um acht Cent auf 5,72 Euro pro Quadrat- meter gestiegen. Deutschlandweit lagen die Bestandsmieten im Jahr 2018 nach Berechnungen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) bei durchschnittlich 6,39 Euro pro Quad- ratmeter nettokalt. Damit liegen die Net- tokaltmieten in den Beständen des GdW 67 Cent unter dem Durchschnitt der bun- desweiten Bestandsmieten. Letztere sind im Verlauf des Jahres 2018 um 1,6 Prozent beziehungsweise neun Cent pro Quadrat- meter gestiegen. Aufgrund der moderaten Mietentwicklung wirkt das Wohnungsan- gebot der GdW-Unternehmen beruhigend auf das Mietniveau. So liegt das Mietenni- veau bei den GdW-Unternehmen gut 17 Prozent unter dem Mietspiegelniveau von bundesweit 6,92 Euro pro Quadratmeter. Das bedeutet: Bei einer Wohnfläche von 70 Quadratmetern zahlten Mieterhaushalte in Wohnungen der GdW-Unternehmen somit 1.008 Euro weniger im Jahr als der Durch- schnitt aller Mieterhaushalte. Die Unter- schiede nach Regionen und Wohnungs- segmenten sind hier selbstverständlich sehr groß. GdW-Betriebskostenentwicklung Die Betriebskosten haben sich bei den GdW-Unternehmen im Vergleich zu den Preissteigerungen bei den einzelnen Kos- tenarten kaum erhöht. Die Mieter muss- ten für die kalten Betriebskosten im Jahr 2018 durchschnittlich 1,54 Euro pro Qua- dratmeter vorauszahlen – und damit nur einen Cent pro Quadratmeter mehr als im Vorjahr. Die Vorauszahlungen bei den warmen Betriebskosten sind von 2017 auf 2018 sogar erneut um einen Cent pro Qua- dratmeter gesunken und liegen jetzt bei 1,08 Euro pro Quadratmeter. Die GdW-Unternehmen haben große Anstrengungen in die weitere Professiona- lisierung des Betriebskostenmanagements gesteckt, zum Beispiel im Bereich der Müll­ entsorgung. In den vergangenen 10 Jah- ren haben die GdW-Unternehmen gut 33 Milliarden Euro in die Modernisierung ihrer Bestände investiert – also rund neun Millio- nen Euro pro Tag. Neu- und Wiedervermietungsmieten steigen bundesweit Die Mieten in Inseraten angebotener Woh- nungen aus Erst- und Wiedervermietungen haben in den letzten Jahren bundesweit erneut deutlich zugelegt – 2018 um 5,2 Prozent auf durchschnittlich 8,41 Euro pro Quadratmeter nettokalt. „Zwischen den Regionen gibt es große Unterschiede: In vielen peripheren ländlichen Kreisen liegt der Schnitt der Mietinserate bei unter 5,50 Euro pro Quadratmeter. Die Stadt München ist dagegen mit 17,73 Euro pro Quadrat- meter bundesweit Spitzenreiter bei den inserierten Mieten“, so Gedaschko. In den 13 deutschen Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern mussten die Mieter bei Neueinzug für eine Wohnung durch- schnittlich 70 Cent mehr für den Quadrat- Weiter auf Seite 4 Die Entwicklung der Verbraucherpreise zwischen den Jahren 2000 und 2018 zeigt, dass die gestie- genen Strom- und Energiepreise maßgebliche Kostentreiber der Mietpreise sind. Quelle Grafik: GdW-Jahresstatistik 2018 28/2019 3

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